Mindestgebühr für Uber und Co: Halten sich Essener Fahrer dran?
Lokalzeit Ruhr. 30.01.2026. 02:27 Min.. Verfügbar bis 30.01.2028. WDR. Von Jörg Steinkamp.
Beide sind sauer: Dyaa Chalabi, Uber-Fahrer mit 17 Angestellten in Essen. Und der Chef der Taxizentrale "Taxi Essen", Dirk Heinrichsen. Bei letzterem mag das überraschen. Denn eigentlich hat das Taxigewerbe zu Beginn des Jahres einen großen Erfolg erzielt.
Neue Regeln bei Fahrdienstleistern, neue Unzufriedenheit
Proteste der Taxifahrer in Essen im vergangenen Jahr
Nach langen Protesten konnte die Essener Taxiunternehmer die Stadt dazu bewegen, Mindesttarife für Mietwagen einzuführen, dazu gehören die Fahrzeuge von Uber, Bolt und Co. Als erste Stadt in NRW. Seit Januar dürfen nun die Mietwagen-Fahrten maximal sieben Prozent günstiger sein als identische Fahrten mit dem Taxi.
Damit wollte die Stadt mehr fairen Wettbewerb, wie sie sagt, auf der Straße erzeugen. Doch Taxi-Chef Heinrichsen sagt, das habe bislang nicht geklappt.
Vorwurf: Uber hält sich nicht dran
"Die Allgemeinverfügung vom 01.01. für die Mindesbeförderungsentgelte für Mietwagen wird seitens der Mietwagen nicht eingehalten“, ärgert sich Heinrichsen. "Das haben wir flächendeckend kontrolliert. Fahrten, die mit dem Mietwagen 9,20 Euro hätten kosten müssen, habe ich durchgeführt für 4,50 Euro bis 5,20 Euro.“
Dirk Heinrichsen, Chef der Taxizentrale "Taxi Essen"
Kritik richtet er dabei - wenn auch milde - zum einen an die Stadt Essen, weil es keine Kontrollen gäbe. Die Stadt habe aber kaum die Kapazitäten, flächendeckend zu kontrollieren. Vor allem aber kritisiert Heinrichsen Uber und die andere Mietwagen-Betreiber: "Wir erwarten, dass sie sich an Regeln halten, die aufgestellt sind."
Uber kontert Kritik der Taxifahrer
Das tue man, so ein Unternehmenssprecher von Uber. Das Unternehmen kritisiert weiterhin die Einführung der Regelung, erwartet durch sie nicht nur einen Rückgang der Uber-Fahrten, sondern gleichzeitig auch keine Verbesserung im Taxigewerbe. Am Ende würden einfach nur mehr Leute auf den eigenen Pkw zurückgreifen, so die Kritik.
Uber sagt: Der Mindesttarif werde umgesetzt
Die teilt auch Uber-Unternehmer Dyaa Chalabi. Vor allem aber besteht er darauf: "Wir halten den Mindesttarif in Essen ein." Dass der Preis vor der Fahrt in der Uber-App vor der Fahrt immer noch deutlich günstiger angezeigt werde, sei richtig. Jedoch würden die Gebühren während der Fahrt auf Essener Gebiet jetzt neu berechnet – und seien später höher als vorher in der App angezeigt.
Uber-Fahrer: "Wir halten uns dran"
"Man hat schon gemerkt, dass die Nachfrage weniger geworden ist", so Chalabi, "sodass sich der wirtschaftliche Druck erhöht, da wir weniger Umsatz machen, aber unsere laufenden Kosten bestehen bleiben. Das macht schon Angst, wenn sich das weiterhin so entwickelt."
Der Essener Uber-Unternehmer Dyaa Chalabi
Er macht sich Gedanken, ob er seine Mitarbeiter noch halten kann, für die er natürlich Sozialabgaben und auch angemessene Löhne zahle. Uber sieht sich oft der Kritik ausgesetzt, die Fahrer würden zu Dumpingpreisen arbeiten. "Wir sind eine Ergänzung zu den Taxis", sagt er, und fühle sich ungerecht behandelt.
Gerichtliche Klagen gegen die Stadt Essen
Chalabi hat wie vier weitere Uber-Unternehmer vor dem Verwaltungsgericht Gelsenkirchen gegen die Stadt Essen geklagt. Die bestätigt den Eingang der Klagen.
Ebenso erklärt ein Stadtsprecher, es lägen Erkenntnisse vor, dass es Verstöße gegen die Mindesttarifregelung von Mietwagenanbietern gegeben habe. Sofern diese nachzuweisen seien, würden Verfahren gegen die Betreiber eingeleitet. Darüber hinaus will die Stadt bald auch Betriebsprüfungen und stichpunktartige Kontrollen bei Mietwagen durchführen.
Streitereien auf den Straßen
Taxifahrer weiter in Sorge
Ruhe ist noch nicht abzusehen in dem Konflikt. Das Klima auf den Essener Straßen dürfte sich auch nicht so schnell verändern. Taxi-Chef Dirk Heinrichsen beschreibt dies so: "Da ist natürlich eine Unruhe. Die Kollegen weisen oft Mietwagenfahrer zurecht. Beide Seiten sind dann sehr emotional. Der eine will es nicht einsehen – und bei dem anderen ist die Existenz bedroht.“
Wobei letzteres auch Dyaa Chalabi für sich in Anspruch nimmt: "Wenn ich nur Verlust mache, wofür soll ich dann noch arbeiten?"
Unsere Quellen:
- Taxizentrale "Taxi Essen"
- Uber-Unternehmer Dyaa Chalabi
- Uber
- Stadt Essen
- Verwaltungsgericht Gelsenkirchen
- vorherige WDR-Berichterstattung
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