Abdulkader Mohamad steht in einem arabischen Supermarkt in Köln-Kalk und erklärt dem Besitzer auf Arabisch, was der Integrationsrat ist. Der Besitzer guckt etwas ungläubig. Abdulkader Mohamed ist 69 Jahre alt und Rentner.
Er will sich in Deutschland politisch engagieren, gerade weil das in Syrien kaum möglich war. "Die Politik in unserem Land ist eine Diktatur. Wir haben nur eine Partei und nur eine Meinung. Wer etwas anderes sagt, wird festgenommen und muss ins Gefängnis", sagt Abdulkader Mohamad. In Deutschland dagenen gebe es Freiheit und Meinungsfreiheit. "Hier kannst Du zu deinen Ideen stehen und sie zum Beispiel im Parlament einbringen".
Wo werden Integrationsräte gewählt?
Die Integrationsräte werden immer bei den Kommunalwahlen gewählt, in diesem Jahr also am 14. September. Überall dort, wo in in einer Gemeinde mindestens 5.000 ausländische Einwohner ihre Hauptwohnung haben, muss ein Integrationsrat gebildet werden. Diese Gremien haben vor allem eine beratende Funktion für den Stadtrat. Sie sind eine gewählte Vertretung für Menschen in den jeweiligen Kommunen, die wegen ihrer Staatsangehörigkeit nicht an den Wahlen des Stadtrates oder des Bürgermeisters teilnehmen dürfen.
Mit Abdulkader Mohamad ist auch Lisa Khan unterwegs, sie sitzt schon im Integrationsrat der Stadt Köln und kandidiert jetzt erneut über die offene Liste der Grünen - genauso wie Mohamad. Beide ziehen mit einem Bollerwagen durch die Stadt, darin liegen Flyer und Plakate. Abdulkader Mohamad bleibt vor einem Barbershop stehen.
Er hat noch Probleme mit der Sprache, aber Menschen wie ihn braucht es im Integrationsrat, findet Lisa Khan "Also, ich denke mir, zum einen ist es total wichtig, weil wir einfach da sind und wir leben hier. Und es ist total wichtig, dass wir auch Möglichkeiten bekommen, auch politisch Einfluss zu nehmen", sagt Kahn. Um politisch wirksam zu sein, müsse man nicht perfekt Deutsch sprechen, glaubt sie.
Wer darf die Integrationsräte wählen?
Rund 16 Kilometer weiter geht Nesreen Hussein gerade ins Rathaus. Die Syrerin trägt ein weißes Kopftuch, alles ist farblich abgestimmt. Die 40-Jährige kandidiert für den Integrationsrat der Stadt Bergisch Gladbach "Ich freue mich sehr, dass ich heute als eine kurdische Frau aus Syrien mit einem Kopftuch teilnimmt an der deutschen Politik“, sagt sie in nicht ganz perfektem Deutsch.
Nesreen Hussein kandidiert in Bergisch Gladbach
Seit 8 Jahren lebt sie in Deutschland. In Syrien hat sie als Grundschullehrerin gearbeitet. Seit 3 Jahren arbeitet sie als Erzieherin und Kinderbetreuerin. Sie will sich vor allem für Frauen- und Kinderrechte einsetzen und dass alle die gleichen Chancen haben. Vor allem findet sie es wichtig, dass auch Menschen ohne den deutschen Pass wählen dürfen. Wahlberechtigt sind nicht nur Ausländer, sondern auch eingebürgerte Migranten, Deutsche mit doppelter Staatsangehörigkeit und Spätaussiedler.
Adulkader Mohamad und Lisa Khan plakatieren in Köln für die Wahlen zum Integrationsrat
Zurück bei Abdulkader Mohamad und Lisa Khan in Köln auf der Kalker Hauptstraße. Sie haben noch eine Laterne gefunden, an der sie ihr Plakat mit Kabelbinder aufhängen können. Abdulkader Mohamad will sich für andere Geflüchtete einsetzen, weil er selbst Unterstützung bekommen hat, als er neu in Deutschland war. "Hier kannst du deine Meinung frei und ehrlich äußern. Es gibt keine Angst, etwas zu sagen. Du kannst deine Ideen umsetzen und dich für Integration einsetzen – für Verbesserungen und Weiterentwicklung."
Wer in Integrationsräten mitarbeitet, wird oft auch zum Botschafter für Demokratie in seiner eigenen Community. Nesreen Hussein und Abdulkader Mohamad hoffen, dass möglichst viele wählen gehen. In Syrien kannten sie das Ergebnis schon vor der Wahl.
Unsere Quellen:
- Reporterin vor Ort
- Interviews mit den Kandidaten Abdulkader Mohamad und Nesreen Hussein