ChatGPT bekommt Erotik-Modus: Was OpenAI für erwachsene Nutzer plant
03:44 Min.. Verfügbar bis 15.10.2027. Von Jörg Schieb, Jörg Schieb.
ChatGPT bekommt Erotik-Modus: Was OpenAI jetzt für Erwachsene plant
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Von "Sei nett zu mir" bis "Lass uns flirten": OpenAI-Chef Sam Altman kündigt für Dezember eine Erotik-Funktion an, für verifizierte Erwachsene. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt, was hinter dem umstrittenen Schritt steckt und welche Risiken bleiben.
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Jörg Schieb
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Zu den Kommentaren [5]Die Ankündigung kam dann doch etwas überraschend: Sam Altman, Chef von OpenAI, hat auf der Plattform X verkündet, dass ChatGPT ab Dezember 2026 deutlich lockerer werden soll. Weniger Bot, menschlicher.
Das Wichtigste in Kürze zur Änderung bei ChatGPT im Überblick:
- OpenAI plant ab Dezember eine Erotik-Funktion für ChatGPT - aber nur für verifizierte Erwachsene
- Schon in den kommenden Wochen soll ChatGPT mehr Persönlichkeit bekommen und menschlicher wirken
- Die Altersprüfung erfolgt über ein Vorhersagesystem, notfalls per Ausweis-Upload
- Konkurrenten wie xAI und Character.AI bieten bereits ähnliche Features an
- Kritiker bezweifeln, dass OpenAI die psychischen Gesundheitsrisiken tatsächlich gelöst hat
- Unklar bleibt, wie Missbrauch und Deepfakes (durch KI verfälschte Inhalte) verhindert werden sollen
Erwachsene Nutzer sollen dann sogar erotische Inhalte erstellen können. "Wir behandeln erwachsene Nutzer wie Erwachsene", schreibt Altman zur Begründung.
ChatGPT sei in der Vergangenheit bewusst restriktiv gehalten worden, um die psychische Gesundheit der Nutzer zu schützen. Das habe den Chatbot allerdings für viele Menschen weniger nützlich und unterhaltsam gemacht. Jetzt, so Altman, habe man die Probleme im Griff – und könne die Zügel lockern.
ChatGPT: Erst Sicherheit, dann Erotik
Die Timeline ist klar: Schon in den kommenden Wochen soll eine neue ChatGPT-Version erscheinen, die deutlich mehr Persönlichkeit bei Chats zeigt, nicht mehr so unterwürfig antwortet. Nutzer sollen selbst wählen können, ob der Chatbot sich freundschaftlich verhält, viele Emojis nutzt oder besonders menschlich antwortet.
Im Dezember folgt dann der nächste Schritt: eine umfassende Altersverifikation und die Freigabe von Erotik-Inhalten. Allerdings, und das betont das Unternehmen: nur für verifizierte Erwachsene.
Wie genau diese angekündigte Altersprüfung funktionieren soll, bleibt noch vage. OpenAI arbeitet an einem System zur automatisierten Alterseinschätzung (abhängig von Themen, Art der Formulierungen). Falls das System jemanden fälschlicherweise als minderjährig einstuft, müssen Nutzer möglicherweise einen Ausweis präsentieren. Ein Kompromiss für die Privatsphäre, den OpenAI für vertretbar hält, um Minderjährige zu schützen.
Unklar bleibt auch, wie weit die neue Erotik-Funktion gehen wird. Ob nur Texte erlaubt sind oder ob sich auch Bilder und Videos über die KI-Tools von OpenAI generieren lassen, hat Altman zunächst nicht verraten. Auch diese Frage bleibt aktuell offen: Wie will OpenAI verhindern, dass nicht-einvernehmliche Inhalte oder Deepfakes entstehen? Auf Anfragen hat OpenAI bisher nicht geantwortet.
Ein riskanter Balanceakt für ChatGPT
Die Ankündigung kommt zu einem heiklen Zeitpunkt. Erst im Sommer machten mehrere Fälle Schlagzeilen, in denen ChatGPT offenbar psychisch labilen Nutzern gefährliche Ratschläge gab. Ein kalifornisches Paar verklagte OpenAI, weil der Chatbot ihrem 16-jährigen Sohn angeblich bei der Planung seines Suizids half. In anderen Fällen entwickelten Nutzer ungesunde emotionale Bindungen zum KI-Chatbot.
Als Reaktion führte OpenAI strengere Sicherheitsvorkehrungen ein: Im August kam das Modell GPT-5 mit weniger Schmeichel-Verhalten, im September folgten Kinderschutz-Funktionen und Elternkontrollen. Jetzt, nur wenige Wochen später, verkündet Altman, man habe die "ernsthaften psychischen Probleme" in den Griff bekommen und könne die Beschränkungen lockern.
Kritiker bezweifeln das. OpenAI hat kaum Belege für diese Behauptung vorgelegt. Stattdessen prescht das Unternehmen mit Erotik-Features vor. Just zu dem Zeitpunkt, als die US-Handelsaufsicht FTC Untersuchungen gegen Tech-Firmen wegen möglicher Risiken für Kinder und Jugendliche eingeleitet hat. Parallel dazu gründete OpenAI einen achtköpfigen Expertenrat für Wohlbefinden und KI. Ein PR-Manöver, um Bedenken zu zerstreuen?
