Dieser Duisburger lebt für seinen Verein: Vollzeit-Ehrenamt am Fußballplatz
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Seit 40 Jahren ist Suat Amaç im Sportverein Rhenania Hamborn als Fußballspieler, Trainer, Vorstand und Allrounder auf dem Platz. Ohne ihn wäre der größte Verein im Duisburger Norden nicht derselbe. Über den unermüdlichen Einsatz eines Ehrenamtlers voller Leidenschaft.
Von Petra Vennebusch
Suat Amaç rangiert mit einem Trainer und Spielerinnen-Papa ein Fußballtor an die richtige Stelle. "Das Tor drehen, jetzt mehr nach links, okay und absetzen", sagt Amaç. Er delegiert und behält den Überblick. Im Hintergrund laufen sich die Spielerinnen der Mädchenmannschaft in roten Trikots schon mal warm. "Hallo Mädels", begrüßt der 61-Jährige im Vorbeilaufen die U11 mit einem fröhlichen Lächeln.
Egal ob auf oder neben dem Platz: Suat Amaҫ ist immer mittendrin
00:42 Min.. Verfügbar bis 12.09.2027.
Der Sportverein Rhenania Hamborn hat vergangenes Jahr sein 75-jähriges Jubiläum gefeiert. Mit 25 Fußballmannschaften ist er der größte Sportverein im Duisburger Norden. Hier kicken Mädchen, Jungen und Erwachsene aus 30 Nationen. Der Verein ist eine wichtige soziale Stütze im Viertel. In den Ferien bietet er Sprachcamps an, während der Schule Nachhilfe. Er organisiert Ausbildungsbörsen und Fußball-AGs in den Grundschulen.
Der 61-jährige Amaç ist für den Verein unermüdlich im Einsatz. Als Betreuer, Caterer und Kümmerer. Gerade begrüßt er den ersten jugendlichen Schiedsrichter. "In erster Linie sind das meine Gäste, die ich wie die Mannschaften immer herzlich willkommen heiße", erzählt der Ehrenamtler, der als 12-Jähriger aus der Türkei nach Deutschland gekommen ist. Bei Thyssen-Krupp in Duisburg hat er Schweißer und Schmelzer gelernt, dann noch ein Maschinenbau-Studium begonnen.
1,6 Millionen Ehrenamtliche im Fußball
So wie Amaç engagieren sich laut DFB rund 1,6 Millionen Menschen ehrenamtlich im Fußball. Damit ist der Sport nicht nur der größte Ehrenamtsbereich in Deutschland, sondern auch auf seine Helfer angewiesen. Ohne sie wäre das Training von 1,2 Millionen Kindern und Jugendlichen und die Ausrichtung der 1,5 Millionen Spiele pro Jahr nicht möglich, so der DFB.
Auch für den Rhenania Hamborn ist Ehrenamtler Amaç unverzichtbar. In dem Verein ist Amaç eine Institution. Hier nennen ihn alle nur "Suat Abi", also Bruder Suat. "Damit ist natürlich die Nähe angesprochen, Freundschaft, Vertrauen, wir sind als Verein eine große Familie", sagt der 61-Jährige. Spielerinnen-Papa David Meyer kann das nur bestätigen: "Suat ist morgens der Erste und abends derjenige, der den Platz abschließt, der macht seine Sache richtig gut."
Zeit für Fußballgespräche findet sich immer
00:24 Min.. Verfügbar bis 12.09.2027.
Beide stehen am Spielfeldrand und beobachten das Spiel. Meyers Tochter Laurena steht im Tor und hat gerade einen gefährlichen Ball der Solinger Spielerinnen in Blau abgewehrt. Zur Pause liegen die Roten von Rhenania Hamborn mit 2:1 vorn. Am Ende verlieren sie 2:3. Amaç ist sofort da, baut auf, reicht einer Spielerin am Boden die Hand. "Komm, aufstehen, Kopf hoch, das kann passieren."
Aus Liebe zum Verein: Kein Tag ohne Fußball
Dann ist Amaç schon wieder unterwegs zum nächsten Job. Trikots waschen, trocknen, falten. "So zehn Maschinen pro Woche fallen da schon an", sagt er. Er steht in einem Container und legt die Trikots der A-Jugend zusammen. "Kein Job, den ich besonders gerne mache", sagt er und lacht. Dann schon lieber im Kiosk aushelfen. Auch das gehört zu seinen Aufgaben: einkaufen, den Kiosk bestücken.
Seine Frau Zeynep steht hinter dem Tresen und kocht Kaffee. Amaç kümmert sich ums Mittagessen. "Ich bin hier der Toastmaster", scherzt er und beschmiert die Scheiben mit Ajvar, einer leicht scharfen Creme aus Paprika und Auberginen. Sein Engagement ist ein Fulltime-Job: sieben Tage in der Woche von morgens bis abends. "Da muss ich ja mitmachen", sagt seine Frau lachend, die lieber mehr Zeit mit ihrem Mann, den beiden Kindern und Enkelkindern verbringen würde.
Ohne Suat Amaҫ läuft nichts bei Rhenania Hamborn
Der 61-Jährige denkt aber noch nicht ans Aufhören. "Ich will das, was andere in meiner Jugend für uns getan haben, auch wieder zurückgeben", sagt er und läuft mit gelber Ordnerweste schon wieder zum Spielfeldrand.
Über dieses Thema haben wir auch am 01.09.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit aus Duisburg, 19.30 Uhr.