ChatGPT Atlas: OpenAI startet eigenen KI-Browser
01:27 Min.. Verfügbar bis 22.10.2027. Von Jörg Schieb, Jörg Schieb.
ChatGPT Atlas: OpenAI startet eigenen KI-Browser
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Der Tech-Konzern OpenAI bringt mit Atlas einen Browser auf den Markt, der ChatGPT direkt ins Surfen integriert. Statt ständig zwischen Tabs zu jonglieren, arbeitet die KI jetzt im Hintergrund mit. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt, was der neue Browser kann – und für wen er sich lohnt.
Von
Jörg Schieb
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Zu den Kommentaren [6]Die Szene kennen die meisten nur zu gut: Im Netz surfen, einen Artikel abfrufen, interessanten Absatz markieren, zu ChatGPT wechseln, Text einfügen, Frage formulieren, zurück zum Browser.
Wer täglich mit KI-Tools arbeitet, jongliert ständig zwischen Tabs und Anwendungen. Genau hier setzt OpenAI mit seinem neuen Browser Atlas an, der am Dienstag weltweit gestartet ist. Die zentrale Idee: ChatGPT ist nicht irgendwo eingebaut, sondern bildet den Kern des Browsers.
Was bei Konkurrenten wie dem KI-Chatbot Perplexity mit dem Comet-Browser bereits seit Wochen Realität ist, bringt nun auch der ChatGPT-Entwickler auf den Markt. Der Unterschied zu Standard-Browsern wie Chrome oder Safari: Der neue Atlas-Browser versteht automatisch, was gerade auf dem Bildschirm passiert, welche Seiten offen sind und was das nächste Ziel sein könnte. Der Browser mutiert vom passiven Anzeigeprogramm zum aktiven Helfer.
Ein Browser denkt mit
ChateGPT arbeitet mit dem Browser Hand in Hand und kann Texte lesen und zusammenfassen
Das auffälligste Merkmal zeigt sich auf jeder Website rechts oben: Ein "ChatGPT fragen"-Button öffnet eine Seitenleiste, über die der KI-Assistent direkt erreichbar ist und Fragen beantwortet oder Texte erzeugt.
Anders als beim separaten ChatGPT-Fenster erkennt die KI hier automatisch den aktuellen Inhalt der Webseite. Wer einen langen Zeitungsartikel überfliegen will, tippt einfach "Fass das zusammen" – fertig. Bei mehreren offenen Tabs mit Produkten genügt "Vergleich die Features", ohne dass Links oder Texte kopiert werden müssen.
Besonders praktisch wird die Integration beim Schreiben. Klickt man in ein Textfeld – ob Gmail, Google Docs oder Kontaktformular – erscheint ein ChatGPT-Symbol. Texte lassen sich damit direkt umformulieren, kürzen oder präzisieren, ohne den Tab zu wechseln. Eine E-Mail zu förmlich? "Mach das lockerer" reicht als Befehl. Die Bearbeitung geschieht an Ort und Stelle.
Das Gedächtnis des Browsers
Atlas kann sich Dinge merken – wenn gewünscht. Die sogenannten "Browser Memories" speichern Kontext zu besuchten Seiten. Später lässt sich dann fragen: "Welche Jobanzeigen hatte ich letzte Woche angeschaut?" oder "Was waren die Gemeinsamkeiten der Wohnungen, die ich gestern recherchiert habe?" Das System lernt aus dem Surfverhalten und kann Muster erkennen.
Die Gedächtnisfunktion ist optional (also zuschaltbar) und komplett transparent. In den Einstellungen zeigt Atlas alle gespeicherten Memories, die sich einzeln archivieren oder komplett löschen lassen. Wer den Browserverlauf löscht, entfernt automatisch auch die zugehörigen Erinnerungen. Ein „Inkognito“-Modus steht auf Wunsch ebenfalls zur Verfügung – dort ist ChatGPT ausgeloggt und speichert weder Chats noch Memories.
