Starke Frauen auf Burg Satzvey
03:21 Min.. Verfügbar bis 23.04.2028.
Buch zum Girls' Day : Gräfin auf Burg Satzvey will Mädchen Mut machen
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Jeanette Gräfin Beissel von Gymnich ist Hausherrin der Wasserburg Satzvey - und Buch-Autorin. Sie porträtiert darin erfolgreiche Frauen in NRW. Im Interview anlässlich des Girls' Days spricht sie über ihr eigenes bewegtes Leben und was starke Frauen ausmacht.
Am heutigen Girls' Day (oder Mädchen-Zukunftstag) können Mädchen Einblicke in Berufsfelder bekommen, in denen nur wenige Frauen arbeiten. Wir haben uns nicht in einem Betrieb umgeschaut, sondern auf einer Burg. Und die Frau getroffen, die diese Burg führt und verwaltet: Jeanette Gräfin Beissel von Gymnich, 71 Jahre alt.
Kindheit und Jugend
1953 in Bonn geboren, ist Beissel von Gymnich in den USA, Südamerika und Europa aufgewachsen. Vor allem ihre Zeit in Südamerika hat die Tochter amerikanischer Diplomaten sehr geprägt. Ihre Erfahrungen waren der Grundstein für ihr späteres soziales Engagement und ihr Netzwerk für Frauen.
An was können Sie sich noch erinnern, gerade in Bezug auf Frauen?
Jeanette Gräfin Beissel von Gymnich: Als Kind war ich in Argentinien. Und in Buenos Aires ist der Unterschied zwischen sehr reich und sehr arm ziemlich krass. Es gab in unserem Haushalt eine Frau, die auch bei uns gewohnt hat, die war supertoll. Am Wochenende ist sie immer zu ihrer Familie gefahren. Bei einem Besuch ist die Schwester dieser Frau bei der Geburt ihres Kindes auf dem Küchentisch gestorben. Da war ich sieben. Dieses Erlebnis ist sehr prägend gewesen, auch für mein soziales Engagement. Es hat meine Augen geöffnet für das Elend der Welt und dass man etwas tun kann, indem man die Augen offen hält und mit anpackt.
Sie haben dann später in Hamburg viele Jahre in PR-Agenturen gearbeitet. Wie war dort damals der Umgang mit Frauen?
Hat früher in Werbeagenturen gearbeitet: Gräfin Beissel von Gymnich
Beissel von Gymnich: In den Werbeagenturen, was da früher mit los war, das wäre heute undenkbar. Die Bewegung "me too" hat inzwischen viel für die Rechte der Frauen getan. Auch das Bewusstsein, dass man sich heute auch als Frau traut zu sagen: "Nee, jetzt will ich nicht." Das hat man früher nicht gemacht, wenn dir der große Chef über den Rücken gestreichelt hat oder anzügliche Bemerkungen gemacht hat.
Gräfin und Burg-Herrin
1984 hat Jeanette Brogan, so ihr Mädchenname, ihren Mann Franz-Josef Graf Beissel von Gymnich geheiratet. Mit ihrer Erfahrung aus den Hamburger Werbeagenturen hat sie sich nach der Hochzeit um das Image und den Event-Betrieb der Burg gekümmert
Wie war die Reaktion der Arbeits-Kollegen, als sie erfuhren, dass aus ihrer Kollegin eine Gräfin wird?
Beissel von Gymnich: In der Agentur gab es lustigen, fröhlichen Spott als ich gegangen bin. Da haben sie mir ein Zepter und eine Krone gebastelt für die letzte Party. Dann allerdings mit dem Klischee konfrontiert zu werden: Du bist Gräfin, Du lebst auf der Burg, du tust nix außer Geld ausgeben, das war nicht leicht. Das hat mich dann inspiriert für das erste Buch "Frauen und ihre Schlösser". Denn ich wollte zeigen, dass dieses Leben eben nicht dem Klischee entspricht.
Wie ist das Leben als Gräfin tatsächlich?
Beissel von Gymnich: Als ich 1984 hierher kam, haben mein Mann und ich uns sofort in die Arbeit gestürzt. Denn damals gab es kein Logo für Burg Satzvey, es gab nichts. Wir haben angefangen, Events aufzubauen, Akquise zu machen. Rund um die Uhr. Als die Kinder geboren wurden, habe ich sie kaum gesehen. Die Burg ist eine Daueraufgabe. Das nächste große Projekt ist das Dach der Burg. Das muss dringend gemacht werden. Ich gehe also auch mit den Handwerkern aufs Dach, weil mein Mann das nicht mehr schafft. Das ist ganz interessant, denn auch da lerne ich immer wieder was Neues.
Burg Satzvey in Mechernich: eine mittelalterliche Wasserburg in der Eifel
Netzwerkerin und Herausgeberin
Als von Beissels Kinder aus dem Gröbsten raus waren, fing sie an, Bücher zu schreiben. Als Autorin und Herausgeberin hat sie gerade den fünften Band ihrer Buchreihe "Starke Frauen" veröffentlicht. Mit dabei viele tolle Frauen aus allen Bereichen.
Warum ist Ihnen diese Buchreihe so wichtig?
Beissel von Gymnich: Frauen stellen ihr Licht gerne unter den Scheffel. Und zwar weil schon von ihren Müttern so erzogen wurden. Meine Mutter hat mich auch so erzogen, obwohl sie sehr selbstbewusst war. Ich glaube, das muss man erst mal lernen. Und ich denke, die nächste Generation hat diese Probleme nicht mehr. Wir müssen zeigen was wir können und wir müssen auch sagen: Ich bin stolz drauf. Wann sage ich schon mal: Ich bin stolz darauf - nie!
Visionärin und Role-Model
Die bodenständige und kernige Gräfin packt an, schafft Netzwerke, verbindet Frauen miteinander. Es ist die Essenz in ihrem zwar privilegierten, aber auch sehr arbeits- und verantwortungsreichen Leben. Unterstützt wird sie seit vielen Jahren auch von ihrer Tochter Patricia Gräfin Beissel von Gymnich, 41.
Was würden Sie jungen Frauen von heute empfehlen, welchen Rat mit auf den Weg geben?
Beissel von Gymnich: Immer weiter lernen. Geht mit offenen Augen durch die Welt. Ihr müsst nicht über den Büchern sitzen und lernen, lernt von Gesprächen. Jedes Interview mit meinen Buch-Frauen hat mir nicht nur Spaß gemacht, sondern ich habe auch viel von ihnen gelernt. Das hat nicht nur meinen eigenen Horizont erweitert, sondern später auch mein Selbstbewusstsein gestärkt. Denn dann kann ich vielleicht auch mal einen Rat von diesen Frauen weitergeben. Haltet die Augen offen und zögert nicht zu fragen. Denn keine Frage ist blöd.
Was macht für Sie eine starke Frau aus?
Beissel von Gymnich: Eine starke Frau ist eine Frau, die auch sagt: Ich habe einen Fehler gemacht, die das auch zugeben kann. Zuhören, was die anderen sagen, das macht eine starke Frau, eine starke Führungskraft aus.
Das Interview wurde geführt von WDR-Reporterin Manuela Klein.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Jeanette Gräfin Beissel von Gymnich
Sendung: wdr.de, Gräfin auf Burg Satzvey will Mädchen Mut machen, 23.04.2026, 06.00 Uhr
