Lkw-Fahren ist sein Hobby: Der "Kapitän der Landstraße"
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Nach Feierabend geht Alexander Herpich aus Solingen seinem größten Hobby nach: Lkw-Fahren. Diese besondere Leidenschaft half ihm auch durch eine schwere Zeit.
Von Mirjam Ratmann, (Text) und Alex Becker (Multimedia)
Alexander Herpich hat gerade Feierabend gemacht. Noch in seine orange Warnjacke gekleidet, schwingt er sich auf sein Fahrrad. Herpich liebt seinen Job, doch das, was danach kommt, liebt er noch mehr: Lkw-Fahren. Regelmäßig steigt er daher nach Feierabend in einen der Lkw der Solinger Spedition Peter Keull.
Er macht das unentgeltlich, denn Lkw-Fahren ist seine Leidenschaft. "Im Schnee, im Regen, im Dunkeln, im Verkehr sicher von A nach B zu kommen - das ist mehr als ein Führerschein", sagt Herpich. Sein Hobby ist auch für den Solinger Spediteur Thomas Keull ein Gewinn, denn ihm geht zunehmend das Personal aus.
In Deutschland fehlen 70.000 Lkw-Fahrer
Laut Bundesverband Güterkraftverkehr Logistik und Entsorgung fehlen in Deutschland knapp 70.000 Fahrerinnen und Fahrer. Wie viele es in NRW sind, erhebt der Verband nicht. Nach Einschätzungen des Verbands Verkehrswirtschaft und Logistik in Nordrhein-Westfalen macht das Land etwa 20 bis 25 Prozent davon aus. Demnach würden in NRW etwa 14.000 bis 17.500 Lkw-Fahrer fehlen.
Da es im europäischen Ausland ähnlich schwierig ist, können auch ausländische Anwerber wenig gegen den Fachkräftemangel ausrichten. Mehr als 70 Prozent der deutschen Güterverkehrsleistungen entfallen auf den Lkw. Fehlen Fahrer, kommt es zu Störungen in den Lieferketten und damit möglicherweise auch zu wirtschaftlichen Engpässen.
Hobby gab während Krankheit Kraft
Herpichs Leidenschaft für große Gefährte kommt nicht von ungefähr: Schon als Kind fuhr er regelmäßig in den Schulferien mit seinem Vater, der Lkw-Fahrer war, mit. Während seines Studiums lernte er auf Rastplätzen für Klausuren. Auch als bei ihm vor 15 Jahren eine Nierenunterfunktion festgestellt wurde und er eine Transplantation brauchte, gab ihm sein Hobby Kraft.
Wenn Herpich die Stufen zum Fahrerhäuschen des blau-gelben Lkws hochsteigt, steigt auch seine Laune. "Es ist ein erhabenes Gefühl. Man sitzt so weit oben und kann so weit vorausschauen. Teilweise gucken auch andere neidisch von unten hoch. Da fühlt man sich wie der Kapitän der Landstraße."
Dieser Beitrag liefert Informationen zum Facebook-Reel der WDR Lokalzeit "Nach Feierabend noch Lkw-Fahrer" vom 01.03.2026, 19.20 Uhr.