Für die Liebe zum Fußball und für die Kinder: Fan strampelt 6000 Kilometer
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Frank Müller ist Fan des Fußball-Bundesligisten Bayer 04 Leverkusen - und zwar mit Leib und Seele. Zu jedem der 17 Auswärtsspiele fährt er von Leverkusen aus mit dem Rennrad. Dabei sammelt der 50-Jährige Spenden für psychisch belastete Kinder. Wie er unterwegs Wind, Regen und Schnee trotzt - und was ihn dabei antreibt.
Von Jenny Weißenfels
Ein kalter Nieselregen peitscht über den Asphalt. Es ist kurz nach 3 Uhr morgens, die Straßenlaternen werfen fahle Kreise auf den Radweg am Rhein. Frank Müller lehnt sich in die Pedale, den Blick stur nach vorne gerichtet, der Wind bläst ihm ins Gesicht. Ziel: München. Entfernung: über 600 Kilometer. Verkehr? Egal. Wetter? Zweitrangig. Hauptsache unterwegs. Für Bayer 04 Leverkusen. Für die Kinder.
Dortmund im Schnee und München im Regen - Frank Müller fährt bei jedem Wetter
00:15 Min.. Verfügbar bis 17.05.2027.
Der 50-Jährige aus Leverkusen ist kein gewöhnlicher Fußballfan. Während andere Fans Auswärtsspiele vom Sofa aus verfolgen, setzt sich Müller aufs Rennrad, um das Spiel im Gästeblock zu sehen. Nachdem die Leverkusener im vergangenen Jahr Meister wurden und er selbst seinen 50. Geburtstag feierte, hatte Müller eine Idee. Er wollte in der darauffolgenden Saison zu allen 17 Auswärtsspielen seines Lieblingsklubs mit dem Fahrrad. Seine Mission: Aufmerksamkeit und Spenden für die Stiftung "Die Gute Hand" sammeln, die sich um Kinder und Jugendliche mit psychischen und emotionalen Problemen kümmert. Müller weiß, wie wichtig solche Angebote sind. Sein Sohn hat eine Autismus-Spektrum-Störung.
Leverkusen: 6000 Kilometer bis zum Ziel
Im Spätsommer 2024 beginnt seine Tourensaison. Zum Auftakt geht es nach Gladbach - mit rund 60 Kilometern eine entspannte Aufwärmstrecke. Doch was folgt, hat wenig mit Leichtigkeit zu tun. Regenetappen nach Bremen, Sturmwarnungen auf dem Weg nach Wolfsburg, Schneefall auf dem nach München. Bei minus 3 Grad kriecht die Kälte durch jede Pore, der Atem bildet kleine Wolken, das Trikot klebt schwer am Körper. "Manchmal frage ich mich unterwegs, warum ich das mache", gibt er zu, "aber dann denke ich an die Kinder und Jugendlichen."
Warum Frank Müller Spenden sammelt
00:18 Min.. Verfügbar bis 17.05.2027.
Zwischen Tankstellenkaffee und Energieriegeln hat Müller seine eigenen Routinen entwickelt. Er startet meist früh, oft vor Sonnenaufgang. Er übernachtet in kleinen Pensionen oder bei Bekannten, die er durch sein Projekt kennengelernt hat. Manchmal wird er auf seinen Touren sogar von Fans der gegnerischen Mannschaft begleitet. Auf seinem Instagram-Account postet er Etappenfotos, kurze Berichte und den Spendenstand - mittlerweile sind es knapp 10.000 Euro. "Die Leute sehen, dass ich es ernst meine. Und viele spenden, weil sie merken: Der Kerl zieht das durch, bei Wind und Wetter." Von dem Geld soll in seinem Heimat-Stadtteil Leverkusen-Schlebusch ein Reittherapie-Platz überdacht werden.
"Raus aus der Krise, rein ins Leben"
Besonders hart war die Tour nach München: Mehr als 600 Kilometer in zwei Tagen, Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt, Regen und Windböen, die ihm das Rad unter dem Körper wegdrücken wollten. Und weil Müller sich verfahren hatte, musste er noch ein paar extra Kilometer strampeln. "Ich war extrem frustriert, kam durchnässt und durchgefroren, aber am Ende überglücklich an."
Zuspruch von Freunden und Familie hilft bei der Aufgabe
Sein Rennrad, ein schlichtes schwarzes Modell, trägt inzwischen viele Spuren, Kratzer und Schrammen. "Es ist mein treuester Begleiter - wir zwei gegen das Wetter." Und gegen das Vergessen. Denn Frank Müller fährt nicht nur für die Punkte - sondern für junge Menschen, die Unterstützung brauchen. "Ich fahre nicht, um anzukommen. Ich fahre, damit andere wieder losfahren können - raus aus der Krise, rein ins Leben."
Über dieses Thema haben wir auch am 30.04.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Köln, 19.30 Uhr.