Das zeigen Zahlen des NRW-Gesundheitsministeriums. Mit dem Thema beschäftigt sich am Donnerstag auch der Gesundheitsausschuss des Kreises Euskirchen. Denn hier hatten nur 60,4 Prozent der I-Dötzchen für das jetzige Schuljahr einen Termin für die Schuleingangsuntersuchung. Im Rhein-Sieg-Kreis waren es 77,5 Prozent.
Damit sind die beiden Kreise im NRW-Vergleich die Schlusslichter. Die anderen Kreise und kreisfreien Städte im Land melden, dass sie mindestens 90 Prozent der Untersuchungen durchgeführt haben. Die meisten schaffen es sogar, alle Kinder zu untersuchen.
Schlusslichter in NRW
Vor der Corona-Pandemie landete die Einladung zum Besuch beim Amtsarzt standardmäßig in jedem elterlichen Briefkasten mit angehendem Schulkind. "Freundinnen in Leverkusen und Koblenz sagen, das sei alles schon gelaufen, nur hier nicht", wundert sich eine Mutter im Rhein-Sieg-Kreis, die noch auf Post vom Gesundheitsamt wartet.
Ursula Thiel, Gesundheitsdezernentin Rhein-Sieg-Kreis erklärt, woran es liegt
"Personalmangel" geben die Kreise Euskirchen und Rhein-Sieg für ihren auffälligen Rückstand an. "Die Stellenbesetzungsdauer hat sich in die Länge gezogen", erklärt Ursula Thiel, Gesundheitsdezernentin des Rhein-Sieg-Kreises. Außerdem kam es zu Personalengpässen durch Langzeiterkrankungen und Pensionierung.
Beide Kreise betonen aber, dass die Kinder, die eine Schuleingangsuntersuchung brauchen, auch alle eine bekommen. Das sind Kinder, die zum Beispiel noch Probleme mit dem Sprechen oder der Konzentration haben. Kitas, Frühförderzentren oder auch Schulen melden dann dem Gesundheitsamt den dringenden Untersuchungsbedarf.
Die Schuleingangsuntersuchung in NRW ist eine gesetzlich vorgeschriebene Untersuchung für angehende Schulkinder. Das zuständige Gesundheitsamt ist dafür zuständig. Dabei soll festgestellt werden, ob das Kind für den Schulstart gesundheitlich und entwicklungsbezogen gut vorbereitet ist.
Verbesserung in Sicht
"Wir haben inzwischen das Personal auch wieder aufgestockt und jetzt sehe ich sehr optimistisch in die Zukunft", freut sich Ursula Thiel. Der Rhein-Sieg-Kreis hat unter anderem ein Termin-Online-Tool eingeführt, die Untersuchungszeiten auf den Nachmittag ausgeweitet und eine neue linksrheinische Außenstelle in Meckenheim geschaffen, nachdem die vorherige in Rheinbach seit der Flut nicht mehr existiert.
Besonders stolz sei man auf die Anerkennung des Rhein-Sieg-Kreises als Weiterbildungsstätte: Mediziner, die Facharzt in der Kinder- und Jugendmedizin werden wollen, können hier jetzt ein Praktikum machen. "Auch das schafft noch mal mehr Untersuchungsspielraum", erklärt die Gesundheitsdezernentin.
Keine Untersuchungseinladung als gutes Zeichen
Auch der Kreis Euskirchen will seinen Rückstand deutlich aufholen: Auf Nachfrage des WDR schreibt er, dass man für das laufende Jahr davon ausgeht, rund 80 Prozent der Kinder untersuchen zu können und dass darunter alle mit erhöhtem Unterstützungsbedarf sein werden. Im kommenden Jahr will der Kreis Euskirchen dann die 100 Prozent schaffen.
Bis dahin ist es für die Eltern in beiden Kreisen eher ein gutes Zeichen, wenn keine Einladung vom Gesundheitsamt in der Post landet. Denn das bedeutet, dass bei ihrem angehenden Schulkind offenbar alles in Ordnung ist und es bereit ist für den ersten Schultag.
Unsere Quellen:
- Kreis Euskirchen
- Rhein-Sieg-Kreis
- NRW-Gesundheitsministerium
- Beobachtungen der WDR-Reporterin
Sendung: WDR.de, Euskirchen und Rhein-Sieg: NRW-Schlusslichter bei Schuleingangsuntersuchungen, 11.06.2026, 11:44 Uhr