Der Laden ist nicht besonders groß, aber hier gibt es alles, was man zum Leben braucht. Von A wie Apfel bis Z wie Zahnpasta. Vor dem Laden stehen zwei Bänke. Im Fenster hängt ein neongelbes Plakat, das zum Schützenfest einlädt. Ein typischer Dorfladen, so wie es auch in geschwungener Schrift über der Tür steht. Und doch ist am Dorfladen im Dülmener Ortsteil Hiddingsel etwas anders. In den Fenstern des Ladens sind zum Schutz Gitter angebracht. In der Tür hängen Spanholzplatten, um ein großes Loch abzudecken. In den Dorfladen wurde eingebrochen. Gleich vier Mal in kurzer Zeit.
Dorfladen Hiddingsel: Frust nach Einbrüchen
Nach dem ersten Einbruch ist Ladenchefin Vera Wipprecht entsetzt, nach dem zweiten sauer und nach dem dritten richtig sauer. Nach dem vierten platzt ihr endgültig der Kragen. Da ist die Ladentür mit einem Gullydeckel zertrümmert worden. "Wir müssen so schnell wie möglich ein Rolltor vor die Tür machen", sagt die 53-Jährige. Aber wie bezahlen? Das Geschäft läuft zwar gut, aber ein paar tausend Euro für ein sicheres Rolltor aus Metall sind nicht drin. Jetzt kommt die Dorfgemeinschaft ins Spiel. Mit einer Spendenaktion - ins Leben gerufen von Stammkundin Laura Schmidt.
Wie sich Ladenchefin Vera Wipprecht über die Spendenaktion freut
00:18 Min.. Verfügbar bis 17.07.2027.
Schmidt ist Hiddingselerin mit Leib und Seele, der Dorfladen für sie unverzichtbar. Im Moment kann sie nicht selbst in den Laden kommen. Sie hat das 1900-Seelen-Dorf gerade um eine neue Einwohnerin reicher gemacht, ein gesundes Baby auf die Welt gebracht. Doch ihr Dorf lässt sie nicht im Stich. Nach dem vierten Einbruch war ihr klar: "Das kann so nicht weitergehen." Mit einer Spendenaktion im Internet will sie den Dorfladen retten. "Hilfe für unseren Dorfladen" nennt Schmidt sie.
Mit Herz, Seele und vielen kleinen Scheinen
Schnell wird klar: Das Dorf hält zusammen. Und wie. In kürzester Zeit gehen die ersten Spenden ein. 5 Euro, 20 Euro, 30 Euro, 50 Euro. Die Beträge sind meist überschaubar. Aber wenn viele auch nur wenig spenden, kommt ordentlich was dabei herum. Schließlich brauchen die Hiddingseler ihren Laden nicht nur zum Einkaufen. Er ist ein Ort für Gemeinschaft, Austausch und Miteinander. Es ist ihr Ort.
Bei so viel Unterstützung kommen Ladenchefin Wipprecht schon wieder Tränen der Rührung. "Das ist wie Familie, man ist in schweren Tagen füreinander da", sagt sie. Das sieht auch ihre Familie, also ihre Kunden, so: "Das Ohnmachtsgefühl ist jetzt weg", "Endlich kann man was tun", "Ich finde das astrein" oder "Die beste Idee! Ohne Dorfladen wären wir aufgeschmissen", sagen sie.
Wipprecht hört den Lobgesang der Kundschaft im Ohrenwinkel, als sie gerade neue Glückwunschkarten in einem Regal einsortiert. Es geht ihr runter wie Butter. Aber die große Wertschätzung in Hiddingsel beruht auf Gegenseitigkeit. Die Ladenchefin greift deshalb jetzt zum Telefon. Sie und ihre Kolleginnen wollen der Spendeninitiatorin herzlich zur Geburt ihrer Tochter gratulieren und na klar: danke sagen.
Das Team des Dorfladens sagt Danke
00:43 Min.. Verfügbar bis 17.07.2027.
Neben Stammkundin Schmidt wird auch die Polizei zum Freund und Helfer. Sie findet Tatverdächtige für die ersten drei Einbrüche, die Staatsanwaltschaft ist eingeschaltet. Vielleicht kann der "Fall Dorfladen" bald aufgeklärt werden.
"Wir hoffen, dass es nicht auch noch ein fünftes Mal passiert", sagt Wipprecht über die Einbrüche. Die Chancen, dass es erstmal ruhig bleibt, sind auf jeden Fall stark gestiegen. Bei der Spendenaktion kommen in kürzester Zeit fast 7000 Euro zusammen. Genug für ein stabiles Rolltor, das den Laden in Zukunft schützt. Und für Videoüberwachung, die Einbrecher abschrecken soll.
Über dieses Thema haben wir auch am 03.06.2025 im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.