Flugzeug beim Start am Flughafen Frankfurt am Main.

Flugreise in den Osterferien: "Riesiges leeres Auge über dem Iran"

Stand:

Der anhaltende Iran-Krieg hat auch Auswirkungen auf den Flugverkehr in den Osterferien. Wie Airlines und Urlauber reagieren.

Die Osterferien nutzen viele, um den ersten großen Urlaub des Jahres zu unternehmen. Häufig auch eine Flugreise, weil sonniges und warmes Wetter um diese Jahreszeit eher in Südeuropa oder noch weiter entfernt zu finden ist. Wen es beispielsweise nach Südostasien zieht, der ist oftmals auf Drehkreuze wie Doha oder Dubai angewiesen. Doch der anhaltende Iran-Krieg sorgt weiter für Chaos im Nahen und Mittleren Osten - und damit erneut für Fragezeichen hinter so mancher Fernreise.

Von der kriegerischen Auseinandersetzung zwischen Israel, den USA und dem Iran sind viele arabische Staaten betroffen. Die vom Iran blockierte Straße von Hormus hat weiter erhebliche Auswirkungen auf den Ölpreis und damit die ganze Welt - und macht auch das Kerosin für Airlines teurer.

Als Israel und die USA vor mehr als einem Monat ihren Angriff auf den Iran begannen, ging im dortigen Flugraum zwischenzeitlich nichts mehr. Rund 30.000 deutsche Touristen saßen vorerst im Nahen und Mittleren Osten fest.

Nun beeinflusst der anhaltende Konflikt auch die Osterurlaubspläne von Menschen aus NRW. Wie gehen Airlines aktuell mit den Folgen des Iran-Kriegs um und wie verhalten sich Reisende? Darüber haben wir mit dem Luftfahrtjournalisten Andreas Spaeth gesprochen.

WDR: Wie hat der Krieg in der Region die Verkehrsströme verändert?

Andreas Spaeth: Wenn Sie sich auf Flugverfolgungs-Websites wie etwa Flightradar24 anschauen, wie das vor Kriegsausbruch bis Ende Februar aussah und wie es jetzt aussieht, tut sich quasi ein riesiges leeres Auge auf über dem Iran. Weil da natürlich bis Ende Februar die Hauptverkehrsströme auch zum Golf wie an einer Perlenkette aufgereiht zu sehen waren. Jetzt ist da alles leer. Die müssen also ganz mühsam vor allem nach Süden ausweichen.

Das bedeutet vor allem längere Flugzeiten und sehr schmale Flugkorridore, wo sich dann auch schnell Flaschenhälse bilden. Andreas Spaeth, Luftfahrtjournalist

WDR: Was bedeutet das für wichtige Drehkreuze im Flugverkehr, wie zum Beispiel den Flughafen von Abu Dhabi oder Doha?

Andreas Spaeth, Luftfahrt-Journalist

Andreas Spaeth

Spaeth: Die Lage ist ziemlich unterschiedlich. In Bahrain und Kuwait zum Beispiel ist der Luftraum vollkommen gesperrt und die dort beheimateten Airlines fliegen gar nicht oder manche fliegen minimal aus Nachbarländern. Während zum Beispiel in Dubai - was ja mit das wichtigste Drehkreuz überhaupt und für Deutsche ein wichtiger Umsteigepunkt oder auch ein Zielort ist - im Moment bereits fast das volle Programm geflogen wird.

Also Emirates, die große Airline dort, hat zwar einen leicht reduzierten Flugplan. Aber sie bedienen derzeit etwa 80 Prozent ihrer gesamten Zielorte, die sie auch normalerweise bedienen. Sie haben über 150 Flüge am Tag. Während andere, zum Beispiel auch in Doha in Katar, nur eine Art Notprogramm haben. Dort wird höchstens etwa ein Viertel der Flüge, die normalerweise geflogen werden, bedient.

Die Lage ist also unterschiedlich und auch volatil. Weil natürlich, wenn dort plötzlich Angriffe von iranischen Drohnen auftauchen, sich sowieso kurzfristig wieder alles ändert und innerhalb von Minuten unter Umständen die Lufträume gesperrt werden.

Flugverkehr: "Riesiges leeres Auge über Iran"

WDR 5 Morgenecho - Interview 30.03.2026 04:02 Min. Verfügbar bis 30.03.2027 WDR 5


Download

WDR: Sehen Sie auch eine Entwicklung, dass viele gar nicht mehr in diese Richtung fliegen, sondern vielleicht umgebucht haben oder sich anders orientieren? Nämlich nach Westen fliegen und dort versuchen, irgendwo Urlaub zu machen?

Spaeth: Die Verkehrsströme generell auf der Welt sind stark beeinflusst durch die Schwierigkeiten am Golf gerade (…). Es ist schon erkennbar, dass Leute ausweichen wollen, auch vielleicht kurzfristig nach Südafrika, als nach Bangkok. Aber das ist eben schwierig.

Zumal ein wichtiges Problem, das man auch nicht vergessen darf: die Kerosinlage. Andreas Spaeth, Luftfahrtjournalist

Noch haben wir in Südafrika Kerosin. Aber es ist absehbar, sowohl am Golf als auch für Südafrika, dass das vielleicht knapp werden könnte. Man sagt so etwa Ende April, da ist immer ein bisschen Vorlauf drin. Also das ist von mir aus keine düstere Prophezeiung, aber Experten sagen zum Beispiel auch in Südafrika, es könnte Ende April knapp werden. Das sind Auswirkungen, auf die wir noch warten. Aber das ist auf jeden Fall am Horizont zu erkennen.

Das Interview führte Andrea Oster im WDR 5 Morgenecho. Für die Online-Version wurde es sprachlich geglättet und gekürzt, ohne den Inhalt zu verändern.

Unsere Quelle:

  • Interview mit Andreas Spaeth im WDR 5 Morgenecho

Sendung: WDR 5, Morgenecho, 30.03.2026, 8.36 Uhr

Mehr Nachrichten