Gaming-Sucht: "Bitte hör auf zu weinen, ich will noch etwas zocken"
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Peter Klim liebt Strategiespiele. Sein Ziel: ein Level nach dem anderen abschließen. Doch die Spiele sind teilweise endlos, der Familienvater aus Essen verliert sich immer mehr in der Gaming-Welt - bis ein einschneidender Moment ihn zurückholt.
Von Jana Musiol (Text) und Jan Akkermann (Multimedia)
Blitzschnell tippt der rechte Zeigefinger zwischen den Pfeiltasten auf der Tastatur hin und her. Die linke Hand in Habachtstellung, um im richtigen Moment die richtigen Tasten-Kombinationen zu drücken. Auf dem Computerbildschirm flackern die Lichter, die Szenen wechseln. Minuten vergehen, teilweise Stunden. Bei Peter Klim aus Essen sind es Jahre. 20 Jahre lang zockt er intensiv und verliert zunehmend die Kontrolle.
Der Weg vom Hobby-Zocker zum Süchtigen verläuft schleichend. Denn Gaming gehört heute im Kinder- und Jugendalter bei vielen einfach dazu. Zwei Stunden und 43 Minuten - so lange spielt in NRW durchschnittlich jeder Zehnte ab zehn Jahren täglich am Computer oder an der Konsole. Das zeigen aktuelle Zahlen der Landesstatistiker. Auffällig auch: Es zocken mehr als doppelt so viele Männer und Jungen wie Frauen und Mädchen.
Wenn Zocken zur Sucht wird
Erste Warnsignale zeigen sich bei Klim nach der Schule. Sein erstes Studium setzt er in den Sand. Er schwänzt Vorlesungen, um zu zocken, kompensiert Prüfungsstress mit Gaming. Trotzdem findet er einen guten Job, lernt seine Partnerin kennen und bekommt einen Sohn. Und genau der ist es, der bei Klim irgendwann die Wende bringt.
Als er an einem Tag mit seinem Sohn auf dem Arm vor dem Rechner sitzt, denkt er: "Bitte hör auf zu weinen, ich will noch etwas zocken." Plötzlich macht es nicht mehr nur auf seiner Computermaus Klick, sondern auch in seinem Kopf.
Für Klim ist klar: So geht es nicht weiter. Er sucht sich Hilfe bei einer Therapeutin und findet den Ausweg aus seiner Sucht und einen neuen Blickwinkel. "Zocken gibt einem nur kurz was. Am Ende des Tages habe ich irgendwo in einem Spiel 1.300 Stunden verbracht und irgendein Achievement freigeschaltet, aber davon habe ich im echten Leben gar nichts." Seine neu gewonnene Zeit will der heute 37-Jährige anders nutzen. Klim gründet eine Selbsthilfegruppe. Betroffene und Angehörige können sich alle zwei Wochen in der LVR-Universitäts-Klinik Essen austauschen.
Über dieses Thema haben wir am 21.10.2025 auch im WDR Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Duisburg, 19.30 Uhr.