Olympia: NRW geht mit Köln ins Rennen
Aktuelle Stunde . 02.12.2025. 18:36 Min.. Verfügbar bis 02.12.2027. WDR. Von Fritz Sprengart.
In Düsseldorf präsentierte NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) am Dienstag ein "Olympia-Update", wie er es nannte. Er stand auf der roten Tartanbahn der Leichtathletikhalle im Arena-Sportpark, hinter ihm versammelt die Oberbürgermeister und -bürgermeisterinnen der beteiligten Städte. Passend zu den geplanten Sportarten, die sie beherbergen sollen, hatten sie Sportgeräte in den Händen. So drehte zum Beispiel der Düsseldorfer Oberbürgermeister Stephan Keller einen Basketball in den Händen.
Köln als "Leading City"
Kern des Updates ist, dass nun Köln offiziell zur "Leading City" wurde. Ein temporäres Leichtathletik-Stadion, das olympische Dorf und das Medienzentrum sollen im Kölner Norden angesiedelt werden. Dort soll in den nächsten Jahren der neue Stadtteil Kreuzfeld entstehen. Das temporäre Stadion mit Platz für 50.000 Zuschauerinnen und Zuschauer soll danach zum "urbanen Zentrum" des neuen Stadtteils umgebaut werden.
Mehrfach sprach der Ministerpräsident von der Bewerbung "Köln-Rhein-Ruhr", wobei noch offen sei, ob das der offizielle Claim ist, unter dem NRW an den Start geht. Dass Köln nun so eine hervorgehobene Rolle spielt, wurde mit dem internationalen Bekanntheitsgrad der Millionenstadt erklärt. Kölns Oberbürgermeister Torsten Burmester (SPD) betonte, seine Stadt habe in der Vergangenheit bewiesen, "Köln kann Sportevents".
An den beteiligten Städten der Bewerbung hat sich nichts geändert, die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele sollen im Falle einer erfolgreichen Bewerbung 2036, 2040 oder 2044 in 17 Kommunen der Rhein-Ruhr-Region stattfinden.
Wüst verspricht "spektakulärste Spiele"
Hendrik Wüst legte sich ganz im olympischen Sinne mit Höchstleistungen bei der Präsentation des neuen Konzepts ins Zeug und nutzte viele Superlative. Er sprach von den "kompaktesten, nachhaltigsten und spektakulärsten Spielen", die man veranstalten wolle. Es werde "sensationelle Zuschauerzahlen" geben, 14 Millionen Tickets seien dann im Angebot. Das ermögliche "mehr Tickets, die man sich leisten kann", so Wüst. Für jede Sportart versprach er "die beste Sportstätte". Keine andere Region "hat soviel Erfahrung wie wir, ist so sportbegeistert wie wir", meinte Wüst. "Die größte Bühne für den größten Moment schaffen wir gemeinsam."
Im olympischen Dorf in Köln sollen 95 Prozent der Athletinnen und Athelten untergebracht werden, alle Sportstätten seien innerhalb einer Stunde Fahrtzeit für sie erreichbar. Zur Nachhaltigkeit sagte Wüst, 100 Prozent der Veranstaltungen fänden in bereits bestehenden oder temporär genutzten Spielstätten statt. Es werde keine Neubauten ohne Folgenutzung geben.
Kritik an neuem Konzept aus dem Ruhrgebiet
Bei der Präsentation in Düsseldorf demonstrierten die beteiligten OBs große Einigkeit. So versprach der Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen (CDU) die "volle Unterstützung für Köln". Jetzt seien alle Team Köln-Rhein-Ruhr. "Da gibt es keine Enttäuschung - ganz im Gegenteil."
