Jörg Krauße balanciert einen prall gefüllten Karton vor sich, bis zu seiner Brust sind darin Spiele und Stofftiere übereinander gestapelt. "Ich habe euch was mitgebracht", begrüßt er die geduldig wartenden Kinder der Wohngruppe Babylon in Castrop-Rauxel. Die Spiele und Teddys sind Geschenke, mit denen Krauße ihnen und ihren Betreuerinnen eine Freude machen will - und das funktioniert. "Ich habe Gänsehaut. Mich freut es total zu sehen, dass die Kinder glücklich sind", sagt er nach der Übergabe. In diesen Momenten merke der 45-Jährige, warum es sich lohnt, sich neben seinem Job bei einer Versicherung viele Stunden pro Woche ehrenamtlich zu engagieren.
Krauße ist ein Mensch, der lieber handelt als zu meckern. Als der Vater von zwei Töchtern feststellt, dass es Kindergärten oder Jugendeinrichtungen immer wieder an Geld für Neuanschaffungen fehlt, gründet er mit einigen Mitstreitern einen Verein: Crids, ein Wortspiel aus Charity und Kids. Dass sozialen Einrichtungen aller Art seit Jahren Geld und Personal fehlt, ist kein Geheimnis. Das bestätigt auch der Kinder- und Jugendhilfereport 2024.
Jörg Krauße freut sich, dass die gespendeten Spiele gut bei den Kindern ankommen
00:23 Min.. Verfügbar bis 25.08.2027.
Mithilfe von Spendern will Jörg Krauße mit seinem Verein seit Anfang des Jahres Wünsche von Kindern und Einrichtungen erfüllen. Kraußes neueste Idee: die "Teddy-Tonne". Eine Aktion, bei der Spender nicht mehr benötigte Teddys und Spiele abgeben können, die der Verein anschließend fit macht, um sie Kindern und Jugendlichen zu schenken. Die Idee kommt offenbar gut an: Zehn große Behälter voller Teddys und Spielzeuge sind in wenigen Tagen bei der Sammlung in der Zentrale der Castrop-Rauxeler Entsorgungsbetriebe zusammengekommen.
Langzeitarbeitslose reparieren Teddys
"Das ist der helle Wahnsinn, damit habe ich überhaupt nicht gerechnet", sagt Krauße stolz. "Am Anfang habe ich mir die Frage gestellt, ob die Aktion überhaupt angenommen wird und wir eine 'Teddy-Tonne' vollkriegen." Alle Spenden bringt der Entsorgungsbetrieb zum Werkhof in Hagen, wo sie Langzeitarbeitslose vom Projekt Rückspiel wieder fit machen. Die Arbeitsgelegenheit soll Menschen mit körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen dabei helfen, den Weg zurück in die Arbeitswelt zu finden.
Hier durchläuft jeder Teddy verschiedene Stationen: Er bekommt eine Artikelnummer, liegt 48 Stunden in der Tiefkühltruhe und wird gewaschen, um Milben abzutöten. Anschließend trocknet er mehrere Tage lang, bevor ihn die Mitarbeiter reparieren, wenn das nötig ist. Am Ende geht jeder Teddy durch die Qualitätskontrolle und wird eingeschweißt.
Jörg Krauße ist überwältigt
00:20 Min.. Verfügbar bis 25.08.2027.
Den Kontakt zu Crids hatte eine Fachanleiterin des Projekts aufgenommen, nachdem sie einen Bericht über den Verein in der WDR Lokalzeit aus Dortmund gesehen hatte. "Ich war gerade in der Waschstraße, als ich den Anruf bekam. Ich dachte erst, sie will mich auf den Arm nehmen, als sie mir ihre Unterstützung angeboten hat. So ist die Kooperation zustande gekommen", erklärt Jörg Krauße.
Er ist stolz auf das, was er - gemeinsam mit seinen Unterstützern - auf die Beine gestellt hat. Eine Mitstreiterin aus seinem Verein versucht jetzt, auch in Herne eine "Teddy-Tonne" an den Start zu bringen. Krauße selbst hat erst einmal genug damit zu tun, all die gespendeten Stofftiere und Spiele an Kinder und Jugendliche in Castrop-Rauxel und Umgebung zu verschenken.
In der Tiefkühltruhe wird mögliches Ungeziefer abgetötet
In der Wohngruppe in Castrop-Rauxel will er schon bald für einen Spieleabend vorbeischauen. Für ihn stehen die Kinder im Vordergrund, der Crids-Gründer selbst bleibt bescheiden: "Die Stars sind immer die Kinder. Ich bin ja nur der Initiator der Aktion. Ein großes Lob gehört vor allem den Spendern und allen, die bei der 'Teddy-Tonne' mitgeholfen haben."
Über dieses Thema haben wir auch am 24.07.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Duisburg, 19.30 Uhr.