Störche zurück in Olderdissen

Lokalzeit OWL 18.02.2026 02:40 Min. Verfügbar bis 18.02.2028 WDR Von Arndt Möller

Die Störche kommen zurück: Anflug auf die besten Brutplätze in NRW

Stand:

Obwohl das Wetter noch recht mies ist, kehren einige Störche schon jetzt in ihre Brutgebiete in NRW zurück. Und das aus gutem Grund. Denn: Der frühe Vogel kriegt das Nest.

Von Katja Goebel

Es ist noch Winter, das Wetter ist teils noch nass und kalt - aber sie sind schon da: Herr Meier und Hanni - Bielefelds wohl bekanntestes Storchenpaar.

Das kalte Schmuddelwetter nehmen die Tiere in Kauf - aus einem guten Grund: Noch hat die mögliche Konkurrenz den angestammten Brutplatz im Bielefelder Tierpark nicht okkupiert. Die Vögel kehren am liebsten zu ihrem Domizil des Vorjahres zurück. "Der Storch braucht seinen Horst", erklärt Benjamin Ibler vom Tierpark Olderdissen in Bielefeld. Und den bekäme er eben nur, wenn er früh genug zurück komme.

"Der Storch nimmt die Unbill des Wetters in Kauf - für das schöne Wohnen." Benjamin Ibler vom Tierpark Olderdissen

Die beiden Störche in Bielefeld sind aber nicht die einzigen, die aus den Winterquartieren schon zurück in NRW sind - auch am Niederrhein wurden schon Brutpaare gesichtet. Wo waren die Tiere bisher? Wie viele Störche gibt es überhaupt in NRW? Wo kann man sie am besten beobachten? Hier kommen die Antworten:

Wo überwintern die Störche?

Ein Storch gleitet durch die Luft

Überwintert gern in Spanien: Der Storch

Der Weißstorch ist ein Zugvogel, der seinen Winter eigentlich in wärmeren Gebieten der Erde verbringt. Als Langstreckenzieher hat er dabei zwei unterschiedliche Zugrouten: Die östliche Population zieht über den Bosporus nach West-, Ost- und Südafrika, die Weststörche flogen bis vor einigen Jahren über Gibraltar nach Afrika. Heute bleiben fast alle wegen der milden Temperaturen in Europa und überwintern bevorzugt in Spanien. Tendenziell kommen Störche aber früher nach NRW zurück als noch vor Jahrzehnten.

Einzelne Störche sind Dauerbewohner und bleiben ganz bei uns, zum Beispiel am Niederrhein in NRW. Dort fällt in milden Wintern selten Schnee, sodass die Tiere genug Nahrung finden können.

Wie viele Störche gibt es in NRW?

2 Störche in ihrem Nest

Über 1.000 Brutpaare nisteten 2025 in NRW

Die gute Nachricht vorneweg: Es werden immer mehr! Nach Daten der Nordrhein-Westfälischen Ornithologengesellschaft hat die Zahl der Weißstörche 2025 in NRW einen Höchststand erreicht mit 1.027 Brutpaaren und 1.540 ausgeflogenen Jungvögeln.

So viele Störche habe es wahrscheinlich in den etwa 500 Jahren zuvor nicht gegeben, seitdem der Weißstorch in das heutige Nordrhein-Westfalen gekommen sei, sagt Michael Jöbges von der Ornithologengesellschaft. Zur Erinnerung: Vor wenigen Jahrzehnten waren Störche fast ausgestorben.

Wo in NRW leben Störche?

Der Naturschutzverband Nabu NRW verweist aktuell auf Sichtungen von Weißstörchen etwa in der Städteregion Aachen, auf der Bislicher Insel im Kreis Wesel, den Rieselfeldern in Münster oder den Ahsewiesen im Kreis Soest. Auch in der Region Ostwestfalen-Lippe seien die ersten Störche gesichtet worden. 

Das Aktionskomitee Weißstörche aus dem Kreis Minden-Lübbecke hatte Mitte Februar bereits in 14 Horsten Storchenpaare und in 27 Horsten einzelne Störche noch ohne einen Partner gesichtet. Zwei sind schon im Januar zurückgekehrt. 2025 zählten Vogelschützer allein dort 190 Brutpaare. Es folgte der Kreis Wesel mit 114 Brutpaaren. Auch die Lippe-Auen sind ein Schwerpunkt.

Was brauchen Störche?

