Philipp Löffler lässt geschrotetes Malz durch seine Hände rieseln. Es ist so trocken, dass es staubt. Das Malz riecht nach Sommer. Ein guter, vertrauter Geruch. Mit dem Malz will Löffler heute eines seiner Lieblingsbiere brauen: Wöhrener Pils. Nach eigenem Braurezept. Der 29-Jährige hat in diesem Jahr Bad Oeynhausens erste Privatbrauerei eröffnet.
"Da kann man sich natürlich einen drauf einbilden, aber eigentlich mache ich hier nur das, was ich gerne mache." Löffler lacht und schüttet das Malz in einen großen Edelstahltank. 160 Liter Gerstensaft sollen es am Ende werden. Dafür hat er sich den ganzen Tag freigehalten. Denn ein gutes Bier braucht Zeit. Und es ist für seinen Macher so viel mehr als einfach nur ein Getränk.
Was Bier für Philipp Löffler bedeutet
00:29 Min.. Verfügbar bis 25.11.2027.
Eigentlich hat Löffler etwas ganz anderes gelernt. Er ist Chemielaborant in Deutschlands letztem Erzbergwerk, der Zeche Barbara im ostwestfälischen Kleinenbremen. Ein Job, den er weiter gerne macht: "So ein Bergwerk ist was Schönes. Ein ehrliches Produkt und es macht wirklich Spaß, da zu arbeiten. Tradition wird da ganz großgeschrieben. Man ist da nicht einfach nur eine Nummer und das merkt man auch."
Vom Chemielaboranten zum Bierbrauer
Zum Brauen ist Löffler durch einen Zufall gekommen. Einer seiner besten Freunde hat ihm zum Geburtstag einen Braukurs geschenkt. "Im Zuge dessen habe ich aber natürlich auch mal gesehen, wie funktioniert das Ganze, wie ist so eine Brauerei überhaupt aufgebaut, wie sieht sowas aus. Fand ich sofort sehr spannend." Also fing er vor gut drei Jahren an, aus Hopfen, Malz und Wasser sein eigenes Bier zu brauen. Erst noch ganz klein im Kochtopf.
Seit diesem Jahr braut Löffler in einer Scheune gleich neben seiner Wohnung. Fast alles, was für die Brauanlage nötig war, hat er gebraucht gekauft und umgebaut. Edelstahl ist das vorherrschende Material. "Das sind Milchhofbehälter vom Landwirt, da wurde Milch mit an die Straße gefahren. Das meiste habe ich selber gemacht, aber ich hatte auch viel Hilfe, wofür ich dankbar bin." Jetzt braut Löffler vier Sorten Bier: Pils und Altbier nach dem deutschen Reinheitsgebot und auch zwei belgische Biere, bei denen es nicht auf das Reinheitsgebot ankommt.
Bierverkauf im Kleinen
Mit dem Start seiner kleinen Privatbrauerei stellt sich Löffler gegen einen Trend. 2024 gab es in Deutschland laut Statistischem Bundesamt 1459 Brauereien. Fast 100 Betriebe weniger als noch fünf Jahre zuvor. Auch der Bierkonsum der Deutschen geht Stück für Stück zurück. So ist es für Löffler anfangs schwer, sein Bier zu etablieren. Auch, weil er sich gegen die großen Brauereien durchsetzen muss.
Philipp Löffler über seine Konkurrenz
00:33 Min.. Verfügbar bis 25.11.2027.
Das tut er in seinem kleinen Hofladen und in einem Lottolädchen im Ort. Aktuell braut er 600 Liter im Monat, ist mit dem Absatz zufrieden. Bis es so weit war, musste er aber viele Rückschläge hinnehmen. Bier zu brauen, hat er sich zwar von Anfang an zugetraut. Sein Beruf als Chemielaborant ist schließlich ähnlich, sagt er. Aber nicht alles klappt sofort: "Da ist auch schon mal ein richtig schöner Ansatz für 1000 Flaschen nach zwei Wochen sauer geworden", sagt er. Da hilft nur noch wegschütten und besser machen.
Mittlerweile brodelt Löfflers Bier seit einer Stunde im Tank. Jetzt kommt der Moment, auf den der junge Brauer gewartet hat. Endlich kann er das fertige Bier runterkühlen und in einen großen Edelstahltank umpumpen. Durch ein kleines Sichtfenster kontrolliert er das Ergebnis und ist zufrieden. Das Bier lagert jetzt sechs Wochen, dann füllt Löffler es mit einer kleinen Anlage ab und klebt selbst seine Etiketten drauf.
Philipp Löffler in seiner Braustube
Irgendwann möchte Löffler aus seiner kleinen Brauerei ein kleines Familienunternehmen machen. Aber das hat noch Zeit. "Jetzt heißt es nur noch, sauber machen und dann ein kaltes Bier genießen", sagt er und lächelt zufrieden. Heute hat alles geklappt. Und womit könnte er das besser feiern, als mit einer Flasche seines selbst gebrauten Bieres?
Über dieses Thema haben wir auch am 01.09.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit OWL, 19.30 Uhr.