Der Unternehmer Jochen Opländer hatte in den "Ruhrnachrichten" eine Anzeige geschaltet, in der er zur Wahl des parteilosen Oberbürgermeister-Kandidaten aufgerufen hatte. Die halbseitige Anzeige war am Freitag in der Dortmunder Zeitung erschienen.
Darin unterstellte Opländer den großen Parteien "Kumpaneien und Klüngel" und empfiehlt, einen parteilosen Kandidaten zu wählen. Da es nur einen parteilosen Kandidaten bei der OB-Wahl in Dortmund gibt, meint er offensichtlich den Kandidaten Martin Cremer.
Jeder Dritte ist unzufrieden
In seiner Kritik bezieht sich Opländer auf eine Forsa-Umfrage, nach der jeder dritte Dortmunder wegziehen würde, wenn er könnte. Vor fünf Jahren seien nur halb so viele Dortmunder unzufrieden mit ihrer Stadt gewesen. Das sei ein Ergebnis der aktuellen Politik, schreibt Opländer in der Anzeige.
Was sagt der Oberbürgermeister von Dortmund?
Oberbürgermeister Thomas Westphal, SPD, hält in einer Stellungnahme zu dieser Großanzeige die Äußerungen gegenüber den Parteien als sehr unpassend. "Sie machen eine Meinung zu einem Wahlaufruf. Das wird dem Thema nicht gerecht."
Die Themen die Opländer anspreche, seien ein Thema in allen deutschen Großstädten und Dortmund kein Sonderfall. "Seit zwei Jahren arbeite ich Schulter an Schulter mit der Dortmunder Polizei gegen diese Entwicklungen! So gut, dass andere Städte bei uns anfragen, wie wir das machen. Für die Lösung braucht es Beharrlichkeit und Zuversicht, keine Verzweiflung", betont Westphal.
Wahlkampf wie in den USA
Jendrick Suck, CDU-Fraktionsvorsitzender im Rat Dortmund
Die CDU kritisiert diese Art von Einmischung in den Wahlkampf in einem offenen Brief an Jochen Opländer. Dabei stören den Verfasser Jendrik Suck vor allem Stil und Inhalt der Anzeige. Den Fraktionsvorsitzenden der CDU im Rat erinnern die Formulierungen an die Einmischung Elon Musks in den Präsidentschaftswahlkampf in den USA.
Suck kritisiert Opländer dafür, seinen "vermeindlichen Einfluss … in die Waagschale zu werfen und Meinungsbildung zu betreiben", heißt es in dem Brief. Die Behauptungen seien außerdem teilweise sachlich falsch und gefährlich, weil sie zur Politikverdrossenheit beitrügen.
Wer ist Jochen Opländer?
Jochen Opländer sitzt als Ehrenvorsitzender im Aufsichtsrat beim Dortmunder Pumpenhersteller Wilo. Davor war er Geschäftsführer und Vorstand bei Wilo. Seit 2022 ist er Ehrenbürger Dortmunds, Kuratoriumsmitglied und Förderer der Kulturstiftung Dortmund sowie Botschafter und Mäzen des Konzerthauses Dortmund.
Wer ist der parteilose OB-Kandidat Martin Cremer?
Martin Cremer tritt als einziger parteiloser Kandidat zur OB-Wahl an. Der Unternehmer und Kaufmann sitzt wie Opländer im Aufsichtsrat bei Wilo. Bis 2022 arbeitete er bei der Lensing Media GmbH als Geschäftsführer der Lensing Druck GmbH. Lensing-Wolff verlegt die Ruhrnachrichten, in denen der Wahlaufruf am Freitag (22.08.25) als Anzeige erschien.
Was sagt der Verfasser?
Der Verfasser der Anzeige, Jochen Opländer, hat am Dienstag auf unsere Anfrage reagiert. Er möchte seinen Brief nicht weiter kommentieren, schrieb er.
Dortmunder Unternehmer schaltet Anzeige - CDU kritisiert Einmischung
00:48 Min.. Verfügbar bis 25.08.2027.
Unsere Quellen:
- Anzeige in den Ruhrnachrichten
- Gespräch mit Jendrik Suck, Fraktionsvorsitzender der CDU-Ratsfraktion in Dortmund
- Lebenslauf Martin Cremer auf dessen Homepage