Diethelm Graf von Plettenberg hält einen gelben Wellensittich in der Hand. Neben ihm steht eine Frau mit braunen Haaren.

Seit 1963 im weißen Kittel: Das ist Deutschlands wohl ältester Tierarzt

Heimatliebe

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Seit über 60 Jahren ist Diethelm Graf von Plettenberg Tierarzt mit Leib und Seele. An seinen Ruhestand denkt der 93-Jährige noch lange nicht. So sieht ein Arbeitstag in der Bocholter Kleintierpraxis aus.

Von Vivienne Zahel, (Text) und Dennis Burk (Multimedia)

Diethelm Graf von Plettenberg öffnet einen weißen Karton mit Luftlöchern, der auf dem Behandlungstisch vor ihm steht. Behutsam hebt er einen kleinen, gelben Wellensittich heraus. Plettenberg tastet den Vogel ab und spürt schnell: In dessen Bauch wächst ein Tumor. Helfen kann der Tierarzt in diesem Fall nicht, auch wenn er das mit seiner jahrzehntelangen Berufserfahrung gerne würde.

Arbeiten trotz Rente: Tierarzt mit 93 Jahren

Plettenberg ist vermutlich der älteste praktizierende Tierarzt in Deutschland. Mit seinen 93 Jahren könnte er längst im Ruhestand sein. So wie er arbeiten aber einige Senioren über den offiziellen Renteneintritt hinaus. Laut Statistischem Bundesamt waren 2023 rund 13 Prozent der Deutschen zwischen 65 und 74 Jahren erwerbstätig. Die Motive dafür waren verschieden: 33 Prozent gaben finanzielle Gründe an, 29 Prozent arbeiteten vor allem aus Freude an der Arbeit weiter.

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Zu dieser Gruppe gehört auch Plettenberg. Voller Tatendrang steht er tagtäglich mit seinem weißen Arztkittel in seiner Bocholter Praxis und versorgt kranke Kleintiere. Seit inzwischen über 60 Jahren ist er schon Tierarzt mit Leib und Seele. Eigentlich wollte er früher Forstwirtschaft studieren, bis eine Begegnung mit einem Tierarzt seine Pläne änderte. "Sein Umgang mit Tieren imponierte mir", erzählt der 93-Jährige.

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So studierte der gebürtige Sauerländer Tiermedizin und übernahm 1963 eine Praxis in Bocholt. Daran kann sich Andreas Elshorst, der mit seinem Hund im Wartezimmer sitzt, noch gut erinnern. Plettenbergs frühere Tierarztpraxis war in dessen ehemaligen Elternhaus. "In unserer alten Speisekammer war das Wartezimmer, in unserer Küche das Behandlungszimmer. Ich kenne ihn wirklich von klein auf", sagt Elshorst.

Rund um die Uhr für seine tierischen Patienten da

Plettenbergs unermüdlicher Einsatz für Tiere kennt keine festen Arbeitszeiten. Er ist rund um die Uhr erreichbar und versorgt im Notfall nicht nur Haustiere, sondern auch kleinere Wildtiere wie Igel, Hasen und Käuze. Für ihn ist seine Arbeit als Tierarzt mehr als ein Beruf. "Er macht aus dem Beruf eine Berufung", sagt Elshorst überzeugt. Und mit seiner Meinung ist der Hundehalter nicht allein: "Der Mann ist eine Koryphäe. Wenn er nicht mehr ist, dann fehlt etwas", findet eine Patientin.

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Doch nicht immer kann Plettenberg kranken Tieren helfen. Zu seinem Beruf gehört auch, sie von ihrem Leid zu erlösen und einzuschläfern. So wird es wohl auch dem kleinen, gelben Wellensittich in Plettenbergs Hand ergehen. "Solange Sie glauben, dass er noch Freude am Leben hat, behalten Sie ihn. Wenn nicht, kommen Sie her und wir schicken ihn in den Himmel", sagt er zur Halterin des Vogels und legt ihn wieder in den weißen Karton.

"Bis ich tot bin"

Die Handgriffe des Tierarztes sitzen nach über 60 Jahren Berufserfahrung gekonnt. Selbst wenn sein Arbeitstag mittlerweile ein wenig ruhiger und langsamer abläuft. Beim langen Stehen merkt er hin und wieder sein stolzes Alter. An Ruhestand denkt Plettenberg trotzdem noch lange nicht.

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"Bis ich tot bin, mache ich es", sagt der 93-Jährige. Seine Devise, um fit zu bleiben, ist eigentlich auch ganz einfach: "Indem man das tut, was nötig ist, und nicht darüber nachdenkt, ob es hier und da zwickt." Und so wird der Tierarzt auch morgen wieder am Behandlungstisch in seiner Praxis stehen.

Über dieses Thema haben wir auch am 26.08.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.