Umweltskandal Kreis Heinsberg: Millionenkosten drohen
Lokalzeit aus Aachen. 25.08.2025. 05:10 Min.. Verfügbar bis 25.08.2027. WDR. Von Thomas Wenkert.
Mehr als zwei Stunden lang musste die Kreisverwaltung rund 200 Bürgerinnen und Bürgern Rede und Antwort stehen. Die Veranstaltung am Montagabend verlief überwiegend sachlich, es gab aber auch hitzige Momente.
Insgesamt lagern auf der Fläche in Selfkant-Tüdern rund 30.000 Kubikmeter Erdmaterial. Proben des Landesamtes für Natur-, Umwelt- und Klima – kurz LANUK – haben ergeben, dass das Material schwer belastet ist: Unter anderem mit Schwermetallen und Altöl.
Auch fast vier Monate nach der Probenentnahme liegt aber noch immer kein endgültiger Abschlussbericht vor. Das betonte Landrat Stephan Pusch (CDU) am Montagabend auch. “Wir haben leider erst den zweiten Zwischenbericht vorliegen. Ich habe persönlich Minister Krischer geschrieben, dass es dringlich sei”, erklärte Pusch.
Kreis will Verantwortung übernehmen
Rund 200 Bürger sind zur Versammlung gekommen
Pusch betonte weiter, dass er die Verantwortung für diesen "Mist" übernehme. Er könne aber seinen Mitarbeitern keine Schuld geben. Das Erkelenzer Unternehmen, das das Material illegal entsorgt habe, habe mehrfach gefälschte Gutachten vorgelegt.
Mittlerweile ermittelt auch die Staatsanwaltschaft Dortmund, die zuständig ist für Umweltdelikte. Die Ermittlungen richten sich gegen eine verantwortliche Mitarbeiterin und einen verantwortlichen Mitarbeiter des Unternehmens. Sie sollen, so die Staatsanwaltschaft auf WDR-Anfrage, Teil eines organisierten kriminellen Netzwerks sein.
Schutzarbeiten starten bald
Landrat Pusch steht den Bürgern Rede und Antwort
Vorwürfe der Bürger, dass der Kreis seine Aufsichtspflicht verletzt habe und zu gutgläubig gegenüber dem Unternehmen gewesen sei, wies der Landrat zurück. “Bei so viel krimineller Energie sind wir auch Betrugsopfer. Das muss man deutlich sagen”, so der CDU-Politiker.
Er betonte, dass am 1. September die Arbeiten zur Abdeckung des riesigen Materialbergs wieder aufgenommen werden. Damit soll verhindert werden, dass Schadstoffe das Grundwasser verschmutzen.
Auf dem Gelände Selkfant-Tüddern liegt illegales Material
Die Arbeiten mussten vor einigen Wochen unterbrochen werden, weil einigen Mitarbeitern der zuständigen Firma durch Faulgase wie zum Beispiel Methan übel wurde. Jetzt werden sie unter anderem in Schutzanzügen arbeiten. Außerdem sollen Messstellen den Gasaustritt auf der Fläche überwachen.
Entsorgung könnte Jahre dauern
Die fachgerechte Entsorgung des illegal entsorgten Materials könnte, nach Aussage des Kreises, Jahre dauern. Denn – solch ein Material darf nur auf bestimmten Deponien entsorgt werden. Nach ersten Schätzungen sind allein für den Materialberg in Selfkant-Tüddern mehr als 2.800 Lkw-Vierachser notwendig.
Die Kosten schätzt der Kreis auf rund fünf Millionen Euro. Da das Erkelenzer Unternehmen offenbar insolvent ist, könnte es sein, dass der Kreis diese Kosten tragen muss. Pusch betonte, dass man auch auf Hilfe des Landes hoffen dürfe. Dennoch machte er klar: Letztendlich wird jeder Bürger im Kreis Heinsberg über Steuern für diesen Schaden aufkommen.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräche mit Stephan Pusch (CDU), Landrat des Kreis Heinsberg
- LANUK