Mit der KI-Beratung auf Mode-Shoppingtour
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Immer mehr Menschen fragen Künstliche Intelligenz in Alltagsdingen um Rat. Auch beim Einkaufen im Netz. ChatGPT oder andere KI-Assistenten funktionieren sogar als Modeberater. Doch wie klappt's mit der Einkaufsberatung? Wir haben eine Testkäuferin auf Shoppingtour geschickt.
Von Katja Goebel
Noch vor Elektroartikeln, Haushaltswaren und Kosmetikbedarf shoppen Kunden vor allem Modeartikel im Netz. Laut einer Statista-Befragung gaben 50 Prozent der Konsumenten an, in den letzten Monaten online Kleidung gekauft zu haben. Ein großer Markt und auch die Auswahl ist riesig. Wie also schnell das Richtige finden?
Viele Menschen durchforsten auf der Suche nach passender Kleidung entweder selber die Onlineshops ihrer Wahl oder greifen zu einer klassischen Suchmaschine. Bei einer Befragung des Digitalverbands bitcom gaben 50 Prozent der befragten Internetnutzer an, zumindest gelegentlich KI-Chats statt klassischer Suchmaschinen zu verwenden.
KI-Assistenten der Onlineshops
Große Onlineshops wie Zalando und Amazon haben bereits KI-Shoppingassistenten an den Start gebracht. Ihnen kann man sagen, was man sucht, zum Beispiel ein Weihnachtsgeschenk für die Schwiegermutter oder eine neue Jeans.
Dabei greift die KI - zum Beispiel beim Amazon-Shopping-Assistenten Rufus - nicht auf die Bestellhistorie des Kunden zurück, sondern auf den aktuellen Chatverlauf und Meinungen anderer Kunden, die die eigenen Produkte bereits bewertet haben.
Komplexer geht da schon bei KI-gestützten Tools wie ChatGPT oder der Suchmaschine Perplexity zu. Auch sie ermöglichen Online-Kaufberatung mittels Künstlicher Intelligenz, nutzen dafür aber auch Kundenfotos für die persönliche Beratung, suchen in verschiedenen Shops nach passenden Produkten, vergleichen Preise und geben Tipps für die weitere Suche.
Shopping-Experiment mit KI
Experimentierfreudig: Mandy Reiners
Mandy Reiners aus Neuss hat für den WDR ausprobiert, was dabei herauskommt, wenn sie mit Hilfe einer KI zwei ganz bestimmte Outfits sucht. Die Herausforderung: Es sollen Klamotten sein, die sie normalerweise nicht trägt. Denn die 30-Jährige ist am liebsten in bequemer Kleidung und auch nicht besonders farbenfroh unterwegs. Meistens trägt sie schwarz. Geht da noch was?
Auf der neuen Einkaufsliste stehen nun eine festliche Garderobe und ein Business Outfit – und das zu einem möglichst günstigen Preis. Los geht’s.
"Ich hab mich noch nie mit dieser KI befasst und habe große Erwartungen." Mandy Reiners
ChatGPT und Perplexity suchen das passende Outfit
Zunächst lässt sich Mandy von ChatGPT beraten. Sie hat den Bot nicht nur mit Angaben zu Geschlecht, Alter, Kleidergröße, Anlass und Preisvorstellung gefüttert, sondern auch mit Fotos. Und bittet den KI Assistenten auch, nach Farben zu suchen, die zu ihr passen. Die erste Überraschung für Mandy: Die KI schlägt auf einer Farbtafel für den festlichen Anlass eine sehr farbenfrohe Mischung vor und antwortet Mandy so: "Hier ein paar Farbideen speziell für dich. Sanft und feminin, Puderrosa, Blush, Pink oder altrosa." So etwas hat Mandy noch nie besessen. Beim Business Outfit setzt der virtuelle Berater auf klassisch gedeckte Farben.
Auch Perplexity hat genaue Vorstellungen für Mandys Outfit. Die KI-gestützte Suchmaschine schlägt für den festlichen Anlass ein tailliertes Kleid vor und schiebt direkt Links von Shops mit Produktvorschlägen hinterher. Auch lässt sich die KI darauf ein, dass Mandy statt der vorgeschlagenen Pumps lieber Sneaker zum Kleid tragen will - und sucht das günstigste Angebot.
Virtuelle Anprobe
Kleidercheck mit virtueller Probier-App
Am Ende entscheidet sich Mandy für ein Kleid in pink, das sie mit der Styling-App Fits sogar noch virtuell anprobiert. Der KI-Look des smarten Outfit-Planers überzeugt Mandy zwar auf den ersten Blick nicht, sie lässt sich aber dennoch auf das Experiment ein und bestellt das Kleid. Auch der verlangte Schnäppchenpreis stimmt - mit 45,99 Euro.
Und was wurde aus dem Plan mit dem Business-Outfit? Hier sah die Künstliche Intelligenz Mandy in einem hellgrauen Blazer mit passender Hose. Außerdem findet die KI auf Wunsch noch einen Rabattpreis und spürt die Kombination für 114 statt 140 Euro auf. Kann sich das Ergebnis sehen lassen? "Ich fühle mich super", sagt Mandy bei der Vorführung der Klamotten.
Was sagt die echte Modeexpertin?
Das Kleid überzeugt auch die Fachfrau
Mit den Sachen, die Mandy am Ende nach diversen Chats mit der KI bestellt hat, geht es zu einer Modeexpertin. Was wird sie zu den Outfits sagen? Sandra Dhingra ist Einzelhändlerin. Ihr Fazit:
"Die KI hat sich gut geschlagen. Die Outfits sind gut und passen." Einzelhändlerin Sandra Dhingra ist
Doch die Fachfrau ist skeptisch, ob die KI die persönliche Beratung künftig gänzlich ersetzen kann. "Es kann ja parallel laufen, also KI und die große Onlineshops – wir leben in dieser Zeit. Aber ich hoffe, dass wir kleinen Einzelhändler noch eine Chance bekommen. Wir sind auch Begegnungsstätten. Ich hoffe, dass das in Zukunft nicht wegfällt."
Und wie lautet Mandys Fazit nach der ungewöhnlichen Shoppingtour? Sie hat sich am Ende von der KI überzeugen lassen, ein Outfit zu kombinieren, das sie wahrscheinlich sonst so nicht ausgewählt hätte. Und auch wenn der Chat für sie gewöhnungsbedürftig war, weil Mandy noch keine Erfahrung damit hatte, ist sie sicher, dass die KI-Suche noch einen Vorteil hatte: "Ich denke, dass man durch die KI ein bisschen Geld sparen kann. Und ich bin halt viel schneller, als wenn ich googeln müsste."
Sendung: WDR Fernsehen, Unser Leben mit KI, 03.12.2025, 22.45 Uhr
Unsere Quellen:
- Interview mit Mandy Reiners
- Interview mit Einzelhändlerin Sandra Dhingra
- Statista: Umfrage zum E-Commerce
- Digitalverband bitcom