Google führt einen KI-Modus in der Google-Suche ein

03:19 Min. Verfügbar bis 08.10.2027 Von Jörg Schieb, Jörg Schieb

Google bringt KI-Modus in die Suche: Was sich jetzt ändert

Stand:

Google hat in Deutschland einen neuen KI-Modus für die Suche eingeführt. Die Funktion verspricht bessere Antworten auf komplexe Fragen. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt, wie es funktioniert und was in punkto Verlässlichkeit und Datenschutz wichtig ist.

Von Jörg Schieb, WDR-Digitalexperte.Jörg Schieb

Schon vor einigen Wochen hat Google die KI-Übersicht eingeführt: Bei vielen Anfragen erscheinen von KI generierte kurze, kompakte Antworten zu alltäglichen Themen. Nun baut Google diesen KI-Anteil in der Suchmaschine weiter aus.

Wer ab jetzt die Google-Suche aufruft, findet dort einen neuen Reiter: den KI-Modus. Die Funktion, die Google bereits seit Monaten in den USA testet, steht nun auch deutschen Nutzern zur Verfügung (und Nutzern in vielen anderen Ländern). Anders als bei den bisherigen KI-Übersichten handelt es sich hier um eine grundlegend andere Art der Suche - über generative KI (wie ChatGPT).

Der Startschuss für Deutschland ist zwar offiziell gefallen. Es kann aber bis zu zwei Tage dauern, bis alle Nutzer die neue KI-Funktion bei jeder Suche angeboten bekommen.

Was kann der KI-Modus – und was ist neu?

Der neue KI-Modus lässt sich bequem über den separaten Reiter aktivieren

Der neue KI-Modus lässt sich bequem über den separaten Reiter aktivieren

Der entscheidende Unterschied zur klassischen Suche: Der KI-Modus liefert keine Link-Liste mehr, sondern strukturierte Antworten in Textform – ähnlich wie bei einem Gespräch. Während die bisherigen KI-Übersichten nur kurze Zusammenfassungen über den normalen Suchergebnissen zeigen, ermöglicht der neue Modus einen echten "Dialog" mit der Suchmaschine, so wie man das auch von ChatGPT, Perplexity und Co. kennt.

Die klassische Google-Suche funktioniert nach Schlüsselwörtern. Sie durchsucht Webseiten nach Begriffen und listet relevante Links auf. Der KI-Modus hingegen versteht den Kontext einer Frage, analysiert verschiedene Quellen und erstellt eine neue, zusammenhängende Antwort. Die Technologie basiert auf Googles Sprachmodell Gemini.

Besonders bei komplexen Fragen zeigt sich der Unterschied: Statt nacheinander verschiedene Websites zu besuchen und die Informationen selbst zusammenzusetzen, liefert die KI eine fertige Synthese. Quellen werden von der KI zwar angegeben und verlinkt, stehen aber nicht mehr im Vordergrund der Suche und der Ergebnisse.

Wie funktioniert das Chatten mit den Suchergebnissen?

Im neuen KI-Modus werden Fragen beantwortet und es entstehen Gespräche mit der KI

Im neuen KI-Modus werden Fragen beantwortet und es entstehen Gespräche mit der KI

Das Prinzip ähnelt dem Umgang mit anderen generativen KI-Modellen wie ChatGPT oder Perplexity. Man stellt eine Frage und erhält eine ausformulierte Antwort. Der große Vorteil gegenüber der klassischen Suche liegt in der Dialogfähigkeit. Das System merkt sich den Gesprächsverlauf und versteht Folgefragen im Kontext.

Ein konkretes Beispiel: Jemand fragt nach Wanderschuhen für die Alpen unter 150 Euro. Die KI liefert Empfehlungen mit Begründungen. Die Folgefrage "Welche davon sind wasserdicht?" versteht das System automatisch im Zusammenhang – bei der klassischen Suche müsste die Frage komplett neu formuliert werden.

Im Vergleich zu ChatGPT hat Googles KI-Modus einen Vorteil: direkter Zugriff auf aktuelle Webinhalte. ChatGPT arbeitet mit einem Wissensstand bis zu einem bestimmten Stichtag (bei der kostenlosen Version), während Googles System auf frische Daten zugreift. Gegenüber Perplexity, das ebenfalls Echtzeitsuche mit KI kombiniert, punktet Google mit der Integration in die vertraute Suchoberfläche und der Marktmacht.

Der Nachteil: Wie alle KI-Systeme kann auch Googles Modell "halluzinieren" – also Informationen erfinden oder verdrehen. Google selbst warnt, dass die Antworten nicht immer korrekt seien.

Welche Vorteile bringt das im Alltag?

Beim Lernen und Recherchieren: Studierende oder Schüler können komplexe Zusammenhänge erkunden, ohne sich durch Dutzende Websites klicken zu müssen. Die KI erklärt Konzepte Schritt für Schritt und kann auf Nachfrage tiefer ins Detail gehen. Allerdings sollten wichtige Fakten für Hausarbeiten oder Referate immer zusätzlich geprüft werden.

