Schon ein kurzer Blick in den Schuppen von Thomas Fischer reicht aus, um zu erkennen: Dieser Mann ist ein Organisationstalent und ein großer Radsportfan. Seine Fahrräder hängen in Halterungen. Schrauben, Muttern und Werkzeuge sind fein säuberlich in Gläsern sortiert, nichts liegt auf dem Boden herum.
Seinen aufgeräumten Bastelschuppen wird er allerdings erst in vier Monaten wiedersehen. Denn der 65-jährige Ostbeverner hat sich mit seinem Lieblingsrad auf den Weg gemacht. Er tourt durch die Benelux-Staaten über Frankreich bis nach Gibraltar in Spanien - und zurück.
Ostbeverner Friseur auf Europatour für Inklusion
Lokalzeit Münsterland. 29.01.2026. 02:38 Min.. Verfügbar bis 29.01.2028. WDR. Von Nathalie Zeisig, Brigitte Lieb.
Sein Antrieb: Fischer will so viel Geld wie möglich für Menschen mit Behinderung zusammenbekommen. "Die Unterstützung liegt mir sehr am Herzen, da ich selber 70 Prozent schwerbehindert bin." Die seltene Krankheit Morbus Menière begleitet ihn schon lange. Sie kann Schwindel, Ohrensausen und Schwerhörigkeit verursachen, weil sich im Innenohr zu viel Flüssigkeit ansammelt. Laut des Betroffenen-Vereins KIMM sind 0,1 bis 0,2 Prozent der Bevölkerung betroffen.
"Ich habe eine Krankheit, die nicht weggeht, sie bestimmt aber nicht mein Leben", erklärt Thomas Fischer ein paar Tage vor dem Tourstart. Fast bis zur Rente hat er einen eigenen Friseursalon betrieben, neben Familie und Eigenheim.
Für die Spendentour durch Europa hat er sich nochmal ausführlich von seinem Arzt abchecken lassen. Sein Hörgerät ist auch frisch gewartet. "Ich fahre nicht wahllos los und bin froh, dass ich das so im Griff habe. Aber andere Menschen brauchen Hilfe - und das kostet Geld."
Inklusion in Ostbevern: von Therapiepferd bis Wohnheimbetrieb
Alle Spenden, die bis Ende Mai zusammenkommen, sollen dem Verein Vibo in Ostbevern zugutekommen. Der Verein setzt sich für die Förderung und Inklusion von Menschen mit Behinderung ein. Vibo organisiert für Kinder Reitstunden mit einem eigens angeschafften Therapiepferd, betreibt zwei Wohnheime und berät Menschen mit Behinderung in allen Lebenslagen.
Als Fischer vor einigen Monaten seinen langjährigen Freund und Vibo-Vorstandsmitglied Heinz Spiekermann-Coppenrath eingeweiht hat, war der sofort begeistert: "Jede Spende hilft." Er ist sich sicher, dass der Plan von Thomas Fischer aufgeht: "Er hat eine ausgezeichnete Planung" und wünscht ihm, "dass er keinen Platten hat, keinen Felgenbruch und immer auf nette Leute trifft".
Mit bunter Fahne und Campingausrüstung runter bis nach Gibraltar
Für seine Spendentour durch Europa hat Fischer ordentlich Equipment auf sein Rad geschnallt. Rund 100 Kilogramm wiegt es nun zusammen mit Wasservorräten, Campingstuhl, Zelt und Co. Am Gepäckträger weht eine bunte Fahne, darauf unter anderem die EU- und NRW-Flagge.
Mit rund 100 Kilo Gepäck ist Thomas Fischer für einen guten Zweck unterwegs
"Man wird mit Sicherheit angesprochen, wenn man damit durch die Gegend fährt." Gleichzeitig will er damit besser für andere im Straßenverkehr erkennbar sein. Die ersten Tage der Tour hat Fischer inzwischen hinter sich, quer durch die Niederlande. Unterstützer können seinen Weg auf Instagram verfolgen.
Die Vorfreude auf die kommenden Wochen ist groß, auch wenn zwischendurch das Heimweh kommt: "Ich war noch nie vier Monate von Ostbevern weg." Aber darin bestehe auch der Reiz: "Ich wollte nochmal ein neues Highlight setzen mit dem Anfang der Rente."
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 29.01.2026, 19.30 Uhr.