Ercüment Salman an einem Schreibtisch

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Die 1989 gegründete "Fahrschule Edi" in Gelsenkirchen bildet heute längst nicht mehr nur Autofahrer aus: Hier ist das Kompetenz Ausbildungszentrum NRW entstanden, in dem neben Fahrlehrern auch andere Fachkräfte etwa für die Pflege oder Sicherheitsdienste ausgebildet werden.

Von Marlène Gas

Der Duft von marokkanischem Minztee liegt in der Luft. Links am Eingang steht ein Lkw-Simulator, ein Teilnehmer sitzt konzentriert am Steuer, ein Ausbilder verfolgt jede Bewegung. Ein anderer Teilnehmer kommt herein, ein kurzer, aber herzlicher Gruß, ein kurzes Gespräch. Weiter hinten im Gang nutzt ein Mann im Fitnessbereich seine Pause fleißig, um zu trainieren.

Mittendrin steht Ercüment Salman, 40 Jahre alt. Er grüßt in jeden Klassenraum, bleibt stehen, hört zu, fragt nach. Es sind kleine Gesten, die zeigen, wie nah er als Geschäftsleiter an den Menschen ist. Das Kompetenz Ausbildungszentrum NRW an der Zechenstraße in Gelsenkirchen-Rotthausen ist kein stiller Lernort - hier ist ständig Bewegung und vieles wirkt vertraut.

Von der Fahrschule zum Kompetenz Ausbildungszentrum NRW

Lokalzeit Ruhr 16.01.2026 03:19 Min. Verfügbar bis 16.01.2028 WDR Von Marlene Andree Gas

Gelsenkirchen zählt seit Jahren zu den Städten mit den höchsten Arbeitslosenzahlen in NRW. Im Dezember 2025 lag die Arbeitslosenquote laut der Bundesagentur für Arbeit bei 15,2 Prozent. Besonders betroffen sind Menschen mit Migrationsgeschichte, Geflüchtete oder Langzeitarbeitslose. Genau hier setzt das KAZ an.

Gelsenkirchen: Neue Chancen durch Ausbildungszentrum

Was 1989 als "Fahrschule Edi" gegründet wurde, entwickelte sich über die Jahre weiter: 2010 gründete der Familienbetrieb eine eigene Fahrlehrerfachschule. Später folgte die Spezialisierung auf Lkw- und Busfahrer im Kraftfahrerausbildungszentrum, wo auch zunehmend Teilnehmer von der Agentur für Arbeit ausgebildet wurden. Durch den Kontakt wurde klar: Es gibt einen großen Mangel an Sicherheitspersonal und Betreuungskräften.

So wurde 2021 aus dem Kraftfahrerausbildungszentrum das Kompetenz Ausbildungszentrum NRW (KAZ) - ein Ort, der heute weit über eine klassische Fahrschule hinausgeht. "Wir sind froh, wenn wir Teilnehmer hier reinkriegen und in Brot und Arbeit bringen", sagt Salman. "Es ist sehr viel Arbeit und Vorbereitung, aber am Ende sehen wir Menschen, die wieder eine Perspektive und Chance auf ein neues Leben haben."

Ausbildung mit klarer Jobperspektive

Das KAZ bietet Ausbildungen für Fahrlehrer aller Klassen, Lkw- und Busfahrer, Kurierfahrer, Pflegeassistenten sowie Sicherheitskräfte an. Der Grundsatz ist klar: Ausgebildet wird nur in Berufen, in denen es reale Jobchancen gibt. "Wir bilden nicht aus, um Klassen vollzukriegen, sondern um den Arbeitsmarkt zu füllen", sagt Salman. Nach Angaben des Zentrums liegt die Vermittlungsquote bei über 90 Prozent. Dafür arbeitet der Betrieb mit vielen Kooperationspartnern zusammen.

Anna macht am KAZ eine Ausbildung zur Pflegeassistentin. Die 31-Jährige kommt aus der Ukraine und sieht die Ausbildung als wichtigen Schritt für ihre Zukunft in Deutschland - auch für ihre Kinder. "Integration ist immer wichtig", sagt sie. "Wenn ein Mensch Motivation hat, kann er viel erreichen."

Eine Frau steht neben einem Krankenbett, in dem eine lebensgroße Puppe liegt

Anna kommt aus der Ukraine

Gerade lernt Anna, wie sie einen Zugang, wie etwa eine PEG-Sonde zur künstlichen Ernährung, versorgt. Vorsichtig entfernt sie das Pflaster, das rund um einen kleinen Schlauch auf dem Bauch einer Puppe klebt. Dozentin Sabine sieht Anna dabei aufmerksam zu, beantwortet geduldig ihre Fragen. "Ich habe das Gefühl, dass ich hier etwas Gutes für die Gesellschaft tun kann. Meine Schüler werden auf jeden Fall einen Job finden", so die Dozentin. " Mir ist wichtig, ihnen Wertschätzung zu geben - das fehlt vielen Menschen, die lange am Rand der Gesellschaft standen."

Auch Menschen nach der Haft finden im KAZ eine neue Chance. Das Ausbildungszentrum arbeitet eng mit der Justizvollzugsanstalt zusammen. Inzwischen haben mehr als 6000 Menschen im Kompetenz Ausbildungszentrum NRW eine Weiterbildung abgeschlossen. Für Ercüment Salman ist das mehr als eine Zahl. "Wenn man das hart auf hart nimmt: Wir tun etwas Gutes", sagt er. "Am Ende sind wir glücklich, weil wir jedes Jahr neue Menschen in Arbeit bringen."

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Ruhr, 16.01.2026, 19.30 Uhr.