Die KI-Konkurrenz macht's OpenAI vor
Tatsächlich ist OpenAI nicht der erste Anbieter, der in diesen Markt einsteigt. Elon Musks KI-Firma xAI bietet über die Plattform Grok bereits seit dem Sommer sexuell explizite Chatbot-Begleiter an. Auch Character.AI hat mit diesem Geschäftsmodell bereits Millionen Nutzer gewonnen. Laut Angaben aus dem Jahr 2023 verbrachten User dort im Durchschnitt zwei Stunden täglich. Allerdings sieht sich auch Character.AI mit Klagen wegen des Umgangs mit gefährdeten Nutzern konfrontiert.
Die Geschichte zeigt: Erotik im weitesten Sinne war oft ein Treiber für neue Technologien - von Videorecordern über Streaming bis zu interaktiven Medien. Bei KI scheint es nicht anders zu sein. Der Markt für KI-generierte Erotik wächst rasant, auch wenn die großen Player bisher zurückhaltend waren. Nun ändert OpenAI seine Strategie, auch wenn Altman noch im August betonte, man wolle keinen "Sexbot-Avatar" bauen, auch wenn das gut fürs Geschäft wäre.
Druck von allen Seiten für OpenAI
Was hat sich geändert? OpenAI steht unter enormem Druck. Zwar nutzen mittlerweile 800 Millionen Menschen weltweit ChatGPT wöchentlich, doch die Konkurrenz durch Google und Meta ist riesig. Gleichzeitig muss OpenAI endlich beweisen, dass das Geschäftsmodell funktioniert. Bisher ist unklar, ob das Unternehmen profitabel arbeitet.
Mehr Features, mehr Nutzer, mehr zahlende Abonnenten - das scheint die Devise zu sein. Altman betont zwar, man wolle nicht die "Nutzung maximieren", sondern den Menschen echte Wahlfreiheit geben. Doch die Grenze zwischen Nutzerfreundlichkeit und Geschäftsinteresse ist fließend. Andere KI-Chatbots haben gezeigt: Romantische oder erotische Rollenspiele sind extrem wirkungsvolle Engagement-Strategien.
Erotik-Funktion bei ChatGPT muss aktiv vom User eingeschaltet werden
Für viele erwachsene Nutzer könnte die neue Freiheit durchaus ein Gewinn sein. Wer kreative Texte schreiben, Geschichten entwickeln oder einfach freier mit KI experimentieren will, hatte bisher oft mit übervorsichtigen Blockaden zu kämpfen. Ein lockerer, persönlicherer Chatbot kann im alltäglichen Gebrauch tatsächlich nützlicher sein.
OpenAI verspricht, die Erotik-Funktion sei komplett freiwillig. Nur wer sie aktiv einschaltet, bekommt entsprechende Inhalte zu sehen. Doch in der Vergangenheit haben sich solche Opt-in-Systeme nicht immer als wasserdicht erwiesen. Und was passiert mit den Daten? Werden erotische Chat-Verläufe dann zum Training künftiger KI-Modelle genutzt?
Wendepunkt für gesamte KI-Branche
Die Ankündigung von Sam Altman markiert einen Wendepunkt - nicht nur für OpenAI, sondern für die gesamte KI-Branche. Was lange als Tabu galt, wird nun wohl zur Normalität. Die Frage ist nicht mehr, ob KI-Chatbots sexuelle Inhalte erlauben, sondern wie sie damit umgehen.
Für Nutzer bedeutet das: Mehr Freiheit, aber auch mehr Verantwortung. Wer die neuen Features nutzt, sollte sich der Risiken bewusst sein. Und wer Kinder oder Jugendliche hat, sollte genau hinschauen, welche KI-Tools sie nutzen - auch wenn Anbieter wie OpenAI versprechen, Sicherheitsvorkehrungen getroffen zu haben.
Unsere Quellen:
- OpenAI
- X-Kanal Sam Altman
5 Kommentare
Kommentar 5: Smiley Dan schreibt am 16.10.2025, 18:21 Uhr :
Lies sich wie ein Schulaufsatz: "Wer die neuen Features nutzt, sollte sich der Risiken bewusst sein. " Und, tja, Herr Schieb, welche Risiken wären das? Die behaupteten "anderen Fälle" in denen User ungesunde Beziehungen entwickelt haben sollen? Wie viele waren das so, vier? Sechs, setzen.
Antwort von Jörg Schieb , geschrieben am 16.10.2025, 21:08 Uhr :
Ich wusste gar nicht, dass hier Noten verteilt werden. Es wird Sie vielleicht überraschen: Aber in so einem Artikel kann ich leider nicht ausnahmslos alle Aspekte unterbringen.
Kommentar 4: Andreas z schreibt am 16.10.2025, 17:27 Uhr :
Ob wehr in die Videothek geht und sich da Erotikfilme ausleiht, ja ich kenne die noch, sich im Internet Erotik ansieht oder mit der KI das macht ist in meinen Augen alles das selbige. Soll doch jeder machen was einen Spaß macht solange er / sie keinen anderen, oder vielleicht auch sich selbst, weh tut.... sehe ich kein Problem.
Kommentar 3: Anonym schreibt am 16.10.2025, 16:36 Uhr :
Super, genau die richtige Entwicklung! Ein Traum, ich freue mich schon.
Kommentar 2: Martina Weber schreibt am 16.10.2025, 14:55 Uhr :
Was für eine ekelhafte Entwicklung!
Kommentar 1: Jost R. schreibt am 16.10.2025, 07:30 Uhr :
Dem Benutzen von SocialMedia und 'KI' sollte eine Verifikation der geistigen Reife, der geistigen Stabilität und Resilienz vorausgehen.
Antwort von Smiley Dan , geschrieben am 16.10.2025, 18:23 Uhr :
Das würde ich dann auch vorschlagen für die Teilnahme an Wahlen, die Erlaubnis, Kinder in die Welt zu setzen und das Kommentarposten im Internet.