Ein Storch geht durch ein Gewässer

Störche lieben Feuchtgebiete

Als Lebensraum bevorzugen Störche Feuchtgebiete, Wiesen, Felder oder Tümpel. Die Tiere mögen es vor allem nass. Deshalb siedeln sie sich in NRW gerne an Flussauen an, wie etwa an der Weser, Ems, Lippe und Ruhr oder am Niederrhein. Was das Essen angeht, sind sie nicht besonders wählerisch. Weißstörche fressen vor allem Mäuse, Frösche, Eidechsen, Regenwürmer und Insekten.

Wo kann man Störche in NRW beobachten?

Störche auf einem Nest

Zurückgekehrt: Ein aktuelles Bild aus Bislich

Bislich, bei Wesel am Niederrhein, ist ein Storchen-Hot-Spot und mit vielen feuchten Wiesen, Baggerlöchern und Teichen besonders attraktiv für die Vögel. Entlang der 14 Kilometer langen Storchenroute liegen hier zahlreiche Storchennester. Hier können Störche in ihrem natürlichen Lebensraum beobachtet werden.

Ab Mai gibt es dort auch geführte Touren. Dann haben die Störche in der Regel schon Nachwuchs. Tipp: Kamera und Fernglas nicht vergessen! Der Heimatverein Bislich hat auch eine eigens eingerichtete Storchen-Cam installiert.

Rund 150 Kilometer weiter östlich vom niederrheinischen Bislich liegt Petershagen im Kreis Minden-Lübbecke. Der Ort bezeichnet sich selbst als "Storchenhauptstadt NRW". Hier gibt es sogar ein Storchenmuseum.

Der Geologe und Storchenfilmer Dietmer Meier fliegt vor Ort Storchennester regelmäßig mit einer speziellen Drohne mit Teleobjektiv an. So kann er sie filmen, ohne sie zu stören.

Die Aufnahmen veröffentlicht der Storchenfan auf einem eigens dafür eingerichteten Instagram Kanal:

Wie kann man Störchen helfen?

Auf einer speziellen Seite des Naturschutzbundes (Nabu), dessen Wappentier der Storch ist, können Interessierte ihre Storch-Beobachtungen melden. Dank vieler Beobachtungen können die Naturschützer noch genauer beurteilen, wie es um die heimische Population steht.

Ein Storch fliegt auf sein Nest zu

Man kann die Vögeln mit Nisthilfen locken

Wer möchte, dass sich vielleicht in der eigenen Nachbarschaft ein Storch ansiedelt, kann eine künstliche Nisthilfe bauen - zum Beispiel einen so genannten Masthorst. Da das Storchennest sehr schwer werden kann und deshalb einen stabilen Untergrund braucht, kann man mit einem massiven Holzunterbau nachhelfen. Der Nabu hat auch eine Anleitung dazu veröffentlicht. Lokale Nabu-Gruppen engagieren sich intensiv für den Weißstorch, bauen Nisthilfen und beraten bei der Standortwahl. Mit der Stadtverwaltung sollte man vorab klären, ob für das Aufstellen des Mastes eine Genehmigung nötig ist.

Warum lieben die Menschen die Störche so?

Mit seinem schwarz-weißen Gefieder, den langen Beinen und dem knallroten Schnabel ist der Weißstorch ein echter Hingucker. Der schöne Vogel hat sich dem Menschen außerdem eng angeschlossen. Nicht nur, dass er gerne auf Dächern nah am Menschen und gänzlich unerschrocken seine Brut versorgt: In ländlichen Gebieten sieht man sie auch hinter lärmenden Traktoren her stolzieren, um sich schnabelgerechte Beute aus der frisch gepflügten Erde zu holen.

Hochzeitsbaum mit Storch

Hochzeitsbaum mit Storch

Der Storch galt lange als Fruchtbarkeitssymbol - in vielen Familien wurden und werden noch Holzstörche aufgestellt, wenn sich Babys ankündigen. Außerdem gelten sie als eine Art Frühlingsbote. Denn: Spätestens, wenn er am Himmel erscheint, weiß man wenigstens, dass der Frühling nicht mehr ganz so weit ist. Sein Anblick hebt also einfach die Laune.

Dass der Storch allerdings in vorbildhafter Monogamie lebt, gilt als längst überholt. Laut Nabu sind Störche häufig treu, was den Brutort angeht, jedoch nicht unbedingt, was den Partner betrifft.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit OWL, 18.02.2026, 19:30 Uhr

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