Jürgen Nießen steht vor der "Star Trek"-Achterbahn im Movie Park Germany

Jürgen Nießen vor der "Star Trek"-Achterbahn im Movie Park Germany

Mit 200 Stundenkilometern ins Glück: Das Leben eines Achterbahn-Ultras

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558 Achterbahnen in 16 Ländern - und kein Ende in Sicht: Jürgen Nießen aus Köln lebt für Loopings, Schrauben und den Nervenkitzel. Warum er jede neue Bahn "countet" und sogar bis nach Saudi-Arabien reisen will.

Beim Fußball werden die größten und leidenschaftlichsten Fans häufig Ultras genannt. Jürgen Nießens Herz schlägt aber nicht für einen Fußballclub, sondern für Achterbahnen. Er ist Achterbahn-Ultra, wenn es so etwas gibt. Dementsprechend löst das Aufheulen der Sirene in diesem Moment bei ihm große Vorfreude aus. Langsam rollt die "Star Trek" erst vorwärts, dann schiebt sie sich seitwärts in die Startposition. Nießens Aufregung steigt, seine Atmung wird schneller. "Auf geht's", ruft er. Vor ihm öffnet sich das Tor. Er streckt die Arme in die Luft und grinst. Eine Sekunde später schießt die "Star Trek" ins Freie.

Als Achterbahn-Fan groß geworden

Zwar war Nießen schon häufiger im Movie Park Bottrop und kennt die "Star Trek"-Achterbahn praktisch auswendig. Trotzdem ist der Start in die neue Freizeitpark-Saison immer wieder aufregend. Durch Loopings und Schrauben rasen - ein Nervenkitzel, nach dem er seit seiner ersten Fahrt im Alter von drei Jahren süchtig ist.

Jürgen Nießen über seine erste Achterbahnfahrt im Kölner "Tivoli"

00:31 Min. Verfügbar bis 03.05.2027

558 unterschiedliche Bahnen ist der Kölner in seinem Leben schon gefahren. 16 europäische Länder hat er dafür besucht und wohl tausende Euro für Reisen und Eintrittsgelder ausgegeben. Ihm ist klar, dass sein Hobby verrückt ist. Aber: "Wenn man das erste Mal vor einer neuen Bahn steht und sie dann fahren darf, ist das ein unbeschreibliches Gefühl."

Nießen gehört zum harten Kern der Achterbahn-Fans, die ihr Hobby ernst nehmen. Jede neue Bahn wird "gecountet", also gezählt und digital festgehalten. Dafür gibt es im Netz spezielle Seiten, die auch Bestenlisten führen. Einige Fahrer stellen dort sogar Nießen in den Schatten und sind schon über 3000 verschiedene Bahnen gefahren.

Jürgen Nießen sitzt mit anderen Mitgliedern des "Freundeskreises Kirmes und Freizeitparks" in einer Achterbahn.

Jürgen Nießen mit anderen Mitgliedern des "Freundeskreises Kirmes und Freizeitparks"

Der 55-Jährige ist als Teil des "Freundeskreises Kirmes und Freizeitparks" mit Vereinsmitgliedern in ganz Europa unterwegs. Wenn die Truppe einen neuen Freizeitpark besucht, kann das "Counten" schon stressig werden, sagt Nießen. "Wir wollen ja alle Bahnen abhaken. Es gibt das Motto: Erst werden alle Bahnen gefahren und dann kommt das Vergnügen."

"Hands Up" bei 200 Stundenkilometern

An einem Tag fahre er bis zu 40 Mal, sagt der Routinier. Jüngere Kollegen schafften sogar bis zu 100 Fahrten. Damit das nicht langweilig wird, fahren alle mit nach oben ausgestreckten Armen. Selbst bei Spitzengeschwindigkeiten von knapp 200 Stundenkilometern. "Hands Up" nennen die Profis das. "So ist man den Kräften komplett ausgeliefert und das Erlebnis ist intensiver", erklärt Nießen.

Der Kölner ist ein wandelndes Lexikon. In seinem Bücherschrank steht Achterbahn-Literatur, täglich informiert er sich im Netz über Neuigkeiten. Wenn er über die Vor- und Nachteile der einzelnen Achterbahnen philosophiert, benutzt er Begriffe wie "Vorwärts- und Rückwärtsabschuss", "Rollback" und "Airtime".

Was macht eine gute Achterbahn aus?

00:15 Min. Verfügbar bis 03.05.2027

In 52 Jahren Achterbahn-Liebe hat Nießen schon alles erlebt. Wenn eine Bahn mal stecken bleibt und evakuiert werden muss, ist das für ihn Routine. Aber es gibt auch Vorfälle, die im Gedächtnis bleiben. "2023 sind wir mit dem Verein in Stockholm gewesen. Kurz darauf hat es dort einen Unfall gegeben." Damals entgleiste ein Wagen im "Gröna Lund"-Freizeitpark. Ein Mensch starb, mehrere wurden verletzt. Solche Unfälle seien aber die absolute Ausnahme, betont Nießen. "Achterbahnen sind sicher. Das Unsicherste ist immer noch, mit dem Auto zum Park zu fahren."

Sein Ziel: Die höchste Achterbahn der Welt

Dieses Jahr werden Jürgen Nießen und seine Frau ihr 17. Land besuchen. Während der mehrwöchigen Rundreise durch die USA werden sie auch einige Freizeitparks von Nießens Liste abhaken können. Seine Augen leuchten allerdings noch mehr, als er über seine Pläne für 2026 spricht.

Jürgen Nießen auf einem Selfie in einem Freizeitpark

Auch kleinere Bahnen fährt Jürgen Nießen gern

Dann möchte der 55-Jährige nach Saudi-Arabien. Dort wird mit "Falcon’s Flight" die höchste Achterbahn der Welt eröffnet. Sie misst 195 Meter und erreicht Spitzengeschwindigkeiten von bis zu 250 Stundenkilometern. Selbst für den abgebrühtesten Achterbahn-Profi ein einzigartiges Erlebnis.

Über dieses Thema haben wir am 07.04.2025 auch im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Köln, 19.30 Uhr.

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