Der Agent übernimmt das Steuer
OpenAI Browsder Atlas: Zuerst für Apple-Rechner, schon bald auch für WIndows und mobil
Richtig futuristisch wird es im "Agent Mode", der allerdings vorerst zahlenden Nutzern von ChatGPT vorbehalten bleibt. Hier übernimmt ChatGPT auf Wunsch sogar aktiv die Kontrolle über den Browser. Konkrete Aufgaben: Ein italienisches Restaurant finden und für heute Abend reservieren. Flüge nach Barcelona suchen und passende Hotels unter 100 Euro vergleichen. Die Zutaten eines Rezepts in den Warenkorb eines Online-Supermarkts legen.
Während der Agent arbeitet, lässt sich live zusehen, wie er in der Webseite navigiert, klickt und Formulare ausfüllt. Jederzeit steht ein roter "Stop"-Button bereit, mit einem zweiten Klick lässt sich die Kontrolle zurückholen. Bei sensiblen Seiten wie Online-Banking pausiert der Agent automatisch und fordert eine Freigabe an.
OpenAI räumt allerdings ein, dass (noch) Risiken bestehen. Die KI könne Fehler machen oder durch versteckte, bösartige Anweisungen auf Webseiten manipuliert werden. Als konkreter Schutzmechanismus kann der Agent keinen Code ausführen, keine Dateien herunterladen oder auf das lokale Dateisystem zugreifen (also keine Dokumente von der eigenen Festplatte irgendwo hochladen). Im "ausgeloggten Modus" hat er zudem keinen Zugriff auf gespeicherte Logins.
Wer kann OpenAI Atlas nutzen?
Der Download funktioniert momentan erst mal nur auf macOS-Geräten. Versionen für Windows, iOS und Android sollen "bald" folgen – einen konkreten Termin nannte OpenAI zwar nicht, aber es ist nur eine Frage der Zeit. Die Installation läuft über chatgpt.com/atlas, von dort wird die Datei heruntergeladen und ins Programme-Verzeichnis gezogen. Beim Start lassen sich Lesezeichen, Passwörter und Verlauf aus bisherigen Browsern importieren.
Da Atlas auf Chromium basiert – der gleichen Technologie wie Google Chrome –, funktionieren alle Chrome-Extensions (Erweiteungen) ohne Probleme. Ein kleiner Anreiz für Wechselwillige: Wer Atlas als Standardbrowser festlegt, erhält sieben Tage lang erhöhte Nutzungslimits bei ChatGPT.
Die Basisfunktionen stehen allen Nutzern kostenlos zur Verfügung: Sidebar, Zusammenfassungen, Suche mit ChatGPT und das Browser-Gedächtnis. Den Agent Mode gibt es hingegen nur für ChatGPT Plus (20 Dollar pro Monat), Pro und Business-Abonnenten. Unternehmenskunden können Atlas in der Beta-Phase nutzen, allerdings muss der Administrator das freischalten.
Schlacht der KI-Browser
ChatGPT Atlas: OpenAI startet eigenen KI-Browser
Atlas tritt in einen Markt ein, der bereits in Bewegung geraten ist. Anfang Oktober machte Perplexity mit seinem Comet-Browser den ersten Schritt. Auch Google hat kürzlich sein KI-Modell Gemini tiefer in Chrome integriert. Der Wettbewerb dreht sich nicht mehr um Geschwindigkeit oder klassische Features, sondern um die Frage: Wessen KI ist nützlicher?
Perplexitys Comet bietet die Möglichkeit, zwischen verschiedenen KI-Modellen zu wechseln – ChatGPT, Claude oder Gemini. Atlas setzt dagegen voll auf die OpenAI-Welt und die tiefe Integration mit ChatGPT. Ein Vorteil: Memories aus bisherigen ChatGPT-Unterhaltungen fließen in Atlas ein, sodass der Browser bereits beim ersten Start persönlichen Kontext mitbringt.
Die Konkurrenz schläft nicht. Google verfügt mit Chrome über einen Marktanteil von deutlich über 60 Prozent und Milliarden Nutzer weltweit. Microsoft integriert seine KI Copilot zunehmend in Edge. Apple könnte gezwungen sein, Safari ebenfalls mit KI-Features aufzurüsten, um nicht ins Hintertreffen zu geraten.
