Suchhündin Wirpi soll die Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest überwachen.
Schweinepest: Wie Hündin Wirpi Wildschwein-Kadaver erschnüffelt
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Die Afrikanische Schweinepest kann zur tödlichen Gefahr für Hausschweine werden. Schweinezüchter sind besorgt, auch wenn es noch keine Fälle in NRW gibt. Damit das so bleibt, hilft eine ganz besondere Hundestaffel, die Ausbreitung der Schweinepest zu überwachen.
"Wenn du so weit bist, Wirpi, dann hauen wir jetzt mal richtig rein", sagt Jan-Dirk Hubbert und setzt Hündin Wirpi an ihren Startpunkt. Ihr Blick ist schon jetzt konzentriert nach vorne gerichtet. Mit einem "Finden!" schickt der 62-Jährige sie auf die Suche. Zielsicher spurtet Wirpi los. Keine halbe Minute später hat sie ihr erstes Ziel entdeckt: ein Stück Wildschweinkadaver.
Die zweijährige Deutsch Langhaar-Hündin und Revierförster Jan-Dirk Hubbert aus Nordwalde sind Teil der Kadaver-Suchhundeeinheit im Auftrag des Landes Nordrhein-Westfalen. Dutzende Förster trainieren gemeinsam, um zu helfen, falls in NRW die Afrikanische Schweinepest ausbricht.
Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine hochansteckende Virusinfektion. Inzwischen hat sie schon mehrere Bundesländer erreicht. Für Landwirte steht dann oft ihre Existenz auf dem Spiel. In NRW sind laut des Landesamts für Verbraucherschutz und Ernährung bisher noch keine Fälle bekannt. Auf Menschen und andere Tierarten ist die Krankheit nicht übertragbar. Bei Wild- und Hausschweinen geht sie mit sehr schweren Symptomen wie Fieber und Bewegungsstörungen einher. Sie endet fast immer tödlich.
Aller Anfang ist schwer
"Komm her." Als Hubbert Wirpi zu Trainingsbeginn ihr Geschirr anlegen will, steht sie schwanzwedelnd auf. Sie weiß: Das ist ihre Arbeitskleidung. Jetzt wird es ernst. Hubbert ist mit Hunden aufgewachsen, hat viel Erfahrung in der Ausbildung von Jagdhunden. Als er von der speziellen Hundestaffel hört, ist er sofort Feuer und Flamme. "Da habe ich gesagt: 'Mensch, was Besseres gibt's ja gar nicht. Du kannst in deiner Arbeitszeit jetzt plötzlich mit dem Hund arbeiten'."
Heute startet das Training mit der Geruchsbox. Aus sieben verschiedenen Gerüchen soll Wirpi den Wildschweinkadaver herausschnuppern. Nach jedem Versuch verschiebt die Maschine die Gerüche hinter den Löchern automatisch. Für Wirpi eine neue Übung. Konzentriert schnüffelt sie die Löcher ab.
Viele Gerüche auf einmal: Bei der neuen Übung muss Wirpi sich zunächst zurechtfinden
Zu Beginn tut sie sich noch schwer. "Das ist jetzt natürlich auch viel Verleitung mit den anderen Gerüchen", sagt Hubbert. Doch dann hat Wirpi eine Spur, legt sich auf eines der Löcher fest. Direkt purzelt etwas Futter aus der Maschine. Jetzt hat die Hündin den Dreh raus.
Übung nur mit Sicherheitsmaßnahmen
Bevor es in den echten Wald geht, suchen Mitarbeiter der Wildtierseuchen-Vorsorge-Gesellschaft (WSVG) das Gelände mit Drohne und Wärmebildkamera ab. Damit gehen sie sicher, dass sich keine echten Tiere auf dem Übungsgelände befinden, die durch die Hunde aufgescheucht würden.
Je wärmer eine Fläche, desto heller bildet die Wärmebildkamera sie ab
Die Luft ist rein. Bewaffnet mit Eimer und Zange verteilt Hundeausbilder Olaf Müller die Wildschweinkadaver-Stücke auf dem Gelände. Diese sind vorher genau auf Viren untersucht worden, sind also ungefährlich.
Hier ist Wirpi ganz in ihrem Element. Um anzuzeigen, dass sie ein Kadaverstück gefunden hat, beißt sie in einen Henkel unter ihrem Halsband und kommt zu Hubbert zurück. Ein totes Tier zu apportieren wäre viel zu gefährlich. Immerhin könnte es Krankheitserreger in sich tragen. An einer langen Schleppleine führt Wirpi ihr Herrchen zu dem Kadaver. Dafür lobt Hubbert sie überschwänglich. "Das ist Kommunikation zwischen zwei verschiedenen Säugetierarten. Und das ist ja schon cool, oder?", sagt er. "Ich wundere mich immer, dass sie das so toll findet, wenn sie da so einen stinkenden Kadaver findet, aber sie findet es super."
ASP-Fall in NRW hätte weitreichende Folgen
Wenn die Kadaver-Suchhundeeinheit ein totes Tier aufspürt, gibt sie den Standort an die WSVG weiter, die sich dann um die Bergung und die Untersuchung im Labor kümmert. Wenn in NRW tatsächlich ein mit der Afrikanischen Schweinepest infiziertes Wildschwein gefunden werden würde, würde eine Sperrzone eingerichtet. In einem Umkreis von 15 Kilometern um den Fundort dürften Landwirte keine Schweine mehr transportieren.
Nach jedem Fund reinigt Hubbert Wirpis Pfoten und seine eigenen Schuhe, um ein mögliches Virus nicht weiterzuverbreiten. Für die Hündin geht es jetzt zurück zum Auto. Denn die Arbeit als Kadaverspürhund ist ganz schön anstrengend. Schon bald wartet der nächste Übungs-Einsatz auf Wirpi. Damit ihr Herrchen und sie im Ernstfall den Kampf gegen die Afrikanische Schweinepest aufnehmen können.
Über dieses Thema haben wir auch am 27.05.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.