Schlafstörung: Was tun, wenn "schlecht geschlafen" zur Belastung wird? | WDR aktuell

02:41 Min. Verfügbar bis 13.03.2028

Schlafstörung: Was tun, wenn "schlecht geschlafen" zur Belastung wird?

Stand:

Eine wachsende Zahl von Menschen findet nachts keine Ruhe. Was hilft bei Schlafstörungen? Und wann muss man zum Arzt?

Von Andreas Poulakos


Viele Menschen klagen über Einschlafprobleme oder fühlen sich morgens nach dem Aufstehen nicht erholt, sondern wie erschlagen. Sie sind nicht allein: Laut einer Befragung der Krankenkasse KKH haben Schlafstörungen in der Bevölkerung in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen.

Am Weltschlaftag, der immer am Freitag vor der Tag-Nacht-Gleiche stattfindet, ruft die World Sleep Society einmal jährlich dazu auf, über Symptome von Schlafstörungen und mögliche Therapien zu informieren.

Was ist eigentlich "guter Schlaf"?

Ob die Nacht eher schlecht oder gut verlaufen ist, wissen die meisten Menschen direkt nach dem Aufstehen. Wenn sie gut durchschlafen konnten und sich am Morgen frisch und erholt fühlen, dann war es wohl eine gute Nacht. Wie genau sie aber diesen Zustand erreichen, das ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich.

Laut Weltgesundheitsorganisation WHO benötigen die meisten Erwachsenen sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht. Teenager und Kinder haben in der Regel ein größeres Schlafbedürfnis. Allerdings sind diese Zahlen nur ungefähre Richtwerte - manche Erwachsene kommen auch mit vier Stunden gut aus, andere brauchen ihr Leben lang zehn Stunden, um ihre Leistungsfähigkeit zu erhalten und gesund zu bleiben.

Doch auch die durchschnittliche Dauer sagt noch nichts über die Schlafqualität aus. Wer sehr lange zum Einschlafen benötigt oder immer wieder aus dem Schlaf aufschreckt, für den können auch zehn Stunden noch zu wenig sein.

Wie verbreitet sind Schlafstörungen?

Sehr weit: Nach einer Untersuchung der Kaufmännischen Krankenkasse (KKH) aus dem vergangenen Jahr stieg bei ihren Versicherten zwischen 2014 und 2024 die Zahl der diagnostizierten Schlafstörungen um rund 70 Prozent. Zudem habe eine Online-Befragung unter 500 gesetzlich und privat Versicherten zwischen 18 und 70 Jahren ergeben, dass 57 Prozent an mindestens drei Tagen pro Woche abends schlecht einschlafen können oder nachts häufiger aufwachen.

Vor allem die jüngere Generation leide zunehmend unter Schlafproblemen, teilte die KKH mit. Im Zehnjahresvergleich habe es bei den 25- bis 29-Jährigen das deutlichste Plus bei den Diagnosen von gut 113 Prozent gegeben.

Wann muss man zum Arzt?

Wer nur hin und wieder Phasen erlebt, in denen er oder sie schlecht schläft, muss nicht unbedingt unter einer Schlafstörung leiden. Besonders in Zeiten, in denen man mit Sorgen zu kämpfen hat oder unter besonderem Stress steht, sind Ein- und Durchschlafprobleme ganz normal.

Wenn aber die Probleme länger als drei Monate anhalten oder die Leistungsfähigkeit in Beruf und Privatleben infolge von Schlaflosigkeit spürbar abnimmt, dann sollte man ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen.

Schlafstörungen: Was sind die Ursachen?

Die Ursachen für Schlafstörungen sind vielfältig. Häufig spielen psychische Erkrankungen wie Depressionen oder Angststörungen eine Rolle.

