Die AfD mag sich feiern - auch sie darf sich an dem Ritual beteiligen, das auf jede Kommunalwahl folgt: Einzelne Erfolge feiern, bittere Niederlagen verschleiern. Das machen alle Parteien. Die Plattitüde von "Licht und Schatten" gehört zum festen Sprachgebrauch der wenig kreativen Wahlanalyse.
Bezogen auf die AfD stellt sich jedoch die Frage, wo das Licht sein soll. Natürlich hat sich die Partei bei den Ratswahlen verdreifacht. Aber auch dieses Ergebnis fällt deutlich hinter dem Bundestrend zurück und sogar prozentual hinter das Ergebnis bei der Bundestagswahl vom Februar.
Da das landesweite Ergebnis nur ganze Kreise und kreisfreie Städte umfasst, zählt auch die dann übliche Ausrede nicht: Anders als in mancher kreisangehörigen Stadt oder Gemeinde war die Partei in den großen Kreisen und Städten flächendeckend am Start. Die 14,5 Prozent sind daher schlicht und einfach ein schlechtes Ergebnis für eine Partei, die sich nur allzu gerne als unaufhaltsam aufspielt.
Die AfD - nur ein Seitenstrang dieser Wahl
AfD-Landeschef Martin Vincentz
Auch die Stichwahlen endeten im Fiasko. Vier AfD-Kandidaten waren in der Verlosung; alle verloren. Das war erwartbar. In Gelsenkirchen, Duisburg und Bergheim konnte die Partei jedoch ihr angebliches ach so treues Protestpublikum nicht mobilisieren. In absoluten Zahlen stimmten dort weniger Menschen für die AfD als noch vor zwei Wochen. Nur in Hagen gab es einen leichten Zuwachs.
AfD-Landeschef Martin Vincentz verkauft das alles trotzdem als Sieg. Muss er auch. Er hat nämlich die Hütte am Brennen. Die rechtsextremen Kräfte tanzen ihm seit Monaten auf der Nase rum. Der Krefelder AfD-Mann hat es immer schwerer, den bürgerlichen Anstrich des Landesverbandes - einem der letzten gemäßigten - zu wahren. Die nächsten Monate dürften in der AfD ungemütlich werden.
Hoffentlich wird dann auch mal genauer bei der Partei hingeschaut. In NRW ist und bleibt sie ein Scheinriese, der - das gehört auch zur Wahrheit - von Wettbewerbern aber auch zahlreichen Medien in einer unangenehmen Dauerschleife überhöht wird. Auch wenn es einige nicht gerne hören: Die AfD ist nicht das Thema dieser Kommunalwahl gewesen. Sie war ein Seitenstrang.
Dieser Kommentar läuft im WDR 5 Westblick, am 29.09.2025 um 17:05 Uhr.
