10 Jahre OpenAI – was ChatGPT verändert hat

03:28 Min. Verfügbar bis 11.12.2027 Von Jörg Schieb, Jörg Schieb

10 Jahre OpenAI – was ChatGPT verändert hat

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Vor genau zehn Jahren ist OpenAI als gemeinnütziges Forschungslabor gestartet. Heute kennt jeder das Unternehmen als Anbieter von ChatGPT. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb erklärt, wie das Unternehmen Alltag und Arbeitswelt grundlegend verändert hat.

Von Jörg Schieb, WDR-Digitalexperte.Jörg Schieb

Am 11. Dezember 2015 gründeten Sam Altman, Elon Musk und andere Investoren in San Francisco OpenAI – anfangs als Non-Profit-Organisation. Das erklärte Ziel: OpenAI wollte transparent KI-Forschung zum Wohle der Menschheit betreiben und nicht in den Händen weniger Tech-Konzerne landen.

Die ersten Jahre waren geprägt von wissenschaftlichen Papieren, anspruchsvollen Experimenten mit neuronalen Netzen und Grundlagenforschung – klassische akademische Arbeit, nur üppiger finanziert. Investoren hatten OpenAI vom Start weg mit 1 Mrd. Dollar ausgestattet.

Der 30. November 2022: Der Tag, der alles veränderte

Dann kam ChatGPT 3.5, im November 2022. Innerhalb weniger Tage registrierten sich Millionen Nutzer, um mit der KI zu chatten, Texte schreiben zu lassen oder Fragen zu stellen. Nach nur zwei Monaten hatte ChatGPT 100 Millionen aktive Nutzer erreicht – die schnellste App-Adoption der Geschichte. Zum Vergleich: Instagram brauchte dafür zweieinhalb Jahre, TikTok neun Monate.

Aus dem idealistischen Non-Profit wurde ein Hybrid-Konstrukt, das Unternehmen durfte auch Gewinne machen, später ein Milliardengeschäft. Heute wird OpenAI auf über 500 Milliarden Dollar geschätzt – ein höherer Wert als die meisten DAX-Konzerne zusammen.

Schule und Uni: Zwischen Fluch und Segen

Die wohl sichtbarste Veränderung zeigt sich im Bildungswesen. Schüler und Studierende nutzen ChatGPT zum Lernen, für Hausaufgaben oder Referate – oft zur Verzweiflung ihrer Lehrer. Eine Umfrage der Uni Hohenheim vom März 2024 ergab: 70 Prozent der Studierenden haben ChatGPT bereits für akademische Arbeiten genutzt.

Während manche darin eine Bedrohung sehen, entwickeln andere neue Lernkonzepte: KI als Nachhilfelehrer, der Grammatik erklärt, Matheaufgaben Schritt für Schritt durchgeht oder beim Brainstorming für die Facharbeit hilft. Das Problem: Die Grenze zwischen Lernen mit KI und Täuschung ist fließend. Schulen und Universitäten arbeiten noch immer an Richtlinien, wie mit KI-Tools umzugehen ist.

Shopping und Alltag: Die KI als persönlicher Assistent

ChatGPT hat sich zum populärsten Chatbot entwickelt

ChatGPT hat sich zum populärsten Chatbot entwickelt

Auch beim Einkaufen hat sich einiges verändert. ChatGPT kann Produktfotos analysieren, Preise vergleichen oder Bewertungen auf Fake-Reviews prüfen. OpenAI hat im Oktober 2024 sogar einen eigenen Browser vorgestellt – Atlas –, der im Agent-Modus selbstständig Shops durchsucht und Preisvergleiche erstellt.

Doch die Alltagsnutzung geht weit darüber hinaus: Rezepte aus Zutaten generieren, die noch im Kühlschrank sind. Reisen planen mit individuellen Vorschlägen. E-Mails formulieren oder komplexe Verträge verständlich zusammenfassen. Die KI ist für viele zum digitalen Schweizer Taschenmesser geworden.

