Streit um Hausrückkauf am Tagebau Garzweiler
WDR. 03:15 Min.. Verfügbar bis 31.03.2028.
Seit klar ist, dass die Erkelenzer Ortschaften Keyenberg, Kuckum, Ober- und Unterwestrich sowie Berverath nicht mehr dem Tagebau weichen müssen, haben Umsiedler die Chance, ihr altes Haus wieder von RWE zurückzukaufen. Ihnen wurde ein Vorkaufsrecht eingeräumt.
Gerrit Hermes würde das gerne machen, doch er hält den Kaufpreis für das Haus aus dem Jahre 1974 für zu hoch. Deshalb klagt er nun gegen die Stadt Erkelenz und den RWE-Konzern.
Viele Mängel am Haus durch Leerstand
Der Briefkasten am ehemaligen Haus von Hermes
Das Namensschild hängt noch immer am Briefkasten. Gerrit Hermes erzählt, dass er sich immer wohlgefühlt habe in Keyenberg. Der 61-Jährige ist Unternehmensberater. Vor drei Jahren hat er das Haus an den RWE-Konzern verkauft. 20 Jahre hat er hier gewohnt, direkt an dem Haus grenzt die Praxis seiner Frau an. Als er an RWE verkaufen musste, habe der Konzern ihm 198.000 Euro geboten. Heute wolle RWE von ihm aber 220.000 Euro.
"Was den Kaufpreis angeht, da ist man natürlich immer unterschiedlicher Auffassung", sagt Hermes. Aber das Haus habe jetzt drei Jahre leer gestanden. Vieles müsse erneuert werden, so der 61-Jährige. So besitzt das Haus zum Beispiel noch eine Öl-Heizung, die Fenster müssten erneuert werden und auch die Isolation
Hohe Investitionen
Gerrit Hermes vor seinem Haus
Hermes geht davon aus, dass die Sanierung des Hauses rund 200.000 Euro kosten werde. Den aktuellen Kaufpreis hat der Gutachterausschuss des Kreises Heinsberg festgelegt. Der ehemalige Eigentümer kritisiert in diesem Zusammenhang, dass sich der Gutachter kein eigenes Bild von dem Haus gemacht habe, er habe den Preis auf Basis von RWE-Angaben taxiert.
Außerdem - so ein weitere Vorwurf - sei gar kein vollständiges Gutachten erstellt worden. Es seien nur Schäden in das Gutachten eingeflossen, betont Hermes, die entstanden sind als das Haus leer war. Vorherige Schäden seien nicht berücksichtigt worden. "Und das ist aus unserer Rechtsfassung, zumindest aus meiner und dem meines Fachanwaltes, nicht rechtskonform", sagt der Unternehmensberater.
Stadt Erkelenz widerspricht
Stephan Muckel, Bürgermeister Stadt Erkelenz
Der RWE-Konzern will sich zu dem laufenden Verfahren nicht äußern, betont aber, dass alles sehr transparent sei. Die Stadt Erkelenz sieht der juristischen Auseinandersetzung sehr gelassen entgegen. "Mir ist schleierhaft, auf welche Rechtsposition entschieden werden soll", sagt Bürgermeister Stephan Muckel (CDU). Es gebe für eine Klage keine Rechtsgrundlage.
Klar gebe es immer wieder Kritik an dem Verfahren, und offene Fragen, habe man immer beantwortet. Und die Nachfrage nach den Häusern in den alten Ortschaften sei sehr hoch: Bisher, so der CDU-Politiker, hätten sich mehr als 1.500 Interessenten gemeldet.
Erste Verkäufe schon bald
Insgesamt will RWE in den kommenden Jahren 750 Häuser in den Alt-Orten verkaufen. Derzeit, erklärt ein RWE-Sprecher, seien 44 Gebäude auf dem freien Markt.
Für 31 würden schon Kaufzusagen vorliegen. Derzeit würden 16 Notarverträge vorbereitet.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Gerrit Hermes
- Stadt Erkelenz
- RWE
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Aachen, 31.03.2026, 19.30 Uhr
