Gegen extremen Energieverbrauch : Papier ohne Wasser aus Düren
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In Düren ist am Mittwoch das Richtfest für die Modellfabrik Papier gefeiert worden. Mit dabei war auch NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU). In der neuen Forschungseinrichtung werden bald Wissenschaftler aus Dresden, Darmstadt und Aachen zusammenarbeiten. Ihr Ziel: Den Energiebedarf in der Papierbranche bis 2045 um 80 Prozent zu reduzieren.
Die Papierindustrie gehört in Deutschland zu den vier energieintensivsten Branchen. Allein im vergangenen Jahr wurden bundesweit rund 19 Millionen Tonnen Papier produziert. Und pro Tonne werden fast 2.800 Kilowattstunden Strom verbraucht. Das entspricht in etwa dem durchschnittlichen jährlichen Stromverbrauch eines Vier-Personen-Haushaltes. Die meiste Energie wird beim Trocknen der Papierbahnen benötigt. Und hier wollen die Wissenschaftler zusammen mit der Industrie nach Lösungen suchen - in Düren.
Papierfertigung ohne Wasser
Eine Möglichkeit wäre, weniger Wasser in der Produktion zu nutzen. "Wir können uns gut vorstellen, dass wir in Zukunft Papier ohne Wasser oder mit deutlich weniger Wasser fertigen werden", sagt Peter Bekaert, Geschäftsführer der Modellfabrik Papier. Ein Ansatz wäre dabei, dass die Fasern trocken gelegt werden und dann nachgefestigt werden. So könnte neues Papier entstehen. Denn auch im Zeitalter der Digitalisierung wird Papier weiter gebraucht, zum Beispiel für Hygieneartikel oder in der Verpackungsindustrie.
Fast 68 Millionen Euro-Förderung
NRW-Ministerpräsident Wüst beim Richtfest in Düren
Bund und Land fördern die Modellfabrik Papier mit insgesamt 68 Millionen Euro. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) betonte heute, dass die Papierindustrie vor einer gigantischen Aufgabe stehe. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, müsse die Branche ihre Energiekosten senken. Die Modellfabrik Papier sei ein Beispiel für die Wirtschaft von morgen. Man wolle die guten Arbeitsplätze in der Papierindustrie erhalten, sagte der CDU-Politiker weiter.
Auch die Papierindustrie selbst hat großes Interesse, dass Produktionswege entwickelt werden, die weniger Energie benötigen. Zahlreiche Unternehmen unterstützen die künftige Forschung in der Modellfabrik finanziell. Auch vor dem Hintergrund, dass in den vergangenen Jahren zahlreiche Werke geschlossen werden mussten. Die Branche kriselt. Deswegen stehen die Wissenschaftler auch vor der Herausforderung, ergebnisorientiert zu arbeiten. Forschungsansätze, die keinen Erfolg bringen, erzählt Geschäftsführer Bekaert, werden sofort gestoppt.
Wichtige Branche in der Region
Weiterhin ist die Papierindustrie in der Region Aachen ein wichtiger Arbeitgeber. Bis zu 8.000 Menschen arbeiten in der Branche, erzählt Winfried Kranz-Pitre, Geschäftsführer des Wirtschafts- und Innovationsnetzwerks Düren. Die Region Düren/Aachen sei der Standort in Deutschland mit dem größten Anteil der Papierindustrie an der Gesamtwirtschaft.
Hinweis der Redaktion vom 29.4.2026, 20:05 Uhr: In der ursprünglichen Version dieses Artikels stand, dass die Fördersumme des Projekts 80 Millionen Euro beträgt. Es sind aber 68 Millionen Euro. Wir haben das entsprechend korrigiert.
Unsere Quellen
- Reporter vor Ort
- Gespräch mit Winfried Kranz-Pitre
- Gespräch mit Peter Bekaert, Geschäftsführer der Modellfabrik Papier
Sendung: WDR 2 Aachen und die Region, Lokalzeit, 29.04.2026, 16:30 Uhr