GPTs: Maßgeschneiderte KI-Helfer für jeden Zweck

Besonders interessant sind die sogenannten GPTs – spezialisierte Versionen von ChatGPT, die Nutzer selbst erstellen können. Ein Yogalehrer „programmiert“ einen GPT, der Trainingspläne erstellt. Eine Journalistin baut einen Recherche-Assistenten, der Quellen prüft und strukturiert. Ein Unternehmen entwickelt einen Kundenservice-Bot mit Zugriff auf die eigene Wissensdatenbank.

Mittlerweile gibt es über drei Millionen solcher individuellen GPTs – von Ernährungsberatern über Programmierhelfern bis zu Sprachtutoren. Sie zeigen, dass KI nicht nur ein generisches Tool ist, sondern sich präzise an individuelle Bedürfnisse anpassen lässt.

Der Hype zieht Konkurrenz an

10 Jahre OpenAI – was ChatGPT verändert hat

10 Jahre OpenAI – was ChatGPT verändert hat

Der Erfolg von OpenAI hat einen regelrechten KI-Wettlauf ausgelöst. Praktisch jedes große Tech-Unternehmen hat nachgezogen – und teilweise eigene Stärken entwickelt:

Claude von Anthropic, gegründet von ehemaligen OpenAI-Mitarbeitern, gilt als besonders präzise bei komplexen Analysen und langen Texten. Das Modell kann bis zu 200.000 Wörter auf einmal verarbeiten – etwa ein ganzes Buch.

Gemini von Google punktet mit der Integration ins Google-Universum: Gmail, Drive, Maps. Die KI kann Bilder generieren und analysieren, Kalender durchsuchen und direkt in Docs arbeiten.

Mistral aus Frankreich setzt auf Open Source und europäische Datenschutzstandards. Besonders für Unternehmen interessant, die sensible Daten nicht in die USA schicken wollen.

Perplexity, gegründet von Ex-OpenAI-Mitarbeitern, kombiniert KI mit klassischer Suchmaschine und liefert Antworten mit konkreten Quellenangaben – ideal für Recherchen.

Die Grenzen bleiben bestehen

Bei aller Faszination: Die Technologie hat weiterhin Schwächen. Sogenannte Halluzinationen – erfundene Fakten, die überzeugend klingen – sind nach wie vor ein Problem. ChatGPT kann Preise falsch anzeigen, veraltete Informationen liefern oder Quellen verwechseln. Kritisches Hinterfragen bleibt daher unverzichtbar.

Auch ethische Fragen sind ungeklärt: Wer haftet, wenn eine KI falsche medizinische Ratschläge gibt? Wie verhindert man Diskriminierung durch voreingenommene Trainingsdaten? Und was passiert mit Berufen, die durch KI ersetzbar werden?

Was kommt in den nächsten zehn Jahren?

KI wird sich weiter in den Alltag einbetten – selbstverständlicher als heute Smartphones oder Suchmaschinen. Experten erwarten, dass KI-Systeme zunehmend eigenständig handeln: Termine vereinbaren, Bestellungen aufgeben, Verträge prüfen.

Gleichzeitig wächst die Debatte um Regulierung. Die EU hat mit dem „AI Act“ bereits Leitplanken gesetzt, andere Länder arbeiten an eigenen Gesetzen. Die Frage ist nicht mehr, ob KI unseren Alltag prägt – sondern wie wir als Gesellschaft damit umgehen.

Für Nutzer bedeutet das: Jetzt ist der Moment, sich mit diesen Tools vertraut zu machen. Nicht als Bedrohung, sondern als Werkzeug, das – richtig eingesetzt – enorme Möglichkeiten bietet.

Unsere Quellen:

  • OpenAI
  • Handelsblatt
  • Eigene Recherchen

Sendung: WDR.de, 10 Jahre OpenAI - was ChatGPT verändert hat, 11.12.2025, 15.26 Uhr

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