Was bringt der Wechsel?
Ob sich Atlas durchsetzt, hängt davon ab, wie stark KI bereits zum Arbeitsalltag gehört. Wer regelmäßig zwischen Browser und ChatGPT wechselt, dürfte die nahtlose Integration schätzen. Das Gedächtnis erspart Notizen, der Agent Mode – wenn er zuverlässig läuft – spart Zeit bei Routineaufgaben.
Allerdings ist der Browser brandneu, der Agent Mode befindet sich in einer Testphase, und wichtige Plattformen fehlen noch. Chrome hat einen jahrzehntelangen Vorsprung, ein gigantisches Extension-Ökosystem und die Macht eines Tech-Riesen im Rücken. Atlas muss erst beweisen, dass es mehr ist als ein interessantes Experiment für Early Adopters.
Datenschutz bleibt ein Thema
OpenAI verspricht, dass Browsing-Daten standardmäßig nicht zum Training der KI-Modelle genutzt werden. Wer das ausdrücklich möchte, kann es in den Einstellungen aktivieren. Der Browserverlauf lässt sich wie gewohnt löschen, einzelne Seiten oder komplett. Eine Kindersicherung existiert ebenfalls: Wer in ChatGPT Parental Controls aktiviert hat, findet diese auch in Atlas.
Trotzdem landen mit Atlas mehr persönliche Daten an einer Stelle. Selbst wenn OpenAI heute keine Werbung schaltet, bleibt die Frage, was in Zukunft mit den gesammelten Informationen geschieht. Jede besuchte Website, jede Suche, jede ChatGPT-Anfrage – alles zusammen ergibt ein detailliertes Profil.
Unsere Quellen:
- OpenAI
- Perplexity
6 Kommentare
Kommentar 6: zic schreibt am 22.10.2025, 18:32 Uhr :
Mozillas Firefox nutzt auch schon Perplexitys AI Answer Engine sowie einen AI Chatbot (wahlweise: Anthropic Claude, ChatGPT, Copilot, Google Gemini, Le Chat Mistral). Ich hab' beides schon deaktiviert. ;)
Kommentar 5: Elena - 1984 schreibt am 22.10.2025, 15:58 Uhr :
Nein danke, da bleibe ich lieber bei meinem Netscape Navigator ;-)
Kommentar 4: Trompeter schreibt am 22.10.2025, 14:56 Uhr :
Danke für den Beitrag. Wieder werden -wie auch bei Google - die Anwender dieser neuen Technik nach kurzer Zeit jammern das ihre Daten gesammelt werden und man das doch bitte abstellen möge, wetten? ((::))
Kommentar 3: Anna schreibt am 22.10.2025, 14:39 Uhr :
Sie lasen eine Werbeeinblendung von OpenAI. @WDR: Ich weiß nicht, was ihr unter Journalismus versteht, in meinem Verständnis gehört dazu ein kritisches Hinterfragen, das mir in diesem Artikel bis auf die letzten drei Sätze fehlt. Ich würde gerne anregen, dass das einen größeren Stellenwert bekommen sollte!
Kommentar 2: ernestow schreibt am 22.10.2025, 14:04 Uhr :
Wie schön...Irgendwann ist die Menscheit soweit verdummt, dass die bislang nur im Film existierende "Matrix" Wiklichkeit werden kann. Also: AI übernehmen Sie!
Kommentar 1: 42 schreibt am 22.10.2025, 12:09 Uhr :
Ich nutze nur anonymisierende Browser damit keine Daten von mir gesammelt werden; und fast wichtiger, damit ich mich nicht in der Filterblase selbst einmauere. Wenn ich keine richtigen Antworten bekomme habe ich nicht die richte Frage gestellt und kann nachbessern. Wenn der Browser den Nutzer kennt und weiß was er erwartet, bleibt man immer im gleichen Denkschema gefangen. Das ist jetzt schon so bei wenn Daten gesammelt werden, das wird bei der sogenannten künstlichen Intelligenz bestimmt nicht besser.