Holocaust-Gedenktag: NRW erinnert an Opfer des Nationalsozialismus
Aktuelle Stunde . 27.01.2026. 13:26 Min.. UT. Verfügbar bis 27.01.2028. WDR. Von Alexa Schulz.
Internationaler Holocaust-Gedenktag: Wie in NRW erinnert wurde
Stand:
Vor 81 Jahren, am 27. Januar 1945, wurde das Vernichtungslager Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Wie in NRW an eines der dunkelsten Kapitel der Menschheitsgeschichte erinnert wurde.
Viele Überlebende der Massenvernichtung von Juden, Sinti, Roma, Homosexuellen und Gegnern des Nationalsozialismus sind mittlerweile gestorben. Es gibt nur noch wenige Zeitzeugen, die über den Holocaust erzählen können. Rechte politische Kräfte verharmlosen die Shoah. Die Erinnerung an den Holocaust im Jahr 2026 wachzuhalten, ist eine fortwährende historische Verantwortung. Wie also kann man über Generationen die Erinnerung wachhalten, besonders für junge Menschen?
Holocaust-Gedenken in Bund und Land
Seit 1996 gedenken die Menschen in Deutschland am 27. Januar der Millionen Opfer des Völkermords. Im November 2005 verabschiedete auch die Vollversammlung der Vereinten Nationen eine Resolution, die den Tag zum weltweiten Gedenktag erklärte.
Dieses Jahr wurde an der Fassade des Bundesratsgebäudes der Schriftzug "#WeRemember" zum Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus projiziert. Im Bundestag gab es eine Feierstunde. Außerdem erinnerte das Parlament in Berlin mit einer Ausstellung an jüdische Schicksale.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier rief zu Zivilcourage gegen Antisemitismus auf. "Jetzt ist Haltung und Handeln gefragt", sagte Steinmeier in der Sendung ARD-Extra, die um 20.15 Uhr ausgestrahlt wurde.
Ausstellung auf Zeche Zollverein: Zeitzeugen mit KI lebendig machen
Auf Zeche Zollverein in Essen wurde eine Ausstellung eröffnet, die Holocaust-Überlebenden eine Stimme für die Ewigkeit geben soll. Mit moderner Hologramm-Technik und Künstlicher Intelligenz (KI) kommen Besucher in eine "lebendige Interaktion" mit Zeitzeugen.
Das dreidimensionale Lichtbild von Holocaust-Überlebenden antwortet auf ihre Fragen. "Wir brauchen ihre authentischen Schilderungen, um eine Ahnung davon zu bekommen, welches Leid sie erfahren mussten - und welche Schuld die Mitläufer und Schweiger auf sich geladen haben", sagte Kulturministerin Ina Brandes (CDU).
Hologramme von Shoah-Überlebenden für kommende Generationen
Voraussetzung für das Projekt des Ministeriums für Kultur und Wissenschaft und der Uni Dortmund waren umfangreiche Interviews, die mit Zeitzeugen geführt wurden. Im Laufe der Zeit soll die Ausstellung um weitere Hologramme von Holocaust-Überlebenden ergänzt werden. Der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Abraham Lehrer, sprach von einem "Leuchtturm"-Projekt, das "die Erinnerungen der Shoah-Überlebenden auch für kommende Generationen erhalten und hautnah erlebbar" mache. Für Besucher öffnet die kostenlose Ausstellung am Mittwoch.
Gedenken im NRW-Landtag und in zahlreichen Städten
Am Nachmittag fand auch im nordrhein-westfälischen Landtag in Düsseldorf eine Gedenkveranstaltung statt. Dieser Tag mahne, dem erstarkenden Antisemitismus und jeder Form von Ausgrenzung entschieden entgegenzutreten, betonte Landtagspräsident André Kuper (CDU).
Unter anderem in Köln wurde an die queeren Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Der Kölner schwule Männerchor begleitete die Veranstaltung mit zwei Liedern musikalisch. Außerdem gab es eine Schweigeminute für die Opfer des Holocaust. Die Menschen legten Blumen vor dem Mahnmal nieder.
Holocaust-Gedenken in Münster
In Münster gab es eine Gedenkveranstaltung auf dem Platz des Westfälischen Friedens, an der 13 Schulen teilnahmen. Es gab eine gemeinsame Schweigeminute. Außerdem wurde zusammen gesungen.
In Neukirchen-Vluyn gab es ebenfalls eine Gedenkveranstaltung mit 300 Teilnehmenden. Das "Bündnis für Demokratie" und Toleranz hatte zu der Kundgebung aufgerufen. Vertreter verschiedener Parteien, der Kirchen, Vereine und Schulen waren mit dabei. "Es ist eine Zeit, in der die linken und rechten Ränder der Gesellschaft versuchen zu mobilisieren. Menschen lassen sich leider immer zu sehr von denen beeinflussen, die am lautesten schreien", sagte Myriam Kuckmann, deren Großeltern von den Nationalsozialisten ermordet wurden.
Holocaust-Gedenken in Aachen
In Aachen gedachten Kinder der 7. Klasse der Viktoriaschule den Holocaust-Opfern mit viel Musik und kleinen Vorträgen. Dass vor allem viele Kinder damals in Konzentrationslagern den Tod fanden erschreckte sie ganz besonders. "Jeden Tag, den sie aufwachten, wussten sie nicht, ob sie den Tag noch überleben werden. Das wünscht man niemanden", sagte eine Schülerin auf der Bühne. Wochenlang hatten sich die Kinder auf diesen Tag vorbereitet.
Auch in Dortmund, Gelsenkirchen, Köln und Wuppertal standen Lesungen, Vorträge und Filmvorführungen auf dem Programm. Auf der Wewelsburg bei Paderborn erinnerte eine Lichtschau an die fast sechs Millionen Jüdinnen und Juden, die von den Nazis ermordet wurden.
Schülerin Hanna reinigt Stolpersteine in Soest.
In Soest reinigten Schülerinnen und Schüler von sieben Schulen Stolpersteine in der Stadt. Sie gedachten auf diese Weise der Opfer des Holocaust. Unter ihnen war auch die 14-jährige Hanna. Sie hatte sich im Geschichtsunterricht vorher mit den Lebensläufen einiger Juden beschäftigt, die später in Konzentrationslagern des dritten Reichs ermordet wurden.
"Man konnte sich viel mehr in die Menschen reinversetzen. Wenn du gezielte Geschichten von Menschen hörst, verstehst du genau was passiert ist." Schülerin Hanna
Auschwitz steht für das Grauen des Holocaust
Der Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus findet immer am Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz durch die Rote Armee statt. Rund 1,1 Millionen Menschen wurden dort zwischen 1940 und 1945 erschossen, in Gaskammern ermordet oder starben an Hunger und Krankheiten - die meisten von ihnen waren Juden. Am 27. Januar 1945 erreichten sowjetische Soldaten das Lager im von der Wehrmacht besetzten Polen und befreiten etwa 7.000 Überlebende.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Ministerium für Kultur und Wissenschaft NRW
- WDR-Reporter
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 27.01.2026, 18:45 Uhr.