Filmpremiere in Erklelenz
WDR. 05:14 Min.. Verfügbar bis 12.06.2028.
Jacqueline Jansen ist in Erkelenz aufgewachsen, auf einem Kohlbauernhof, wie sie selbst sagt. Mit ihrem Spielfilmdebüt "Sechswochenamt" kehrt die Filmemacherin aus Berlin am Freitagabend, dem 12. Juni, dorthin zurück. Und mit ihr eine Geschichte, die sie nicht loslassen wollte: der Tod ihrer Mutter, mitten im ersten Corona-Lockdown 2020.
Trauer und Bürokratie
Es ist eine einfache Frage, auf die es keine einfache Antwort gibt: Wie verabschiedet man sich von einem Menschen, den man liebt, wenn rundherum alles stillsteht?
Lore, die Hauptfigur in "Sechswochenamt", stellt sich dieser Frage ungewollt. Ihre Mutter stirbt im März 2020, genau in dem Moment, in dem Deutschland zum ersten Mal in den Lockdown geht. Sarg aussuchen, Traueranzeige schreiben, Sechswochenamt organisieren: das Leben geht weiter. Nur Trauern, dafür bleibt kaum Zeit.
"Sechswochenamt" ist Jacqueline Jansens erster Spielfilm. Und es ist, wie sie selbst sagt, "filmische Autofiktion": Eine Geschichte, die auf ihrer eigenen basiert, aber künstlerisch verdichtet wurde. "Manchmal weiß ich selber nicht mehr, was wahr ist und was Fiktion ist", sagt sie.
"Ich hole es mir total ran"
Was den Film von vielen anderen Trauergeschichten unterscheidet, ist seine Haltung. Jansen will nicht verarbeiten. Das Wort lehnt sie ausdrücklich ab. "Verarbeiten bedeutet für mich, etwas zur Seite zu schaffen und sich nicht mehr damit beschäftigen zu wollen. Das ist das genaue Gegenteil von dem, was ich mache."
Stattdessen lädt der Film ein: hinzuschauen, nachzudenken, früher mit dem Thema Tod und Sterben in den Dialog zu gehen. Jansen schätzt, dass rund 96 Prozent der Menschen sterben, ohne sich um irgendetwas gekümmert zu haben, keine Wünsche festgehalten zu haben, keine Gespräche geführt zu haben. "Da steckt eine Freiheit drin", sagt sie.
Erkelenz als Kulisse und als Heimat
Gedreht hat Jansen in Erkelenz und Umgebung. Viele Nebenrollen wurden mit Laiendarstellerinnen und -darstellern aus der Region besetzt, die rheinischen Dialekt sprechen. Einige Menschen aus der Region spielen im Film Rollen, die ihrer echten Arbeit sehr nahe kommen, darunter ein echter Bestatter aus Erkelenz.
Freitagabend kommt "Sechswochenamt" genau dorthin zurück. Der Film feiert im Gloria Filmpalast Erkelenz seine Vorpremiere mit Regisseurin Jacqueline Jansen und Hauptdarstellerin Magdalena Laubisch persönlich. Zwei Vorstellungen, beide ausverkauft: "Das Erkelenzer Publikum ist das persönlichste, das ich haben kann."
Gedreht wurde in nur 24 Tagen
Jansen hat ihren Film ohne institutionelle Filmförderung realisiert. Nach mehreren Ablehnungen entschied sie sich, ihn selbst zu produzieren. Das Budget: 96.000 Euro, zusammengetragen über mehr als zwei Jahre aktiver Akquise in der Region. 23 Finanzierungspartnerinnen und -partner, vom Bestattungsinstitut bis zum privaten Kulturliebhaber. Das gesamte Team verzichtete auf seine Gagen.
Fünf Preise, 20 Festivals und jetzt die Kinos
Nun startet "Sechswochenamt" am Donnerstag, dem 18. Juni 2026, bundesweit in den Programmkinos. Ob er lange läuft, entscheiden die Kinobetreiber vor Ort und das Publikum. Jansen hofft, dass die Menschen den Schritt ins Kino wagen, auch wenn das Thema auf den ersten Blick abschrecken mag.
Tod, Abschied, Corona, das klingt nach schwerem Stoff. Aber es ist auch komisch, ehrlich und menschlich nah. "Zum Weinen und zum Lachen", sagt Jansen.
Unsere Quelle:
- WDR-Gespräch mit Regisseurin und Filmemacherin Jacqueline Jansen
Sendung: WDR 2 Aachen und die Region, Lokalzeit, 12.06.2026, 06:31 Uhr
