Anonym und unverbindlich - Safe Space Apotheke hilft bei Kummer
Lokalzeit OWL. 29.01.2026. 03:13 Min.. Verfügbar bis 29.01.2028. WDR. Von Julia Schlöpker.
Anonym und unverbindlich - Safe Space Apotheke hilft bei Kummer
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Ängste, Depressionen, Süchte - immer mehr Jugendliche sind psychisch krank. Umso wichtiger: Frühe, unkomplizierte Hilfe. Eine erste Anlaufstelle für junge Menschen mit Problemen und Sorgen sind dann "Safe Space Apotheken". Ein Vier-Augen-Gespräch im geschützten Raum – das bietet ab sofort auch die Stifts-Apotheke in Minden an.
Eine junge Frau betritt den Laden. Sie ist aufgeregt, verunsichert. Sandra Haas, Inhaberin der Stifts-Apotheke in Minden, begrüßt sie am Tresen. Normalerweise berät sie Kunden zu Medikamenten. Doch hier wird etwas anderes gebraucht.
Die Frau steht unter Druck. Sandra Haas fühlt vor – wie geht es ihr? Was ist passiert? Was belastet sie? Die Frau vertraut sich ihr an. Starke Ängste machen ihr zu schaffen. Sandra Haas schlägt vor, direkt einen Termin bei einem Experten für sie zu machen und greift zum Hörer. Eine Situation, die in der Apotheke in Minden nun öfter vorkommen wird.
Apothekerin leitet Betroffene weiter
Sandra Haas hat ein Netzwerk aus Kontakten zur Hand, an das sie sich bei psychischen Problemen von jungen Kunden wendet, darunter Ansprechpartner vom Jugendamt, der Suchtprävention, Psychologen und Psychotherapeuten. "Mein Ziel ist, dass sich kein Jugendlicher allein oder einsam fühlt und weiß, er kann jederzeit zu mir kommen," sagt Haas.
Ihre Apotheke wird Ende Januar 2026 zur ersten Safe Space Apotheke in Ostwestfalen-Lippe. Ein Banner weist gut sichtbar daraufhin. Acht solcher Apotheken gibt es bundesweit.
Die Koordination übernimmt Gesundheitsmanager Markus Laurenz. Er betreibt die Plattform "Marktplatz der Gesundheit" und arbeitet eng mit Apotheken und Schulen bundesweit zusammen, um die mentale Gesundheit Jugendlicher zu stärken – gemeinsam mit der Jugendcommunity "Our Generation Z" . Der Vorteil der Safe Space Apotheke: Jedes Gespräch ist anonym und spontan möglich, wenn etwas unter den Nägeln brennt.
Jugendliche vertrauen der Safe Space Apotheke
Jugendliche im Jugendzentrum Juxbude in Minden befürworten die Safe Space Apotheke.
Und das ist einiges. Social Media Sucht, Schulstress, Drogen - fünf Jugendliche aus Minden berichten, was sie in ihrem Umfeld erleben. Eine Safe Space Apotheke mit einer Art Lotsenfunktion finden sie sinnvoll.
"Die kann dann ja die Leute weiter vermitteln weil die gut einschätzen können, wie sie den Personen helfen können. Vielleicht traut man sich auch eher dahin zu gehen weil es unverbindlich ist", meint die 16-jährige Limi Sandkaulen.
Alarmierende Zahlen
Aktuelle Zahlen zur psychischen Gesundheit von Jugendlichen sind alarmierend. Laut des aktuellen DAK Kinder-und Jugend Reports sind Angststörungen bei jungen Menschen innerhalb von 5 Jahren um 17 Prozent gestiegen. Vor allem Mädchen sind betroffen. 10 Prozent mehr Jugendliche litten 2024 an einer Depression als 2019.
"Durch Corona haben sich die Dinge nochmal verschärft – wir wissen von Psychiatrien und Kliniken, dass man einfach gar nicht mehr die ganzen Fälle aufnehmen kann." Markus Laurenz, Koordinator der Safe Space Apotheken
Keine qualifizierte Beratung
Natürlich habe die Hilfe in Safe Space Apotheken Grenzen. "Die Grenzen sind ganz klar in der Beratung. Ich hab nicht Psychologie studiert, ich bin keine Ärztin, ich bin Apothekerin und Mutter und ich kann zuhören und dann kenn ich mich vor Ort aus und kann klären, wohin geht’s weiter", sagt Sandra Haas.
Das Projekt "Safe Space Apotheke" wird wissenschaftlich von der Freien Universität Berlin begleitet. Bis Ende 2026 soll es sie flächendeckend geben, so das große Ziel.
Unsere Quellen:
- Gespräche der WDR-Reporterin vor Ort
- Gespräche mit Jugendlichen im Jugendzentrum Juxbude in Minden
- DAK Kinder- und Jugendreport 2025
- Kindergesundheitsbericht 2025 der Stiftung Kindergesundheit
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 29.01.2026, 19:30 Uhr