Aufmerksam hören Johanna, Insa, Gabriela und Gufran zu. Ihr Chef erklärt ihnen ihren neuen Auftrag: "Heute geht's zum Fensterputzen in eine Ferienwohnung", sagt Thomas Hermes. Er ist der Projektleiter der integrativen Schülerfirma "Klarglas" der Papst-Johannes-Schule in Münster. Gemeinsam mit den vier Schülerinnen sitzt er im Klassenraum der Förderschule um einen großen Tisch herum und bespricht mit ihnen alles Wichtige für den Tag.
Danach räumen die jungen Erwachsenen alle wichtigen Utensilien für in den Schulbulli: Wischer, Leitern, Putzmittel, Eimer, alles sieht so aus, wie bei einem echten Glasreinigungsunternehmen. Die Schülerinnen freuen sich auf den Außeneinsatz. "Ich find's gut, wenn das Putzwasser schön dreckig wird. Denn dann sind die Fenster richtig sauber!", sagt Insa strahlend. Die 20-Jährige lebt mit dem Down-Syndrom, so wie auch die 18-jährige Johanna und die 17-jährige Gabriela. Die Arbeit in der Schülerfirma macht ihnen Spaß - und soll sie gleichzeitig gut auf die Zukunft vorbereiten.
Integrative Schülerfirma aus Münster putzt Fenster
Lokalzeit Münsterland. 22.12.2025. 03:16 Min.. Verfügbar bis 22.12.2027. WDR. Von Christian Schweitzer.
"Klarglas" nimmt an der Papst-Johannes-Schule eine wichtige Rolle ein: "Ziel ist, die Schüler auf den Übergang in den Beruf vorzubereiten", sagt Hermes. Die Schülerinnen und Schüler der kirchlichen Förderschule haben es später oft schwer auf dem Arbeitsmarkt. Denn sie gehören zu den laut Statistischem Bundesamt rund 360.000 Menschen mit einer geistigen Entwicklungsstörung.
Mit der Arbeit in der Schülerfirma können sie nicht nur ein Berufsfeld für sich ausprobieren. Die Schülerinnen lernen auch, selbstständig zu arbeiten, Rechnungen zu schreiben oder wie man mit Kunden umgeht, sagt Hermes. Die Einsätze außerhalb der Schule, in fremden Wohnungen, sind dabei besonders wichtige Erfahrungen. Und für die vier von "Klarglas" nichts Ungewöhnliches mehr. Projektleiter Hermes ist immer mit dabei.
Win-win-Situation
Angekommen beim Kunden ziehen sich die Schülerinnen vor dem Betreten der Wohnung Frottee-Überschuhe an, "damit auch der Boden sauber bleibt". Peter Fendel hat die Schülerfirma schon zum zweiten Mal gerufen. "Die machen das total gut, total nett, ganz freundlich, und nachher ist alles picobello. Es ist, glaube ich, eine Win-win-Situation für beide Seiten."
Sorgfältig putzen Johanna, Insa, Gabriela und Gufran ein Fenster nach dem anderen, achten darauf, dass alles schön sauber und streifenfrei wird. Die Kosten für ihre Arbeit sind dabei gering: 1 Euro für ein normales Fenster, 1,50 Euro für ein großes Fenster, das liegt weit unter Marktniveau. Dafür dauern die Putz-Einsätze länger.
Mit den geringen Preisen deckt die Firma nur ihre Materialkosten
"Wir arbeiten nicht gewinnorientiert", erklärt Hermes. Mit dem Geld soll nur der materielle Aufwand bezahlt werden. Bleibt was übrig, "gehen wir auch mal schön essen oder machen einen Betriebsausflug".
Insa, Johanna, Gabriela und Gufran können sich inzwischen auch ein späteres Berufsleben als Fensterputzerinnen vorstellen. "Weil das so viel Spaß macht!", ruft Johanna beim Abschied vom Kunden. Damit ist schon ein wichtiges Ziel des integrativen Schulprojektes erreicht.
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 22.12.2025, 19.30 Uhr.