Holocaustgedenktag: Erinnerung in Köln an die queeren Opfer
Lokalzeit aus Köln. 27.01.2026. 02:30 Min.. Verfügbar bis 27.01.2028. WDR. Von Estella Mazur.
Die Nationalsozialisten begannen schnell, auch queere Menschen zu verfolgen. Es herrschten klassische Geschlechterrollen und die Angst der "Verweiblichung" eines Mannes. Deshalb wurden insbesondere homosexuelle Männer als "Gefahr" angesehen.
Um an diese Opfergruppe zu erinnern, hat das queere Netzwerk NRW am Dienstag am Kölner Mahnmal zur Gedenkveranstaltung eingeladen.
Zeichen auch gegen Queerfeindlichkeit in der Gegenwart
Am Mahnmal nahe des Kölner Doms wurden Blumen niedergelegt
Trotz Regens sind etwa 150 Personen gekommen, darunter viele aus der queeren Community. Sie wollten nicht nur der Opfer gedenken, sondern auch ein Zeichen setzen, denn sie spüren eine stärker werdende Diskriminierung und Queerfeindlichkeit. "Queere Opfer waren lange nicht sichtbar", sagt Birgit Bungarten, Vorstand im Queeren Netzwerk NRW. "Gedenken ist immer auch Bildungsarbeit und wichtig für unsere Demokratie, die momentan leider wieder durch Rechtsextremismus geschwächt wird."
Der Kölner schwule Männerchor begleitete die Veranstaltung mit zwei Liedern musikalisch. Außerdem gab es eine Schweigeminute für die Opfer des Holocaust und die Menschen legten Blumen vor dem Mahnmal nieder.
Rund 50.000 Personen wurden verurteilt
Besonders schwule Männer wurden im Nationalsozialismus verfolgt. 1935 wurde das Strafmaß des Paragraphen 175 verschärft, sodass selbst kleinste Berührungen zwischen Männern als Straftat ausgelegt werden konnten. Bis 1945 wurden dadurch rund 50.000 Personen verurteilt, größtenteils zu Haftstrafen.
Bis zu 15.000 homosexuelle Männer wurden in Konzentrationslager deportiert. Dort mussten sie einen rosa Winkel auf ihrer Häftlingskleidung tragen, der sie als solche kennzeichnete. Das diente dem Wachpersonal zur rassistischen Einteilung: Den gelben Davidstern mussten zum Beispiel jüdische Menschen tragen, einen lila Winkel Zeugen Jehovas und einfache rote Winkel politische Gefangene.
Anerkennung als NS-Opfer lange verweigert
Etwa die Hälfte der deportierten Homosexuellen starb in den Konzentrationslagern. Eine genaue Zahl konnte bis heute nicht festgestellt werden.
Im Gegensatz zu anderen verfolgten Gruppen wurde dieser Personengruppe nach dem Krieg jahrzehntelang die Anerkennung als NS-Opfer verwehrt. Der Paragraph 175 ist in Deutschland erst im Jahr 1994 vollständig abgeschafft worden. Die offizielle Rehabilitierung und Entschädigung der überlebenden homosexuellen Männer begann 2002.
Unsere Quellen:
- Queeres Netzwerk NRW
- Stiftung Gedenkstätten
- Bundeszentrale für politische Bildung
Sendung: WDR.de, Holocaustgedenktag: Erinnerung in Köln an die queeren Opfer, 27.01.2026, 06:02 Uhr
