Wenn KI beim Black Friday hilft: So enttarnst du Pseudo-Rabatte

03:45 Min. Verfügbar bis 28.11.2028 Von Jörg Schieb, Jörg Schieb

Wenn KI am Black Friday hilft: So enttarnt ihr Pseudo-Rabatte

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Künstliche Intelligenz kann heute am Black Friday helfen, echte Schnäppchen zu finden und faule Angebote zu enttarnen. WDR-Digitalexperte Jörg Schieb gibt praktische Tipps, wie KI bei der Schnäppchenjagd helfen kann.

Von Jörg Schieb, WDR-Digitalexperte.Jörg Schieb

Tausende Angebote, überall Prozente, doch welche Deals sind echt? Künstliche Intelligenz kann sehr konkret helfen, echte Schnäppchen zu entdecken und Mogelpackungen zu enttarnen – wenn man weiß, wie es geht. Hier sind fünf konkrete Szenarien, wie KI beim smarten Schnäppchenjagen hilft.

Szenario 1: War das Produkt letzte Woche günstiger?

Ein Laptop für 899 Euro, angeblich 40 Prozent reduziert – aber stimmt das auch?

Tools wie Keepa oder CamelCamelCamel, die es nicht nur im Web gibt, sondern auch als App, zeigen die Preishistorie eines Produkts auf Amazon. So geht's: Produktseite bei Amazon öffnen, die Webadresse (URL) im Browser markieren und kopieren (auf Windows-PCs mit Strg+C), bei keepa.com in die Suchleiste eingeben. Innerhalb von Sekunden erscheint ein Graph, der die Preisentwicklung der letzten Monate zeigt.

Das Tool präsentiert sogar drei Kurven: Amazon-Preis, Marketplace-Angebote und externe Händler. Oft sieht man sofort: Der angebliche "Rabatt" bezieht sich auf eine unverbindliche Preisempfehlung, die nie jemand gezahlt hat. Möglicherweise kostete das Gerät vor zwei Wochen sogar noch 50 Euro weniger. Keepa trackt derzeit 4,7 Milliarden Produkte und ist als Browser-Erweiterung für Chrome, Firefox und Safari verfügbar – kostenlos.

Als Browser-Erweiterung bedeutet: Einmal im Browser eingerichtet, steht der Preisvergleicher jederzeit zur Verfügung.

Szenario 2: Produktfoto abfotografieren und Alternativen finden

Aber wie soll man die genauen Preise vergleichen, wenn man gar nicht weiß, wie das Produkt genau heißt, das einem gerade angeboten wird? Man sieht ein interessantes Produkt im Laden oder in einer Werbung, online oder in einer E-Mail, es fehlt aber an einer genauen Modellbezeichnung.

ChatGPT kann Produkte finden und die Preise vergleichen

ChatGPT kann Produkte finden und die Preise vergleichen

Dafür gibt es eine einfache Lösung: ChatGPT kann seit kurzem Produktfotos analysieren. Einfach ein Foto vom Artikel machen, bei ChatGPT hochladen und fragen: "Finde ähnliche Produkte mit aktuellen Black-Friday-Angeboten."

Die KI erkennt Produkttyp, Design und Features, durchsucht dann Händler und liefert konkrete Alternativen mit Preisen. Ein Test mit einem Sneaker-Foto ergab binnen drei Minuten fünf ähnliche Modelle von verschiedenen Marken – inklusive Verfügbarkeit und direktem Vergleich der Spezifikationen. So lassen sich Angebote wirklich kompetent und bequem vergleichen.

Szenario 3: Atlas Browser macht den aktiven Preisvergleich

Doch es geht noch bequemer: OpenAI hat im Oktober den Atlas Browser veröffentlicht – einen Browser mit integriertem ChatGPT, der im "Agent-Modus" selbstständig agiert. Das Besondere: Die KI kann aktiv auf Websites navigieren und Aufgaben übernehmen.

Konkret bedeutet das: Man kann sagen "Finde die beste Heißluftfritteuse unter 100 Euro und vergleiche die Preise bei MediaMarkt, Saturn und Amazon." Der Browser öffnet dann automatisch alle drei Shops, sucht passende Modelle, liest Spezifikationen und Bewertungen aus und erstellt eine übersichtliche Vergleichstabelle – komplett mit Links zum jeweiligen Angebot.

In einem Test findet Atlas binnen sieben Minuten eine bestimmte Heißluftfritteuse mit 30 Prozent Rabatt und zeigt, dass derselbe Artikel bei einem anderen Händler noch 15 Euro günstiger war. Der Agent macht die Arbeit – und viel Geld gespart.

Szenario 4: Bewertungen auf Fake-Reviews prüfen

Ein Produkt mit 4,8 Sternen und hunderten Rezensionen – klingt gut, oder? Aber sind die Bewertungen echt? Man kopiert eine Handvoll Rezensionen in ChatGPT und fragt: "Analysiere diese Amazon-Bewertungen auf verdächtige Muster." Dasselbe geht auch im Atlas-Browser, da ist ChatGPT schließlich direkt eingebaut.

ChatGPT kann Kundenbewertungen kritisch unter die Lupe nehmen

ChatGPT kann Kundenbewertungen kritisch unter die Lupe nehmen

Die KI erkennt zun Beispiel, wenn dutzende Bewertungen am selben Tag gepostet wurden, identische Formulierungen auftauchen oder übertrieben positive Sprache ohne konkrete Produktdetails verwendet wird. In einem aktuellen Test entlarvte ChatGPT bei einem vermeintlichen Top-Angebot, dass 80 Prozent der Bewertungen innerhalb einer Woche entstanden waren – ein klares Warnsignal.