Bei der Arbeit: Berufstätige profitieren bei Aufgaben wie Marktrecherchen, dem Vergleich von Tools oder der Einarbeitung in neue Themen. Die KI kann verschiedene Aspekte gegenüberstellen und Pro-Contra-Listen erstellen. Besonders nützlich: Die Möglichkeit, mehrstufige Fragen zu stellen, etwa "Welche CRM-Systeme eignen sich für kleine Teams?" gefolgt von "Was kosten diese und welche haben die beste Integration mit Gmail?"

Beim Online-Shopping: Kaufentscheidungen werden erleichtert, wenn mehrere Kriterien gleichzeitig relevant sind. Die KI kann Produkte nach Preis, Eigenschaften und Bewertungen filtern und dabei erklären, warum sie etwas empfiehlt. Vorsicht ist geboten bei gesponserten Ergebnissen – Google mischt auch im KI-Modus Werbung ein, was nicht immer deutlich gekennzeichnet ist.

Im Alltag: Bei der Urlaubsplanung, Rezeptsuche oder Gesundheitsfragen kann der KI-Modus Zeit sparen. Allerdings gilt gerade bei medizinischen oder rechtlichen Themen: Die Antworten ersetzen keine professionelle Beratung. Google warnt selbst vor der ungeprüften Übernahme solcher Informationen.

Was passiert mit den Daten beim Chatten?

Die neue KI-Funktion ist ab sofort auch in Deutschland erreichbar

Die neue KI-Funktion ist ab sofort auch in Deutschland erreichbar

Viele Nutzer stellen sich – völlig zu Recht – die Frage, was mit den eigenen Daten passiert. Die Antwort komplex: Google speichert die Suchanfragen im KI-Modus ähnlich wie bei der klassischen Suche. Das bedeutet: Die Fragen und der Gesprächsverlauf werden mit dem Google-Konto verknüpft und können zur Verbesserung der Dienste sowie für personalisierte Werbung verwendet werden.

Im Unterschied zur einfachen Suchanfrage gibt man im Dialog-Modus oft deutlich mehr preis. Wer mehrere Folgefragen stellt, offenbart möglicherweise persönliche Umstände, Interessen oder Absichten. Diese Daten fließen in das persönliche Profil ein, das Google von jedem Nutzer anlegt. Das dürfte auch der wesentliche Grund sein, wieso Google die kostspielige KI-Funktion kostenlos in die Suchmaschine einbaut.

Nutzungsdaten weitgehend transparent

Google betont, dass die Daten verschlüsselt übertragen werden. Nutzer können in den Einstellungen des Google-Kontos einsehen, welche Suchanfragen gespeichert wurden, und diese auch löschen. Unter "Meine Aktivitäten" lässt sich die automatische Speicherung von Such- und Browserverlauf deaktivieren – allerdings funktionieren dann einige personalisierte Funktionen nicht mehr.

Ein mögliches Risiko (je nach Art der Fragen) besteht darin, dass die Gesprächsverläufe zur Weiterentwicklung der KI genutzt werden. Google gibt an, dass Mitarbeiter oder automatisierte Systeme die Anfragen auswerten können, um die Qualität zu verbessern. Zwar werden dabei nach Angaben des Unternehmens persönliche Daten anonymisiert, doch die Frage bleibt: Wie anonym sind Daten wirklich, wenn sie mit einem Nutzerprofil verknüpft sind?

Für datenschutzbewusste Nutzer gibt es Alternativen: Wer nicht möchte, dass Google die Anfragen speichert, kann den Inkognito-Modus des Browsers verwenden oder auf alternative Suchmaschinen wie DuckDuckGo ausweichen – die allerdings keinen vergleichbaren KI-Modus bieten.

Klassische Suche bleibt verfügbar

Google führt einen KI-Modus in der Google-Suche ein

Google betont, dass die herkömmliche Suche parallel zum KI-Modus bestehen bleibt. Für viele Anfragen – etwa nach einer bestimmten Website, einem Sportergebnis oder einer schnellen Faktenprüfung – ist die klassische Variante weiterhin schneller und zuverlässiger. Nutzer können experimentieren und selbst herausfinden, welcher Weg im jeweiligen Fall der bessere ist.

Die Einführung des KI-Modus zeigt: Die Art, wie das Internet genutzt wird, verändert sich grundlegend. Ob sich die KI-gestützte Suche durchsetzt, wird sich zeigen. Klar ist: Wer den neuen Modus nutzt, sollte dessen Grenzen kennen, bei wichtigen Informationen skeptisch bleiben und sich bewusst sein, welche Daten dabei preisgegeben werden.

Unsere Quellen:

  • Nachrichtenagentur dpa
  • Google

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