Studiogespräch: Karin Prien, Bildungsministerin

Aktuelle Stunde 18.03.2026 19:38 Min. UT Verfügbar bis 18.03.2028 WDR

Bundesbildungsministerin Prien: "Zu lange weggeguckt" bei Klassenchats

Stand:

Nacktbilder oder Gewaltvideos dürften in WhatsApp-Schülergruppen nicht verbreitet werden, sagte Bundesbildungsministerin Prien. Die Probleme mit solchen Klassenchats müsse man stärker in den Blick nehmen. Auch NRW-Schulministerin Feller reagierte auf die WDR-Recherchen.

"Ja, wir haben da sicher zu lange weggeguckt", sagte Bundesbildungsministerin Karin Prien (CDU) am Mittwoch in WDR-Interviews zu den massiven Problemen mit Klassenchats. "So wie es im Moment ist, kann es jedenfalls nicht weitergehen."

Wie WDR-Recherchen zeigen, kursieren in solchen privaten Schüler-Gruppenchats bei WhatsApp und anderen Plattformen zum Teil Gewaltvideos, Nazi-Parolen und kinderpornografische Bilder. Jeder dritte Nutzer solcher Klassenchats zwischen zehn und 16 Jahren hat dort schon unangenehme oder belastende Inhalte gesehen.

Prien: Jugendschutz im Digitalen nicht hinreichend umgesetzt

Gesprächssituation zwischen Karin Prien und Moderator Martin

Bundesbildungsministerin Karin Prien in der "Aktuellen Stunde" im Gespräch mit Moderator Martin von Mauschwitz

Die WDR-Recherchen "bestätigen auch meine Einschätzung, dass Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt bisher in Deutschland nicht hinreichend umgesetzt wird, dass wir bestehende Regeln nicht durchsetzen und dass Kinder und Jugendliche Schaden nehmen, weil wir diesen Bereich bisher zu wenig im Blick hatten und auch zu wenig reguliert haben", so die Ministerin. Und weiter:

"Meine feste Überzeugung ist, dass wir auch ein Social-Media-Verbot brauchen." Karin Prien (CDU), Bundesbildungsministerin

Allerdings reiche das nicht, sagte Prien: "Ich glaube, wir müssen nicht nur über Social-Media-Regulierung, sondern auch über Messengerdienst-Regulierung sprechen, wenn wir insgesamt über Kinder- und Jugendschutz in der digitalen Welt diskutieren. Die Debatte, die wir in Deutschland im Moment führen, ist viel zu stark verengt."

Aber, so die Ministerin: "Es geht auch nicht nur um Verbote, sondern es geht auch um die Frage, wie wir Kinder und Jugendliche fit machen und auch Eltern und Lehrkräfte fit machen, damit sie mit diesen Phänomenen umgehen können."

Prien: Bei Klassenchats sind vor allem Eltern in der Pflicht

Um die Medienkompetenz von Kindern zu stärken, müsse man schon in den Kitas ansetzen. Auch "die Lehrkräfte und alle, die an Schulen arbeiten", seien wichtig. "Aber es geht natürlich ganz vorrangig um die Eltern. Denn auch hier bei den Klassenchats handelt es sich ja im Allgemeinen um private Gruppen", betonte die Bundesbildungsministerin. "Deshalb müssen Eltern besser aufgeklärt und informiert werden."

NRW-Schulministerin Feller: Eltern spielen bei Lösung "wichtige Rolle"

Auch NRW-Schulministerin Dorothee Feller betont die "wichtige Rolle" von Eltern bei der Lösung der Probleme mit Klassenchats. Dem WDR sagte sie am Mittwoch:

"Wir können nicht alle Herausforderungen, die die Gesellschaft uns gibt, in die Schule hineinholen und sagen, das sollte die Schule alles regeln." Dorothee Feller (CDU), NRW-Schulministerin
Dorothee Feller, NRW-Schulministerin

Dorothee Feller, NRW-Schulministerin

Gleichwohl geschehe an den Schulen bereits viel, um die Medienkompetenz der Kinder und Jugendlichen zu stärken, so Feller. Sie verwies auf das Projekt "Medienscouts NRW" der Landesanstalt für Medien. Da seien tausende Schülerinnen und Schüler als Medienscouts unterwegs, um Mitschülern zu vermitteln, wie sie sicher und verantwortungsvoll mit digitalen Medien umgehen.

"Diese Medienccouts geben zum Beispiel auch Hinweise: Wie soll ich mich in Klassenchats verhalten?", sagte Feller. Und sie würden Regeln für Klassenchats empfehlen.

"Wir wissen um diese Ausmaße", sagte die Schulministerin zu den Problemen in Klassenchats. Es gebe schon "viele Maßnahmen", um dem gegenzusteuern. "Aber ich finde, man muss immer wieder neu gucken. Das ist ja eine rasante Entwicklung."

Aktuell berät sich eine von Bundesbildungsministerin Prien eingesetzte Expertenkommission über ein mögliches Social-Media-Verbot. Noch vor dem Sommer werde sie Ergebnisse vorlegen, so die Ministerin.

Experten fordern Schulfach Medienkompetenz

Die EU-Initiative klicksafe oder auch der Sozialverband Deutschland fordern noch weiter gehende Konsequenzen aus den Problemen mit Klassenchats. Erforderlich sei auch ein eigenes Schulfach Medienkompetenz, sagten sie dem WDR.

Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger formulierte auch eine Forderung in Richtung Innenpolitik: Die Polizei müsse im Internet stärker präsent sein, zum Beispiel mit einer Onlinewache für Kinder und Jugendliche.

Unsere Quellen:

  • WDR-Interviews mit Bundesbildungsministerin Karin Prien am 18.03.2026 in der "Aktuellen Stunde" und für die "Tagesthemen"
  • WDR-Interview mit Schulministerin Dorothee Feller
  • WDR-Interview mit Cyberkriminologe Thomas-Gabriel Rüdiger
  • Stellungnahme der EU-Initiative klicksafe auf WDR-Anfrage
  • Stellungnahme des Sozialverbands Deutschland auf WDR-Anfrage
  • Umfrage zu Klassenchats von Infratest dimap im Auftrag des WDR

Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 18.03.2026, 18.45 Uhr

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