Szenario 5: Der kritische Gegenchecker

Die Waschmaschine für 399 Euro sieht verlockend aus, aber braucht man sie wirklich? Hier hilft ein umgekehrter Ansatz: Man beschreibt ChatGPT die Situation und bittet ausdrücklich um kritische Rückfragen.

Keepa ist ein Tool, das die Preishistorie im Blick hat

Keepa ist ein Tool, das die Preishistorie im Blick hat

Prompt: "Ich überlege, diese Waschmaschine zu kaufen. Stelle mir fünf kritische Fragen, die ich mir vorher beantworten sollte." Die KI fragt dann etwa: Passt die Kapazität zum Haushalt? Welche Folgekosten entstehen? Wie sind Energieverbrauch und Lautstärke im Vergleich? Was sagen unabhängige Tests? Gibt es günstigere Modelle mit ähnlichen Features?

Diese Methode bremst Impulskäufe effektiv aus. Tests zeigen: Wer sich vor dem Kauf fünf kritische KI-Fragen stellt, kauft rund 40 Prozent seltener Dinge, die später ungenutzt herumstehen.

Die Grenzen: KI macht auch Fehler

Bei aller Hilfe: OpenAI selbst warnt, dass die Shopping-Funktion Preise falsch anzeigen oder Verfügbarkeiten verwechseln kann. In einem Test zeigte ChatGPT Hausschuhe für 110 Dollar an – beim Klick auf den Shop kosteten sie 150 Dollar. Die KI kann also "halluzinieren", also Informationen erfinden, oder ist auch schon mal nicht auf dem neuesten Stand. Das sollte man mitdenken. In der Regel sind KI-Chatbots in diesem Zusammenhang aber eine große Hilfe.

Auch OpenAIs Atlas-Browser ist noch fehlerhaft: Im Agent-Modus vergisst der Browser manchmal Filterkriterien oder landet auf falschen Produktseiten. Der MIT Technology Review bemängelte nach einwöchigem Test, dass viele automatisierte Aufgaben schlicht nicht funktionierten oder zu absurden Ergebnissen führten. Dennoch ist es einen Versuch wert. Wenn der Atlas-Browser nicht weiterkommt, kann man immer noch klassisch in den Chatbot wechseln.

KI als Recherche-Turbo, nicht als Kaufberater

Wenn KI beim Black Friday hilft: So enttarnst du Pseudo-Rabatte

Die Tools helfen enorm bei der Vorrecherche – Preisverläufe checken, Produktvarianten finden, Alternativen vergleichen. Aber die finale Kaufentscheidung sollte man selbst treffen, mit gesundem Menschenverstand und einem kritischen Blick auf die Ergebnisse.

Am besten funktioniert die Kombination: Keepa für die Preishistorie, ChatGPT für schnelle Produktvergleiche und die eigene Urteilskraft für die Bewertung, ob der Deal wirklich passt. So wird aus der Black-Friday-Schnäppchenjagd kein teures Lehrgeld.

Unsere Quellen:

  • eigene Tests der entsprechenden KI-Angebote
  • OpenAI

Sendung: WDR.de, Wenn KI am Black Friday hilft: So enttarnt ihr Pseudo-Rabatte, 28.11.2025, 12:27 Uhr

Kommentare zum Thema

4 Kommentare

  • 4 Mirco Brahmann 30.11.2025, 10:21 Uhr

    Wieso findet man diesen Beitrag nicht in der Mediathek?

    Antworten (1)
    • WDR.de 30.11.2025, 10:41 Uhr

      Hallo Mirco Brahmann! Das Video zum Beitrag können Sie oben im Artikel anschauen. Viele Grüße! Ihr WDR aktuell Team

  • 3 Klaus 29.11.2025, 13:31 Uhr

    Die 5 Sterne Bewertungen für Produkte sind trotz KI Checks mit Vorsicht zu genießen. Hatte aufgrund der "verifizierten Käufe" gedacht das ich mich wenigstens darauf verlassen kann und habe bestellt. Was dann kam hatte wenig mit dem zu tun was auf Bildern gezeigt wurde. Daraufhin zurück gesendet und entsprechende 1 Stern Bewertung geschrieben. Ein paar Tage später erhielt ich eine Email des Verkäufers meine Bewertung zu ändern und 5 Sterne zu vergeben. Er bot mir dafür einen 50 EURO Gutschein an, einzulösen auf Amazon. Daraufhin habe ich erneut eine Rezension verfasst und genau diesen Sachverhalt geschildert, auch nur mit 1 Stern. Diese Rezension wurde niemals veröffentlicht trotz entsprechende Info an die Verkaufsplatform. Und gegen diese Form des Betrugs hilft selbst die beste KI rein gar nichts.

  • 2 Ralf 29.11.2025, 13:17 Uhr

    Habe mir Keepa mal bei Firefox unter den Erfahrungen der User damit angeschaut. Da kommt dieses Addon aber gar nicht gut weg. Daten sammeln aber nichts dafür bieten.

  • 1 wasletztepreis 29.11.2025, 12:48 Uhr

    Oh, vielen dank WDR, für die Tipps, das wir immer schön hinter Preisen herhetzen dürfen! Damit wir uns die Hütte mir Zeug vollstellen, das wir nicht brauche mit Geld das wir nicht haben.

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