Rainer Stephan, Brille, grauer Bart und grüner Regenschutz über dem Helm, steht vor einem Landesschild der Türkei und zeigt lächelnd einen Daumen hoch in die Kamera

Zum Rentenstart: 4500 Kilometer mit dem Rad nach Istanbul

Unterwegs

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Der Start in die Rente ist ein besonderer Moment im Leben eines Menschen und Rainer Stephan hat sich dafür etwas Besonderes vorgenommen. Er fährt von NRW bis nach Istanbul. 4500 Kilometer auf dem Fahrrad. Für den guten Zweck und um sich selbst zu zeigen: Ich bleibe aktiv.

Von Jan-Ole Niermann

Der erste Tag in seinem neuen Leben als Rentner beginnt früh. Es ist Anfang April, kalt, aber sonnig. Rainer Stephan hat viel vor. Er packt die letzten Sachen, schwingt sich aufs Rad und bricht auf, auf die bisher größte Reise seines Lebens. "Ich habe mich lange auf diesen Tag vorbereitet, ich bin heute gelassen, aber es wird ein anstrengender Tag", sagt der 64-Jährige mit einem Lächeln. Den neuen Lebensabschnitt Ruhestand will er mit einer Radtour beginnen: von Rheda-Wiedenbrück nach Istanbul.

Um kurz nach 9 Uhr ist es dann so weit: Mehrere vollgepackte Taschen hängen am grauen Fahrrad. Stephan hat eine neongelbe Jacke an und schon seinen Helm auf. "Ich mache mich jetzt auf den Weg. Wir werden in der Stadt noch ein paar Stationen anfahren. Ich werde mich hier und da bei Freunden persönlich verabschieden." Die Tour startet unter Jubel und Geklingel bei einem Radhersteller, der seine Tour unterstützt. Der frisch gebackene Rentner tritt in die Pedale und reckt strahlend den Arm hoch.

Wie Rainer Stephan auf die Idee für die Fahrradtour gekommen ist

00:19 Min. Verfügbar bis 24.07.2027

Die ersten Meter führen Stephan durch seine Heimatstadt Rheda-Wiedenbrück. Insgesamt will er mit dem E-Gravelbike, einem geländegängigen E-Bike, mehr als 4500 Kilometer fahren und neun Länder durchqueren. "Das weiteste bisher war die Elbe-Radtour von Prag bis Cuxhaven", erzählt Stephan, "die habe ich vor drei Jahren mit meinen beiden Söhnen gemacht". Zehn Tage und 1000 Kilometer waren es damals. Jetzt wird er fast zwei Monate lang jeden Tag radeln.

Rad statt Rosenschere

Auf der ersten Etappe begleitet ihn seine Frau Marion. Zusammen stoppen sie auch noch an der Kirche mitten in Rheda-Wiedenbrück. Hier hat sich Stephan mit Pfarrerin Kerstin Pilz verabredet, die den Reisesegen ausspricht: "Pass auf dich auf und fahr nie schneller als ein Engel", sagt sie und drückt den Radfahr-Rentner herzlich. Kurz vor der Abfahrt kommen Stephan die Tränen: "Ich freue mich jetzt darauf, einen Lebenstraum zu erfüllen."

Die Pfarrerin erteilt dem Reisenden einen Segen vor der langen Tour

00:22 Min. Verfügbar bis 24.07.2027

In seinem alten Leben hat Stephan mehr als 40 Jahre lang als Journalist und Pressesprecher gearbeitet. Ganz kann er davon nicht lassen. Deshalb berichtet er in einem Blog von seiner abenteuerlichen Reise. "Ruhestand, Füße hochlegen, Rosenschere in die Hand. Das ist eigentlich nie meins gewesen", sagt Stephan, "ich bin immer sehr aktiv gewesen."

Jetzt freut er sich, mehr Zeit zu haben und "für einen längeren Zeitraum unterwegs zu sein." Mit der Riesen-Radtour will Stephan auch Spenden sammeln. Mehrere tausend Euro sind zusammengekommen, um Menschen in Entwicklungsländern den Zugang zu Trinkwasser zu ermöglichen.

Nach Istanbul warten die Alpen

Stephan ist schließlich zwei Monate lang unterwegs. Von Deutschland über Tschechien, Österreich, die Slowakei, Ungarn, Kroatien, Serbien und Bulgarien bis in die Türkei. Er berichtet von "4400 pannenfreien Kilometern". Doch ausgerechnet am letzten Tag hat er einen Platten. Genau das macht aber das Abenteuer aus.

Wenige Kilometer vor Istanbul lernt er so einen LKW-Fahrer kennen, der ihm beim Schlauchwechsel hilft. "Da hatte ich einen Plattfuß und wir haben gemeinsam das Fahrrad repariert." Anschließend schlängelt er sich durch den hektischen Großstadtverkehr und kommt endlich am Ziel an: "In Istanbul war ich als Radfahrer ein absoluter Exot!"

Das Fahrrad von Rainer Stephan ist mit einigen Taschen bepackt und steht in einem kleinen Fluss

Treuer Begleiter bei der Riesen-Radtour: das Gefährt von Rainer Stephan

Auf der Tour begeistern Stephan vor allem die Natur und die Menschen: "Highlights gab es an jedem Tag", sagt er nach seiner Rückkehr nach Rheda-Wiedenbrück. Jetzt will er Vorträge über seine Reise halten und auch über Europa sprechen: "Angefixt worden bin ich direkt in Köln, als Holländer auf der Domplatte Kölsche Lieder gespielt haben." Auf seiner Tour hat er so viele verschiedene Nationalitäten getroffen und Grenzen überquert, sagt Stephan. Deshalb ist Europa das Thema seines Reiseblogs.

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Mit der so lange geplanten und ersehnten Tour ist Stephan mehr als zufrieden: "Das war ein traumhafter Start in den neuen Lebensabschnitt." Jetzt will er weiter aktiv bleiben. Und so bricht er kurz nach der Rückkehr aus Istanbul direkt wieder auf, diesmal mit Freunden. Zusammen überqueren sie die Alpen zum Gardasee. Natürlich auf dem Fahrrad.

Über dieses Thema haben wir auch am 25.06.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit OWL, 19.30 Uhr.