Laurin Oppermann steht im orangenen Overall vor einem Müllfahrzeug.

Kindheitstraum erfüllt: Wuppertaler ist fasziniert von der Müllabfuhr

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Blinkende Lichter, lautes Gerumpel, große Autos. Laurin Oppermann aus Wuppertal ist als Kind von der Müllabfuhr fasziniert. 15 Jahre später erfüllt er sich einen Traum. Einen Traum in Orange.

Von Christian Licht

April 2010: Laurin Oppermann kann es kaum abwarten. Gespannt steht er am Straßenrand. Gleich müssten sie endlich kommen, wie jeden Donnerstag. Für den 5-Jährigen ist es der beste Moment der Woche. Wenn in seinem Wohnviertel in Wuppertal das große, orange Müllfahrzeug um die Ecke biegt.

Mit Staunen am Straßenrand gibt sich der Junge bald nicht mehr zufrieden. Er will mithelfen. Schnell kennen ihn die Müllwerker, erklären ihm, wie die große Hebevorrichtung funktioniert. Für den Kleinen ist das wie ein Zaubertrick: Die Tonne hakt ein, kippt hoch - und plötzlich ist sie leer. Dieses Geräusch, das Rumpeln und Klappern, die routinierten Handgriffe, all das brennt sich ihm ein.

Aus dem Archiv: Schon als Kind ist Laurin Oppermann fasziniert von der Müllabfuhr

00:20 Min. Verfügbar bis 04.11.2027

Heute ist Oppermann 20 Jahre alt und die Müllabfuhr sorgt bei ihm immer noch für glänzende Augen. "Ich kann es nicht erklären. Ich habe all die Jahre nach einer Erklärung gesucht. Viele Kinder fasziniert die Müllabfuhr einfach und bei mir ist das immer so geblieben", sagt er und lacht.

Endlich bei der Müllabfuhr

Die Faszination hat damals auch Ali Özgün gespürt. Er ist einer von rund 500 Mitarbeitern beim Wuppertaler Entsorger AWG. Er und seine Kollegen bewegen pro Jahr fast 250.000 Mülltonnen, in grau, gelb, braun und blau.

"Laurin ist immer hinter mir hergelaufen. Irgendwann habe ich ihm erlaubt, auch mal eine Tonne zu ziehen, die zu entleeren und dann wieder zurückzubringen. Ob im Sommer oder Winter, der ist immer hinter mir hergelaufen - jeden Donnerstag", erinnert sich der Müllwerker. Die außergewöhnliche Müllabfuhr-Begeisterung des Jungen ist damals stadtbekannt.

Müllwerker Ali Özgün sitzt am Steuer eines Müllautos

Müllwerker Ali Özgün hat dem kleinen Laurin damals das Müllfahrzeug erklärt

Jetzt, mit 20 Jahren, hat es Oppermann endlich geschafft: Er absolviert ein Praktikum bei der Müllabfuhr. Zum ersten Mal darf er selbst hinten auf dem Wagen stehen, darf die schweren Tonnen bewegen, darf Teil dieses Teams sein, das er so lange bewundert hat: "Als Kind bin ich immer mitgegangen und jetzt darf ich selbst mit anfassen. Das macht natürlich unheimlich Spaß." 

So hart ist der Job bei der Müllabfuhr

Allerdings ist die Arbeit heftiger, als er sich das als Kind vorgestellt hat. Um 5 Uhr klingelt der Wecker, die Touren sind körperlich fordernd, manchmal riecht es unangenehm. "Ich kannte es nicht wirklich, in Orange dazustehen. Man muss groß und stark genug sein, um die Tonnen zu bewegen", sagt der Praktikant.

Laurin Oppermann über sein Praktikum bei der Müllabfuhr

00:14 Min. Verfügbar bis 04.11.2027

Während Oppermann hinten die Tonnen auf- und wieder ablädt, sitzt Özgün vorne am Steuer des tonnenschweren Müllfahrzeugs. Genau der Müllwerker also, dem Oppermann als Kind hinterhergelaufen ist. Geht es nach ihm, wäre der Praktikant möglichst schnell im Team. "Ich würde ihn am liebsten direkt als zweiten Lader behalten. Der soll bei mir bleiben, der macht seine Arbeit super", sagt Özgün.

Doch Oppermann hat andere Pläne. Das Praktikum bei der Müllabfuhr macht er, um sich seinen Kindheitstraum zu erfüllen. Eigentlich studiert er Wirtschaftswissenschaften. "Bei meinem Studium fasziniert mich die Statistik. Mein Traum ist es, eine Professur in diesem Bereich zu haben - irgendwann einmal", sagt er.

Und wer weiß? Vielleicht brauchen die Müllwerker der AWG ja mal Unterstützung von Statistikern. Dann wissen sie, wo sie mit ihrem orangen Müllauto vorbeifahren müssen. Bei dem mittlerweile großen Jungen, der immer noch so fasziniert ist von der Müllabfuhr.

Über dieses Thema haben wir auch am 13.10.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Bergisches Land, 19.30 Uhr.