Schlittenhunderennen: Eine ganze Familie im Husky-Fieber

Lokalzeit Münsterland 07.11.2025 03:08 Min. Verfügbar bis 07.11.2027 WDR Von Peter Wejdling

Leben mit 17 Schlittenhunden: Familie Wissing ist im Huskyfieber

Unterwegs

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Bei Familie Wissing aus Dülmen gibt das Husky-Rudel den Takt vor - von morgens 6 bis abends 22 Uhr. Das Training mit den Schlitten ist dabei der Höhepunkt für Hund und Mensch.

Von Peter Wejdling

Es ist Samstag, es regnet und windet - bei Familie Wissing aus Dülmen herrscht trotzdem Geschäftigkeit: Leinen klirren, Gurte werden festgezogen, und zwischen den Beinen ein Gewusel aus Fell. 17 Siberian Huskys - hechelnd, winselnd, heulend - müssen ins Geschirr. Eine Herausforderung, denn die Hunde drehen schier durch in ihrer Vorfreude auf das, was sie gleich eine halbe Stunde lang machen dürfen: rennen.

"Bei uns dreht sich das ganze Leben um die Hunde. Was anderes gibt es praktisch nicht", sagt Eva Wissing und lächelt. Geduldig bugsiert sie den letzten Hund in den Gurt, Tochter Aaliyah zieht den Helm auf. Keine schlechte Idee, ihr Sechsergespann kann auf über 30 Kilometer pro Stunde beschleunigen.

Schlittenhunde fressen 130 Kilogramm Fleisch

Der Schlitten, an den ihre Hunde gespannt sind, ist mehr Anhänger als Kufenfahrzeug: Profilreifen, Lenker, ein Stehplatz für den sogenannten Musher und ein Sitz für Gäste. Heute sitzen sowohl bei Aaliyah als auch bei Dirk Wissing welche an Bord. Eva Wissing ist die Sportlichste im Bunde; sie fährt vorn auf einem tretrollerähnlichen Scooter, ein Hund an der Leine, Tempo und Spur mit eigener Kraft vorgebend. Für die Familie sind solche Gästefahrten gleichzeitig Training und dringend benötigte Einkommensquelle - die Hunde fressen knapp 130 Kilogramm Fleisch im Monat.

Zwei weiß-graue Siberian Huskys stehen im blauen Laufgeschirr auf einer grünen Wiese und lachen fröhlich in die Kamera.

Von morgens sechs bis abends zehn gibt das Rudel bei Familie Wissing den Takt vor

Als Dirk Wissing die Bremse löst, geht ein Ruck durch den Wagen - so plötzlich, als würde ein Rennwagen Vollgas geben. Er rast auf die erste Kurve zu. Wissen die Hunde, wo es langgeht? Da brüllt der Musher laut "links". Der Leithund in Reihe eins reagiert wie ferngesteuert, wechselt die Richtung, und die anderen folgen ihm.

Der Schlitten schießt in einen dunkel überwucherten Waldpfad; rechts und links ragen Büsche dicht heran, kaum Platz für den Wagen - und doch rast das Gespann hindurch wie ein Expresszug. Wind, Spritzwasser, der Geruch von nassem Laub. In den Kurven gilt nur eins: festhalten. Später wird einer der Gäste sagen: "Eine Achterbahn ist nichts dagegen!"

Aber wie kommt eine Familie dazu, zuhause ein ganzes Hunderudel zu halten? Alles begann mit dem Wunsch nach einem Husky. Ein Einzelner reichte nicht zum Schlittenfahren - es folgte ein zweiter, dann noch einer. Dirk Wissing scherzt: "Von jeder Fellfarbe einer."

Aus dem Scherz wurde Ernst. Als die Wohnung zu eng wurde, drohte Eva Wissing - ganz ohne Scherz - auszuziehen, sollte noch ein Husky dazukommen. Ihr Mann brachte zwei mit. Die Rettung des Familienfriedens kam in Form eines freigewordenen Schreinerbetriebs im Gewerbegebiet. Er wurde das neue Zuhause: Platz für Auslauf, Ruhe für die Nachbarn, Raum für Ambitionen.

Klare Kontrollen für den Tierschutz

Dirk Wissing gewann Titel, Eva und Aaliyah Wissing holten Vizemeisterschaften. Parallel begann die Zucht - nach Verbandsregeln, mit Gesundheits-Checks und sorgfältiger Auswahl neuer Besitzer, etwa 90 Prozent der Welpen gehen an bekannte Schlittenhundesportler. Bei Wettkämpfen sorgen Tierärzte und Tierschutzbeauftragte für Kontrollen. Kritik aus Tierschutzkreisen nehmen die Wissings ernst, sie verweisen auf Regeln, Pausen und die ständige Beobachtung ihres Rudels.

Vom Schlittentraining zurück zuhause verlangsamt sich die Welt. Wenn sie nicht rennen, sind Huskys ausgesprochen stille Tiere. In einer Box liegen sechs neugeborene Welpen eng an der Mutter, blind und feucht. Man hört kaum mehr als ein leises Atmen und ab und zu ein winselndes Quieken. Eva Wissing beugt sich zu ihnen, lächelt und sagt leise: "Noch keine Namen."

Eva Wissing hat ein Faible für ausgefallene Hundenamen

00:34 Min. Verfügbar bis 02.12.2027

Wer die Wissings kennt, weiß: Das ist nur der ruhige Augenblick vor der nächsten Familiendebatte. Eva Wissing hat ein Faible für schräge Namen - Chantal, Gisela, Jacqueline - Vorschläge, bei denen Mann und Tochter meistens protestierend die Stirn runzeln, aber am Ende immer nachgeben.

Am nächsten Morgen wird die Familie wieder früh aufstehen, das Rudel versorgen und dann aufbrechen in den jeweiligen Alltag. Dirk Wissing als Service-Techniker einer Jalousienfirma, Eva Wissing als Fleischermeisterin und Aaliyah Wissing als Auszubildende zur Kinderkrankenpflegerin. Und wenn sie nach Hause kommen, wartet das Rudel schon sehnsüchtig auf das nächste Abenteuer.

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 07.11.2025, 19.30 Uhr.