Games-Entwicklerin: "Mache genau das, von dem ich so geträumt habe"
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Auf der Gamescom in Köln treffen sich nicht nur mehr als 300.000 Spielefans, sondern auch 132 Menschen, die ein Traum verbindet: Sie wollen ihre eigenen Computerspiele machen. Das Stipendium "Press Start" hilft ihnen zum ersten Mal dabei.
Von Thomas Ruscher
Sara Kindschus aus Wuppertal wusste lange nicht, was sie machen sollte. Nun hat sie ihre Leidenschaft gefunden: Ihr eigenes Computerspiel entwickeln. Bis dahin hat sie Musik komponiert und studiert. Dazu Materialwissenschaften, außerdem liebt sie Logik, Mathematik und eben programmieren. Mit zwei Partnern hat sie ein Unternehmen gegründet, die Mouse Clique. "Damit mache ich genau den Job, von dem ich so geträumt habe", sagt Sara.
Ihr Traum ist vor allem eine gewaltige Aufgabe für ihr kleines Team: Es dauert oft mehrere Jahre, bis selbst ein kleines Computerspiel fertig ist. Zum Vergleich: Große Games wie "GTA 6" sollen bis zu zwei Milliarden Dollar kosten und hunderte von Menschen arbeiten daran. Die meisten von ihnen sind hochspezialisiert.
Auf dem Massenmarkt in der Games-Branche anzukommen, ist selbst für etablierte Entwickler-Studios schwierig
"Wir wollen alle drei unsere kreative Freiheit, bestimmte Dinge entscheiden zu dürfen", erklärt Sara Kindschus. "Und das geht halt wirklich nur, wenn man im kleinen Studio ist." Bei ihnen redet kein mächtiger Geldgeber mit und gibt auch keine künstlerische Linie vor. In ihrem Mouse-Clique-Team verteilen sich deshalb auch alle Aufgaben auf den drei Köpfen, jeder von ihnen hat drei oder vier Jobs: Grafik, Programmierung, Story und so weiter.
1.000 Bewerber für 132 Förderungen
Ihre Unabhängigkeit bekommen sie durch das erstmalig ausgeschriebene "Press Start"-Stipendium. Für 18 Monate bekommen die drei Spielemacher jeweils fast 50.000 Euro ausgezahlt. Dazu kommen Workshops zu Finanzplanung, Unternehmensgründung und Geschäftsführung. Auch können sie sich mit Experten und anderen Stipendiaten vernetzen. Für Sara und das Mouse-Clique-Team heißt das, sich voll auf ihr Spiel konzentrieren zu können.
Das Geld für das Stipendium, insgesamt acht Millionen Euro, kommt aus dem Haushalt des Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, für die Umsetzung und Betreuung ist der Game-Verband und die Stiftung Digitale Spielkultur verantwortlich.
Das Interesse am Stipendium war zur Ankündigung 2024 riesig: Mehr als 1.000 Bewerber gab es, sagt Niels Boehnke von der Stiftung Digitale Spielekultur. Eine Experten-Jury hat dann die vielversprechendsten 132 Stipendiaten ausgewählt. "Das sind vom Entwicklungsstand her teilweise wirklich Neulinge mit einem ganz tollen Spielkonzept, bis hin zu erfahrenen Entwicklern, die schon eigene Studios gegründet haben."
Ganz persönliche Spiele – und über mentale Gesundheit
Gina Reinhardt, Annika Liedmann und Kerstin Beyer (v.l.) arbeiten gemeinsam am Spiel "Unseen"
15 Jahre Karriere in der Gamesbranche hat Gina Reinhardt bereits hinter sich. Sie ist 37 Jahre alt, lebt in Solingen und hat unter anderem bei Ubisoft gearbeitet, dem mit Abstand größten Spieleunternehmen in NRW. Sie hat mit zwei anderen Frauen das Triple Cursed Studio gegründet. Das Projekt ist auch ein ganz persönliches, denn das Spiel mit dem Arbeitstitel "Unseen" handelt von ADHS. "Eines unserer Teammitglieder hat eine ADHS-Diagnose", erzählt Gina Reinhardt.
Das Spiel soll Freunde und Verwandte von Betroffenen über ADHS informieren – und dabei unterhaltsam und kurzweilig sein. Damit wollen sie auch Geld verdienen: "Wir haben recherchiert und keine Konkurrenz mit diesem Thema gefunden", sagt Reinhardt, "und es ist natürlich auch ein total relevantes Thema".
Scheitern gehört dazu
Nicht jeder Stipendiat muss ein fertiges Spiel veröffentlichen
Der Erfolg ist alles andere als selbstverständlich, weiß Niels Boehnke von der Stiftung Digitale Spielkultur. "Das müssen wir den Stipendiaten auch beibringen", sagt er. "Scheitert lieber früher und lasst euch davon nicht gleich entmutigen." Am Ende ist es nicht das Ziel des Stipendiums, dass alle 132 Stipendiaten nach 18 Monaten ein erfolgreiches Spiel veröffentlicht haben. Das würde schon zeitlich nicht funktionieren. Ziel ist, dass sie ein Games-Unternehmen gegründet haben, dass auch nach der Förderung aktiv ist und an Spieleprojekten arbeitet.
Ganz so weit sind Sina Kindschus und ihr Team noch nicht. Ihr Spiel mit dem Arbeitstitel "Chaimbers", haben sie gerade erst komplett umprogrammiert. Wenn das Stipendium ausläuft, soll das Spiel kurz vor der Veröffentlichung stehen, so ihr Plan.
"Wenn alles den Bach runtergeht, dann kann es auch sein, dass wir das Studio wieder schließen werden müssen", sagt Sara Kindschus. Das wäre allerdings für sie der allerletzte Schritt – und das vorläufige Ende ihres Traums.
Spielefans auf der Gamescom in Köln
In Köln ist die Gamescom zu Ende gegangen. Mehr als 1.500 Aussteller aus 72 Ländern waren in diesem Jahr dort - so viele wie noch nie.
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Unsere Quellen:
- Interview mit Niels Boehnke
- Interview mit Gina Reinhardt, Triple Cursed Studio
- Interview mit Sara Kindschus, Mouse Clique
- Stiftung Digitale Spielkultur
- Games Stipendium
- Press-Start