Eine junge Bestatterin mit kurzen Haaren und Brille schaut neutral in die Kamera. Im Hintergrund sind einige Särge.

Traumberuf gefunden: Fabienne Harvey ist Sprockhövels jüngste Bestatterin

Heimatliebe

Stand:

Während in vielen Branchen Nachwuchs fehlt, wächst das Bestatterhandwerk. In den letzten zehn Jahren hat sich die Zahl der Auszubildenden verdoppelt, vor allem Frauen entscheiden sich zunehmend für diesen Beruf. So wie Fabienne Harvey. Mit 23 Jahren ist sie die jüngste Bestatterin in Sprockhövel.

Von Kristin Trüb

Behutsam packt Fabienne Harvey Gläser aus, in denen später Teelichter leuchten sollen. Danach drapiert sie grünen Tüll um die Holzsäulen. Die kleine Kapelle in Sprockhövel soll perfekt dekoriert sein für die Trauerfeier, die an diesem Tag noch ansteht - den Verstorbenen und ihren Angehörigen zuliebe.

Harvey hat im Sommer ihre Ausbildung zur Bestatterin abgeschlossen - eine Ausbildung, für die sich immer mehr junge Menschen entscheiden: Laut Statistischem Bundesamt befanden sich zum Jahresende 2023 insgesamt 860 Personen in einer dualen Ausbildung zur Bestattungsfachkraft. Das sind so viele wie nie zuvor. Damit hat sich die Zahl der Auszubildenden in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt. Gleichzeitig ist durch den demografischen Wandel und die steigende Zahl der Sterbefälle auch der Bedarf in diesem Berufsfeld gestiegen.

Fabienne Harvey und ihr Team versuchen auf alle Wünsche der Angehörigen einzugehen

00:46 Min. Verfügbar bis 07.10.2027

Harvey ist mit 23 Jahren die jüngste Bestatterin in Sprockhövel. Dass das mal ihr Traumberuf sein würde, hätte sie sich früher nicht vorstellen können. Nach dem Abitur begann sie ein Studium. Aber es erfüllte sie nicht, sie brach ab. Ein Jahrespraktikum bei ihrem heutigen Arbeitgeber führte sie schließlich ins Bestattungswesen.

Bestatter ist ein vielfältiger Beruf

Anfangs hatte Harvey Berührungsängste beim Versorgen und Ankleiden Verstorbener: "Ich dachte: Oh Gott, bitte atme nicht oder beweg dich nicht. Weil man das ja nur so aus Filmen kennt", erzählt sie, während sie Blumengestecke in die Kapelle legt. Die anfängliche Unsicherheit legte sich schnell. Heute weiß sie: Der Beruf umfasst weit mehr. Dazu gehören Überführungen, die Organisation der Trauerfeier, aber auch die Begleitung trauernder Angehöriger.

"Das Schlimmste ist, mit den Angehörigen umzugehen", sagt Ausbilder und Chef Roman Vosskühler. "Das muss man können." Viele scheiterten daran schon in den ersten Tagen. Harvey fällt der Umgang mit Trauernden leicht. Genau das sei ihre Stärke, sagt Vosskühler. Sie höre zu, fühle mit, spende Trost und bleibe professionell. Dennoch gibt es Schicksale, die auch ihr nahe gehen. Etwa der Unfalltod eines jungen Motorradfahrers. Er war nicht viel älter als sie, erinnert sie sich: "Es hätte einer meiner Freunde sein können."

Roman Vosskühler erklärt, was man als Bestatter können sollte

00:48 Min. Verfügbar bis 07.10.2027

In besonders emotionalen Momenten denkt sie an etwas Schönes, sagt Harvey, während sie die Kerzen in der Kapelle anzündet. "Man kann da ja nicht einfach anfangen zu weinen." Wenn sie ein Schicksal doch länger beschäftigt, spricht sie mit Kollegen.

Trotz aller Herausforderungen liebt sie ihre Arbeit - vor allem wegen der Dankbarkeit, die ihr entgegengebracht wird. "Man nimmt denen so viel ab und das sieht man in deren Gesichtern, wie viel Dankbarkeit dahinter ist. Da kommt schon viel zurück und das macht es eigentlich erst schön", sagt Harvey.

Über dieses Thema haben wir auch am 15.09.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Dortmund, 19.30 Uhr.