Ein Mann lehnt mit einer DHL Paketboten Jacke vor einem Hauseingang und hält zwei Pakete aus Pappe in der Hand.

"Kennt man halt": Wie ein Paketbote dem Weihnachtschaos trotzt

Unterwegs

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Im Dezember wird so viel online bestellt, wie in keinem andern Monat. Während Paketbote Uwe Föllen in Greven am Morgen Pakete einsortiert, sucht er mittags deren Empfänger. Was treibt einen Zusteller an, der täglich hunderte Sendungen ausliefert - und warum reicht ihm manchmal ein einziges Wort, um glücklich zu sein?

Von Alina Freimann

Um 7.30 Uhr beginnt für Uwe Föllen die Schicht. Im Paketzentrum Greven schieben sich zu dieser Zeit die Kartons im Sekundentakt über die Sortierbänder. "Ganz normal, Weihnachten halt. Einpacken, versuchen wegzubringen - fertig", sagt Uwe Föllen, während er vor einem Berg von Paketen steht. An die Hektik und das Paketchaos hat sich der 62-Jährige in seinen 35 Arbeitsjahren gewöhnt. "Es ist viel, aber man wächst auch an seinen Aufgaben", sagt er.

Pakete an Weihnachten: So viele werden täglich ausgeliefert

Normalerweise landen im Paketzentrum Greven rund 7.000 Pakete pro Tag. Zur Weihnachtszeit ist es fast das Doppelte. Deswegen arbeiten hier momentan rund 30 Mitarbeiter mehr. So wie in Greven sieht es in der Vorweihnachtszeit in nahezu allen Paketzentren in NRW aus. Bundesweit werden allein von DHL in dieser Zeit bis zu zwölf Millionen Pakete pro Tag ausgeliefert. Dafür stellt der Paketdienst rund 10.000 Hilfskräfte ein. Auch andere Anbieter wie Hermes oder DPD sind in dieser Zeit im Dauerstress.

DHL Paketbote im Stress

Lokalzeit Münsterland 16.12.2025 03:13 Min. Verfügbar bis 16.12.2027 WDR Von Alina Freimann

Damit bei Föllens Auslieferung später alles glatt läuft, sortiert er vor der Tour alle Pakete in seinen Lieferwagen. Präzise und routiniert stapelt Föllen die braunen Kartons wie Tetris-Steine übereinander. Zwei Stunden nach Schichtbeginn fährt er vom Hof des Geländes. 242 Pakete in seinem Auto warten auf ihre Zustellung. Der Zeitplan ist eng.

Ein Mann steht in einer Lagerhalle mit vielen Paketen in verschiedenen Größen und hält einen großen Karton in der Hand. Er trägt eine Weste mit dem Logo von DHL

Paketbote Uwe Föllen holt im Paketzentrum Greven die Sendungen ab

"Ich hoffe, dass sie da sind", sagt Föllen, als er auf die Klingel an einem Mehrfamilienhaus drückt. Erst klingelt er beim Empfänger. Als niemand öffnet versucht er es bei den Nachbarn. Kein Glück heute. Das Paket liefert er später in eine Packstation. Und auch am nächsten Zustellort ist niemand zu Hause. Frustrieren kann ihn das schon lange nicht mehr. "Kennt man halt", murmelt er nur kurz vor sich hin.

Was einen Paketboten an Weihnachten glücklich macht

Wenige Sekunden später sitzt Föllen schon wieder in seinem Lieferwagen. Trotz des Stresses in der Weihnachtszeit arbeitet er gern an diesen Tagen. Sogar an Heiligabend liefern Uwe Föllen und seine Kollegen noch aus, damit alle Geschenke rechtzeitig unter dem Baum liegen. Das Volumen der Zustellungen nimmt dabei seit Jahren zu. Laut IT.NRW haben 2024 rund 70 Prozent aller 16- bis 74-Jährigen zwischen September und Dezember online Produkte bestellt. Doch Föllen sagt auch: In der Vorweihnachtszeit seien die Menschen oft freundlicher. Immerhin warten viele auf die Geschenke.

Der Zusteller liebt seine Arbeit, sagt er. Besonders "den Kontakt zu den Leuten und die Herausforderung, den Tag jedes Mal anders zu erleben." Schlimme Erlebnisse mit Kunden seien die Ausnahme. Einmal habe ihm ein Mann mit Schlägen gedroht, erinnert er sich: "Ich habe ihm gesagt: 'In diesem Ton möchte ich mich nicht mit Ihnen unterhalten.' Dann bin ich gegangen."

Während der 62-Jährige von einer Adresse zur nächsten fährt, wird sein Fahrzeug immer leerer. Pakete von Empfängern, die er nicht erreicht hat, bringt er in eine Packstation. Was ihn aber nach so einem Tag am glücklichsten macht, sei ein einfaches "Dankeschön" von den Kunden. "Manchmal reicht das schon", sagt er und steigt in den Wagen, um zurück zum Paketzentrum zu fahren.

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 16.12.2025, 19.30 Uhr.