Es ist sieben Uhr an einem Samstagmorgen. Während draußen der Schnee fällt und die Welt noch schläft, treffen sich die Mitglieder vom Haarener Trommler- und Pfeiferkorps in ihrem Vereinsheim. Noch sind alle ziemlich verschlafen. Auch Martin Houtbeckers. Doch trotz langer Arbeitswoche sitzt der 35-Jährige mit Sicherheitsschuhen und in leuchtend oranger Jacke am Tisch. Bereit zum Müllsammeln.
Müllabfuhr statt Mitgliedsbeitrag
Denn in Haaren übernimmt das Trommler- und Pfeiferkorps die Papierentsorgung - ehrenamtlich. Das Geld, das der Verein mit dem monatlich gesammelten Papier verdient, braucht er für Uniformen, Musikinstrumente und den Dirigenten, der den Nachwuchs unterrichtet. Die Mitglieder zahlen so nur 20 Euro Vereinsbeitrag im Jahr. "Während Corona, wo sonst keine Auftritte waren, hat uns das gerettet", erzählt Houtbeckers.
Verein übernimmt ehrenamtlich die Papierentsorgung im Dorf
Lokalzeit aus Aachen. 12.01.2026. 02:36 Min.. Verfügbar bis 12.01.2028. WDR. Von Paula Randerath.
Haaren liegt in der Gemeinde Waldfeucht im Kreis Heinsberg. Insgesamt vier Vereine übernehmen dort die Müllsammlung. Ein anderer Verein entsorgt zum Beispiel die Weihnachtsbäume im Dorf. Seit wann es diese Aktionen der Vereine in Haaren gibt, weiß niemand mehr so ganz genau.
Als zwei Müllautos am Vereinsheim vorfahren, machen sich Houtbeckers und seine Vereinskollegen auf den Weg. Das Haarener Trommler- und Pfeiferkorps arbeitet mit einem Entsorgungsunternehmen zusammen, das Müllauto und die Fahrer muss der Verein für ihren Einsatz bezahlen. Gemeinsam mit zwei Vereinskollegen macht Houtbeckers sich an die Arbeit. Sie sind ein eingespieltes Team. "Den Quatsch machen wir seit 20 Jahren", sagt Houtbeckers, während er einen großen Stapel Pappkartons von der Einfahrt eines Anwohners in das Müllfahrzeug schmeißt.
Haarener Verein verdient Geld mit Müllentsorgung
Für jedes Kilogramm Papier gibt es Geld. Rund fünf Tonnen sammelt der Verein an einem Samstag in Haaren. Im vergangenen Jahr kamen dadurch rund 2400 Euro zusammen. Die Anwohner finden das toll. Man kennt sich im Dorf. Einige kommen raus und stecken den Männern etwas Trinkgeld zu. Andere kommen mit einem Heißgetränk zum Müllauto oder verschenken Schokolade.
Willkommene Gesten, gerade an kalten Tagen wie diesem, wo die Arbeit besonders anstrengend ist. Die Kartons frieren am Boden fest. Und auch das Papier ist oft an der Tonne festgefroren und fällt nicht beim ersten Entleeren raus. Fünf Stunden sind die Freiwilligen mit zwei Müllautos im Dorf unterwegs.
"Es ist scheiße kalt. Die Nacht soll es minus elf Grad werden. So langsam merkt man das. Aber es läuft ganz gut, wir sind jetzt im Endspurt", sagt Houtbeckers. Ob es denn trotzdem Spaß macht? "Ja sicher! Weil wir eingespielt sind", beteuert er. Schließlich gehen Houtbeckers und sein Vereinskollege Dirk Leisten die Strecke schon seit 20 Jahren, mit 15 Jahren haben sie das erste Mal angepackt. Und auch der Dritte im Bunde hat früh mitgeholfen: Der 17-jährige Finn Sauren ist seit fünf Jahren dabei. Kein Wunder also, dass Houtbeckers sagt: "Alles geht Hand in Hand. Egal, wie das Wetter ist. Das ist anstrengend, aber schön."
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Aachen, 12.01.2026, 19.30 Uhr.