Ganz anders äußerte sich hingegen der Vorsitzende der Ruhr-SPD, Martin Murrack, auf Instagram: "Wir haben seit vielen Jahren gemeinsam an der Olympia-Bewerbung an Rhein und Ruhr gearbeitet und viele gute Ideen eingebracht. Die Art und Weise, wie jetzt die Planänderung kommuniziert wird, irritiert doch sehr. Von einem einvernehmlichen Miteinander sind wir weit entfernt." Viele der betroffenen Oberbürgermeister im Ruhrgebiet seien von Hendrik Wüst nicht im Vorfeld informiert worden, sondern über die Presse. "So geht das nicht! Das ist kein Teamplay!", monierte der Sozialdemokrat.
Der Fraktionsvorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Jochen Ott, begrüßte, "dass die Landesregierung sich entschieden hat, ihr Konzept für eine Bewerbung zu überarbeiten und damit erfolgversprechender zu machen". Ministerpräsident Wüst müsse mit der Bewerbung das ganze Land im Blick behalten. "Die Region Rhein-Ruhr muss sich weiterhin darin wiederfinden können, damit Olympia in NRW eine Gemeinschaftsidee bleibt, von der alle profitieren."
Referendum im April 2026
Zum nationalen Bewerbungsverfahren gehört, dass am 19.04.2026 in allen 17 beteiligten Kommunen der Bewerbung Köln-Rhein-Ruhr die Bürgerinnen und Bürger befragt werden.
Auch die Städte München, Berlin und Hamburg laufen sich als Kandidaten für die Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 warm. In München gab es bereits ein Referendum. Dabei haben sich 66,4 Prozent der Bevölkerung für eine Bewerbung ihrer Stadt ausgesprochen. Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will sich am 26. September 2026 im Rahmen einer außerordentlichen Mitgliederversammlung entscheiden, wer für Deutschland ins internationale Bewerbungsrennen geht.
Diese Städte in NRW wollen folgende Sportwettbewerbe austragen
- Aachen: Fußball, Reitsport, Para Dressursport
- Bochum: Fußball, Moderner Fünfkampf
- Dortmund: Fußball, Handball
- Duisburg: Kanu-Rennsport, Rudern, Sportklettern, Para Kanu, Para Rudern, Para Sportklettern
- Düsseldorf: Badminton, Basketball, 3x3 Basketball, Beachvolleyball, Fechten, Handball, Judo, Ringen, Tischtennis, Triathlon, Volleyball, Blindenfußball, Goalball, Para Badminton, Para Boccia, Para Judo, Para Taekwondo, Para Tischtennis, Para Triathlon, Rollstuhlbasketball, Rollstuhlfechten
- Essen: Boxen, Fußball, Gewichtheben, Radsport (BMX Free-style & Racing), Schießen, Para Powerlifting, Para Sportschießen, Sitzvolleyball
- Gelsenkirchen: Schwimmsport, Para Schwimmen
- Herten: Radsport (Mountainbike)
- Krefeld: Rollstuhlrugby, Taekwondo
- Köln: Leichtathletik, 7er-Rugby, Bogenschießen, Fußball, Marathonschwimmen, Radsport (Bahnradrennen), Radsport (Straße), Tennis, Turnen, Para Bogenschießen, Para Leichtathletik, Para Radsport (Bahn), Para Radsport (Straße), Rollstuhlbasketball, Rollstuhlrugby, Rollstuhltennis, Sitzvolleyball
- Leverkusen: Fußball
- Mönchengladbach: Hockey
- Monheim am Rhein: Skateboarding
- Oberhausen: Volleyball
- Pulheim: Golf
- Recklinghausen: Radsport (Mountainbike)
- Wuppertal: Fußball
Zudem sind zwei Wettbewerbe außerhalb von NRW vorgesehen:
- Kiel (Schleswig-Holstein) oder Warnemünde (Mecklenburg-Vorpommern): Segeln
- Markkleeberg (Sachsen): Kanu-Slalom
Unsere Quellen:
- Pressekonferenz mit NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst in Düsseldorf
- dpa-Meldung
- Mitteilung der SPD-Landtagsfraktion
- eigene Berichterstattung
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 02.12.2025, 18.35-19.30 Uhr