Auch körperliche Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden, neurologische Störungen (zum Beispiel Parkinson) sowie chronische Schmerzen können Schlafprobleme verursachen. Häufig werden die Probleme auch durch Atemstörungen wie der sogenannten Schlafapnoe ausgelöst. Betroffene leiden unter häufigen nächtlichen Atemaussetzern, durch die sie häufig aus dem Schlaf gerissen werden. Wer bekannterweise stark schnarcht, sollte dies dem behandelnden Arzt unbedingt mitteilen.

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Weitere Auslöser sind hormonelle Veränderungen - etwa in den Wechseljahren oder bei Schilddrüsenfunktionsstörungen. Darüber hinaus können bestimmte Medikamente und Substanzen den Schlaf stören:

  • Alkohol
  • Koffein
  • einige Betablocker (Herz- und Blutdruckmittel)
  • Wassertreibende Mittel (Diuretika)
  • antriebssteigernde Antidepressiva
  • Hormone wie Steroide, Cortison und Thyroxin (Schilddrüsenmittel)

Welche Therapien gibt es?

Ein- und Durchschlafstörungen werden häufig mit verschiedenen Psychopharmaka behandelt, zum Beispiel mit Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen. Auf Dauer ist die Einnahme von Psychopharmaka allerdings problematisch, weil sie abhängig machen und die Schlafstörung sogar verstärken können. Wenn keine körperliche Erkrankung für die Schlafstörung verantwortlich ist, empfehlen Psychiater und Neurologen eine sogenannte kognitive Verhaltenstherapie.

Zeigefinger und Daumen formen einen Kreis beim Meditieren

Meditation kann helfen

Dabei versucht der Therapeut durch gezieltes Nachfragen ein möglichst genaues Bild der abendlichen Routinen und Schlafgewohnheiten des Patienten zu zeichnen. Durch das Weglassen von potenziell störenden Gewohnheiten kann vielen Betroffenen bereits geholfen werden.

Auch kleinere Änderungen im Schlafbereich oder eine neue abendliche Routine kann helfen, zum Beispiel:

  • störende Lichter und Geräusche ausschalten
  • Raumtemperatur reduzieren
  • Wärmflasche für die Füße
  • Meditation und autogenes Training
  • möglichst feste Schlafenszeiten etablieren

Was ist mit Melatonin? Oder Cannabis?

Seit einigen Jahren gilt Melatonin als wirksames Mittel gegen leichte Schlafstörungen. Besonders bei älteren Patienten ist die Produktion des Hormons, das an der Regulierung des Schlaf-Wach-Rhythmus beteiligt ist, vermindert, sodass ein Ausgleich in Form von Pillen oder Gummibärchen Linderung verschaffen kann. Allerdings profitieren nach Zahlen der Europäischen Arzneimittelagentur nur 30 Prozent der Patienten von einer Melatonin-Kur, bei den anderen führt sie nicht zum Erfolg.

Cannabispflanze

Einschlafhilfe mit Nebenwirkungen: Cannabis

Auch Cannabis kann beim Ein- und Durchschlafen helfen. Eine regelmäßige Anwendung birgt jedoch Probleme: Wird Cannabis nach einer längeren Dauer abgesetzt, können erst recht schwere Schlafstörungen auftreten. Auch berichten viele Anwender, dass sie am Morgen länger brauchen, bis sie wach und leistungsfähig sind.

Schlaf tracken: Helfen auch Schlaf-Apps?

Sogenannte Schlaf-Apps überwachen das Einschlafen und Aufwachen. Sie sollen Informationen über Schlafdauer und -qualität sammeln. Mobile Sensoren in Armbändern, Kleidungsstücken und zur Befestigung im Bett, sogenannte Wearables, lassen sich mit Smartphone-Apps koppeln. Die Apps können eingesetzt werden, um die eigene Schlafdauer und Schlafmenge zu erfassen. Dabei sollte allerdings immer die nicht ausreichende Messgenauigkeit der Systeme berücksichtigt werden. Eine Schlafstörungsdiagnose beim Arzt können sie nicht ersetzen.

Unsere Quellen:

Sendung: WDR.de, Was braucht es für guten Schlaf?, 13.03.2026, 6:02 Uhr

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