Wählen per Gesichtserkennung: Utopie oder Albtraum?

Lokalzeit aus Bonn 28.08.2025 02:28 Min. Verfügbar bis 28.08.2027 WDR Von Anette Flentge

Wählen per Gesichtserkennung: Utopie oder Albtraum?

Stand:

In die Wahlkabine gehen und das Wählen übernimmt die KI? Testen kann man das im Deutschen Museum Bonn. Super Idee oder Albtraum?

Von Anette Flentge

Ein bisschen skeptisch stehen Sebastian Udelhoven und Sohn Marlon aus Adenau vor der Wahlkabine. "Da wird gleich ein Foto von Euch aufgenommen und dann wird euch aufgrund eurer Gesichtszüge gesagt, welche Partei ihr wählen würdet“, erklärt Paula Michel vom Deutschen Museum den Besuchern.

Smile to Vote - Lächeln, um zu wählen

"Smile to Vote, Lächeln, um zu wählen", ist der Slogan. Also: Einfach rein in die Wahlkabine. Sebastian Udelhoven will ausprobieren, ob die KI wirklich weiß, welche Partei er wählen würde. Heißt: kurz stehen bleiben und nach 30 Sekunden erscheint auf dem Monitor das Ergebnis. Was dabei herauskommt überrascht ihn. "Ob man das von den Gesichtszügen so ablesen sollte oder könnte, bin ich mir nicht so sicher“, sagt er.

"Ich hätte eigentlich eine andere Wahl getroffen"

Frau schaut auf einen Bildschirm mit ihren Wahlergebnissen

Die KI zeigt die Wahlergebnisse

Nicht mehr selbst denken, das wäre doch praktisch, macht jedenfalls viele neugierig. Der eine oder die andere hätte aber doch lieber anders gewählt. "Ich bin eigentlich geschockt, ich hätte eigentlich ne andere Wahl getroffen“, sagt eine Besucherin. "Ich glaub nicht, dass es einer KI gestattet sein sollte, meine Entscheidung zu treffen,“ ist Sebastian Udelhoven überzeugt. Und wer zweimal hintereinander in die Wahlkabine geht und es ausprobiert, bekommt auch schon mal zwei unterschiedliche Ergebnisse.

Wählen per Gesichtserkennung als Provokation

Die Idee stamme von einem Professor in Amberg, sagt Kurator Ralph Burmester. Der Mann heiße Alexander Peterhänsel und habe eine Dokumentation gelesen, dass ein KI-Forscher rausgefunden hat, dass man sexuelle Orientierung von Menschen anhand ihres Gesichtes erkennen kann. "Die haben das ausprobiert und das klappte einigermaßen und dann dachte er, er treibt das auf die Spitze und macht das mit der demokratischen Wahlentscheidung.“ Natürlich sei das Ganze nur als Provokation gedacht.

KI sucht Übereinstimmungen mit Bundestagsabgeordneten

Der Rechner sei dafür gefüttert worden mit den Daten und Fotos der derzeitigen Bundestagsabgeordneten. Man gehe davon aus, dass diese jeweils die Partei wählen würden, in der sie Mitglied sind. "Und die KI versucht also anhand der Abgeordneten, beispielsweise der SPD oder der CDU das Muster zu erkennen, eines typischen CDU- oder SPD-Wählers“, so Burmester. Und wenn Besucher jetzt vor die Kamera treten, suche die KI nach Übereinstimmungen und gebe dann die entsprechende Wahlentscheidung bekannt.

KI erkennt nur, womit sie gefüttert wurde

KI kritisch betrachten und Möglichkeiten, sowie Grenzen der künstlichen Intelligenz aufzeigen – das ist Sinn der Ausstellung im Deutschen Museum. Denn eine KI erkennt nur, womit sie gefüttert wurde. In der Ausstellung verdeutlicht das ein Beispiel. Wird ein Foto von einem Zebra aufgenommen und dem Wort "Zebra“ zugeordnet, dann wird es auch als dieses Tier erkannt. Ein Pferd wurde aber nicht aufgenommen und programmiert. So erkennt die KI das Tier nicht, und benennt es mit "Dalmatiner“, weil sie Punkte erkennt.

KI-Wahlkabine ist in der EU verboten

In einem Raum steht eine Wahlkabine mit zugezogenem Vorhang

Wahlkabinen für das Wählen mit Gesichtserkennung

"Das System funktioniert in der Form nicht. Es soll aber darauf hinweisen, dass wir schon viele, viele Entscheidungen an KI-Systeme delegieren“, sagt Kurator Ralph Burmester. "Und wenn wir jetzt auch noch so sensible Sachen abgeben, wie die Wahlentscheidung dann ist das der Bereich der Überwachung und Bevormundung und in diesen Abgrund wollen wir die Leute kurz blicken lassen, um die Diskussion anzustoßen“. Vielleicht ist es deshalb ganz beruhigend, dass in der EU eine KI-Basierte Wahlkabine verboten ist.

Unsere Quellen:

  • Ralp Burmester, Kurator Deutsches Museum Bonn
  • Paula Michel, Deutsches Museum Bonn
  • Sebastian Udelhoven, Museumsbesucher

Wir berichten über das Thema am 29. August 2025 im WDR-Fernsehen in der Lokalzeit aus Bonn um 19:30 Uhr.

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