Lea Meyer sitzt am Steuer eines LKW. Sie lächelt Tanja Sieling an. Die steht neben ihr.

Traumberuf Lkw-Fahrerin: Mit 17 Jahren am Lenkrad eines 40-Tonners

Unterwegs

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Bald wird sie tonnenschwere Lkw quer durch Deutschland steuern: Die 17-jährige Lea Mexer aus Hövelhof verfolgt entschlossen ihren Traumberuf. Warum sie diesen Weg gewählt hat und sich von den Herausforderungen des Job nicht abschrecken lässt.

Von Julia Schlöpker

Lea Meyer bewegt sich geschickt auf der Ladefläche eines gewaltigen, 19 Meter langen 40-Tonners. Zu ihrer Ausbildung als Berufskraftfahrerin gehört es auch, im Lager mitzuhelfen. Kollegin Tanja Sieling zeigt ihr, wie sie die Holzpaletten und Kisten mit Metallelementen mit orangen Spanngurten richtig sichert. Die erfahrene Lkw-Fahrerin ist seit 25 Jahren auf den Straßen der Republik unterwegs und hat Lea unter ihre Fittiche genommen. Die 17-Jährige kann es kaum erwarten, auch endlich am Steuer sitzen zu dürfen. "Mir juckt es schon sehr in den Fingern", sagt sie lachend.

Wie Lea Meyer sich mit ihrem Ausbildungsberuf fühlt

00:16 Min. Verfügbar bis 20.11.2027

Bundesweit fehlen nach Angaben von Branchenverbänden rund 70.000 Lkw-Fahrer. Nachwuchs wird entsprechend händeringend gesucht. In NRW sank die Zahl der angehenden Berufskraftfahrer laut IHK allerdings Ende 2024 um 30 Prozent im Vergleich zu 2020. Noch düsterer sieht es im Vergleich zu 2014 aus. Hier hat sich im Gebiet der IHK Ostwestfalen die Zahl der neuen Auszubildenden sogar fast halbiert.

Leas Weg zum Traumberuf "Lkw-Fahrerin"

Für die Spedition Henke in Delbrück ist Lea also ein echter Glücksgriff. Das Familienunternehmen hat 100 Mitarbeiter und ist mit mehr als 70 Lkw in ganz Deutschland unterwegs. Bevor Lea im August ihre Ausbildung begann, war sie ein halbes Jahr lang Praktikantin bei der Spedition und merkte schnell: genau ihr Ding.

Ein steiniger Weg liegt hinter der 17-Jährigen aus Hövelhof im Kreis Paderborn. Lernen, die viele Theorie, das war nie ihr Ding. Zum Glück gab es an ihrer Gesamtschule Delbrück eine Langzeitpraktikumsklasse. Das Konzept: Schwächere Schüler bekommen extra Unterricht und können tageweise in einem Betrieb mitarbeiten. Lea wollte erst Elektrotechnikerin werden. Doch der Plan scheiterte an ihrem Hauptschulabschluss und dem Einstellungstest in Mathe.

Ein Lehrer brachte sie auf eine Idee, die naheliegt: Lastwagen fahren. Leas Vater ist selbst Berufskraftfahrer und nimmt seine Tochter häufiger auf Touren mit. Von ihm hat sie auch gelernt, sich zu behaupten, wenn der Ton unterwegs etwas rauer wird. "Wer austeilt, muss auch einstecken können", sagt die fröhliche 17-Jährige achselzuckend und grinst breit. "Lea ist unkompliziert gestrickt. Die sagt einem, wenn ihr was nicht passt", bestätigt Mentorin Sieling.

Der raue Alltag hinter dem Lkw-Lenkrad

Wer Berufskraftfahrer werden will, muss hart im Nehmen sein und in Kauf nehmen, dass er viel Zeit im Lastwagen verbringt. Dort schläft, an Tankstellen duscht und seine Familie tagelang nicht sieht. All das schreckt Lea nicht ab. Von ihrer Begeisterung für den Job ist auch Ausbildungsleiter Ingo Schrader beeindruckt. Lea ist eine der ersten weiblichen Auszubildenden hier. In NRW waren Ende 2024 laut IHK nur 8 Prozent der angehenden Berufskraftfahrer Frauen.

Ausbildungsleiter Ingo Schrader über Leas Engagement

00:11 Min. Verfügbar bis 20.11.2027

Heute hat Leas Mentorin Sieling eine Überraschung. Zwar macht ihr Schützling bald erstmal den Gabelstapler-Führerschein, doch ans große Steuer darf sie ausnahmsweise jetzt schon. Natürlich nur zur Übung auf dem Firmengelände. Behutsam und ziemlich nervös tritt die 17-Jährige auf das Gaspedal. Bloß nichts falsch machen. Im Schneckentempo bewegt sich der riesige Lkw. "Das ist das erste Mal, dass ich lenke. Das fühlt sich mega an." Eine Viertelstunde lang befolgt Lea Sielings Anweisungen am Lenkrad. Vorwärts, rückwärts, Motor aus. Die 17-Jährige lächelt erleichtert und strahlt.

v. l. Tanja Sieling und Lea Meyer. Sie stehen vor einem LKW.

Lea Meyer wird Berufskraftfahrerin

Lea schätzt die Ratschläge ihrer erfahrenen Kollegin. Die hat auch privat ein offenes Ohr bei Fragen und Sorgen. Jetzt zeigt sie ihr, wie sie sich auf Landkarten zurechtfindet, ganz ohne Navigationsgerät. "Ich freue mich schon, neue Städte zu entdecken", sagt Lea. Dass sie sich in Zukunft nicht mehr spontan mit Freunden fürs Kino verabreden kann, wenn sie eine Tour fährt, findet sie schade. Dafür trifft die junge Frau ihren Freund fast täglich in der Spedition. Er will auch Berufskraftfahrer werden. Noch jemand also, der Leas Begeisterung für das Leben "on the road" teilt.

Über dieses Thema haben wir auch am 22.09.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit OWL, 19.30 Uhr.