Ernst Sprick steht neben einem Schwarz-Weiß-Porträt von ihm, auf dem seine Brustkrebs-Narbe zu sehen ist

Seltene Erkrankung bei Männern: Ernst Sprick hatte Brustkrebs

Kreis Herford | Füreinander

Stand:

Brustkrebs bekommen nur Frauen? Das ist ein Irrglaube. Auch Männer können daran erkranken. So wie Ernst Sprick aus Kalletal. Wie er andere Männer über die seltene Erkrankung aufklären will.

Von Katharina Böhmer

Langsam, aber mit sicheren Schritten geht Ernst Sprick über den Flur des Klinikums Herford. Er folgt dem Schild mit der Aufschrift "Frauenheilkunde". Kurz dahinter steht "Brustzentrum." Hier ist der 87-Jährige richtig. Zweimal im Jahr geht er hier zur Brustkrebs-Nachsorge.

Vier Jahre ist es jetzt her, da ertastet Sprick einen Knubbel in seiner Brust, der da nicht hingehört. An Heiligabend 2021 merkt er dann, dass sich seine linke Brustwarze verändert. Sofort weiß er: Da stimmt etwas nicht. Denn durch mehrere Vorerkrankungen war er schon besonders aufmerksam.

Warum Ernst Sprick schon sensibilisiert war

00:20 Min. Verfügbar bis 19.10.2027

Nach den Feiertagen geht er damals sofort zum Arzt. Sein Hausarzt schickt ihn zu verschiedenen Untersuchungen. Nach der Mammografie ist klar: Es ist Brustkrebs. Es folgt eine Operation und bis heute nimmt Sprick eine Hormontherapie. Heute ist er krebsfrei.

Frühes Erkennen ist wichtig

Brustkrebs bei Männern ist eine sehr seltene Erkrankung. Sie wird bei gerade einmal rund 700 Männern pro Jahr in Deutschland diagnostiziert. Zum Vergleich: Frauen sind rund 100 Mal öfter betroffen.

  • Zum Beitrag: Beide Brüste amputiert: "Ich wollte diese Angst nicht mehr haben"

Für Frauen gibt es deshalb regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen. Ab 30 Jahren zahlen die Krankenkassen das jährliche Abtasten durch Arzt oder Ärztin. Frauen ab 50 bekommen außerdem alle zwei Jahre ein Mammographie-Screening. Für Männer gibt es diese Vorsorge nicht.

Doch auch sie müssten mehr über Brustkrebs wissen, sagt Dorothé Dupont, die behandelnde Ärztin von Sprick. "Wir wissen, dass auch die Einnahme von Hormonen vor Genderbehandlungen oder etwa die Substitution von Testosteron beim Sport das Brustkrebsrisiko bei Männern erhöhen".

Ärztin Dorothé Dupont über die Brustkrebsvorsorge bei Männern

00:12 Min. Verfügbar bis 19.10.2027

Wer eine Veränderung an sich bemerkt, sollte zunächst zum Hausarzt gehen, so wie Sprick das gemacht hat. Er wurde dann von Dupont operiert. Die beiden kennen sich also schon einige Jahre, sie wirken vertraut. "Großes Kompliment, dass sie so regelmäßig ihre Nachsorgetermine wahrnehmen", sagt die Ärztin mit einem leichten Lächeln auf den Lippen. An ihrem Kittel trägt sie eine pinke Schleife, ein Symbol für die Solidarität mit Brustkrebs-Patientinnen. Und auch Brustkrebs-Patienten. Vor allem der Oktober steht ganz im Zeichen dieser pinken Schleife. Im sogenannten "Pinktober" soll unter anderem durch verschiedene Veranstaltungen und Vorträge über die Krankheit aufgeklärt werden.

Regelmäßige Brustkrebs-Vorsorge

Dann beginnt die Untersuchung. Zuerst sprechen die beiden ausführlich darüber, wie es Sprick geht und ob er Beschwerden hat. "Bitte einmal das T-Shirt ausziehen", sagt Dupont. Auf der linken Brust kommt bei Sprick eine Narbe zum Vorschein, die Brustwarze fehlt. Denn um den Krebs zu bekämpfen, wurde ein Großteil der Brust entfernt.

Die Ärztin tastet die Brust ihres Patienten sorgfältig ab. "Alles in Ordnung", sagt sie. Dann folgt noch eine Ultraschalluntersuchung. Aber auch die ist unauffällig. "Das ist schon jedes Mal eine Erleichterung", sagt Sprick.

Ärztin Dorothé Dupont tastet die Brust ihres Patienten Ernst Sprick ab

Zwei Mal Brustkrebs-Vorsorge im Jahr: Für Ernst Sprick mittlerweile Routine

Dass auch Männer Brustkrebs bekommen können, wissen viele gar nicht. So hat Sprick sich in einem Wartezimmer voller Frauen schon einiges anhören müssen. Dass er hier nichts zu suchen habe. Dass hier nur Menschen seien, die wirklich krank sind. "Ich habe nur gelächelt und gesagt: 'Warten wir mal ab'", sagt Sprick.

Ausstellung will auf Brustkrebs aufmerksam machen

Sprick hat sich für die Ausstellung "1von8 - Gib Krebs dein Gesicht" ablichten lassen. Als einziger Mann. Auf einem großen Schwarz-Weiß-Foto ist er oberkörperfrei zu sehen. Auch seine Narbe, das sichtbare Übrigbleibsel der Krebserkrankung. Die Fotos stehen im Oktober in mehreren Sparkassen-Filialen in OWL.

Denn für ihn ist es ein wichtiges Anliegen, dass Männer über Brustkrebs Bescheid wissen. Er hat Menschen kennengelernt, die die Symptome ignoriert haben, bis es zu spät war. Seine Meinung ist deshalb klar: "Leute, geht zum Arzt! Wenn sie nichts haben, ist es gut, aber wenn sie was haben, ist es gut, wenn es früh genug gemerkt wird, dann sind sie noch zu retten."

Über das Thema haben wir am 06.10.2025 auch im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Südwestfalen, 19.30 Uhr.