Die Anzeigetafel im Rheinstadion in Düsseldorf zeigt das 12:0 1978 von Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund und die Torschützen an

Bundesliga-Rekordsieg: Eine Borussia schießt die andere ab

Heimatliebe

Stand:

Der 12:0-Sieg von Borussia Mönchengladbach gegen Borussia Dortmund im April 1978 ist bis heute der höchste Bundesligasieg aller Zeiten. Warum Mönchengladbach in diesem Spiel einen solchen Torhunger hatte und am Ende doch nicht richtig jubeln konnte.

Von Stefan Weisemann

Mehr hätten es nicht werden dürfen. Zumindest für die Anzeigetafel im Düsseldorfer Rheinstadion. Am 29. April 1978 kommt sie hart an ihre Grenzen. Am Ende eines der denkwürdigsten Spiele der Geschichte der Fußball-Bundesliga ist praktisch jedes Leuchtelement der Tafel besetzt mit den Namen der zwölf Torschützen. Ein Glück, dass die Tafel zumindest für zweistellige Ergebnisse ausgelegt war.

Borussia Mönchengladbach ist an diesem Nachmittag nicht zu stoppen. Das Spiel ist gerade angepfiffen, da flankt Herbert Wimmer den Ball im Dortmunder Strafraum auf Jupp Heynckes. Der versenkt ihn mit einem wuchtigen Kopfball im Tor. 1:0 in Minute eins. Schnell folgen weitere Tore. Zur Halbzeit steht es 6:0.

Aus dem Archiv: Alle zwölf Tore vom 12:0-Rekordsieg

01:18 Min. Verfügbar bis 21.08.2027

Die enorme Lust der Borussia aus Mönchengladbach auf Tore an diesem Tag hat einen guten Grund. Es ist der letzte Spieltag der Saison. Vor dem Spiel stehen der 1. FC Köln und die Gladbacher punktgleich an der Tabellenspitze. Den Kölnern reicht ein eigener Sieg, um Meister zu werden, denn sie haben satte zehn Tore Vorsprung vor der Borussia. Das sollte reichen. Oder etwa doch nicht?

Spiellust bei Gladbach, Schockstarre beim BVB

Bei Gladbach macht sich mit der Pausenführung Hoffnung breit. Hier könnte heute etwas gehen. Vor allem Heynckes dreht auf. In seinem letzten Bundesligaspiel macht er allein fünf Tore. Am Ende leuchten eine dicke Zwölf und eine dicke Null auf der Anzeigetafel: Rekordsieg in der Fußball-Bundesliga.

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Die Dortmunder, für die es um nichts mehr geht, gucken nur zu. Gegenwehr: Fehlanzeige. Der damalige BVB-Spieler Lothar Huber sagt in einem Sportschau-Interview: "Nachher hat der Schiedsrichter die Bälle aus dem Tor geholt, wir waren gar nicht mehr in der Lage, wir waren so konsterniert." Die Ersatzspieler auf der Dortmunder Bank weigern sich sogar, eingewechselt zu werden. Keiner will Teil dieser Schmach sein. Am Tag danach wird Dortmunds Trainer Otto Rehagel gefeuert.

Rekordsieg, aber keine Meisterschaft

Die Bank der Gladbacher zeigt während des Spiels immer wieder an, wie viele Tore auf Köln noch fehlen. Doch die Kölner wehren sich gegen die irre Torejagd. Sie gewinnen ihr Spiel beim FC St. Pauli am Ende selbst mit 5:0, retten damit drei Tore Vorsprung über die Ziellinie. Köln wird Meister, Gladbach Zweiter. Das trübt die Freude über den höchsten Bundesligasieg aller Zeiten.

Der hat auch noch ein Nachspiel. Schnell kommen Manipulationsvorwürfe auf. Der DFB ermittelt, findet aber keine Anzeichen für Unregelmäßigkeiten. Trotzdem ist mancher Gladbacher Spieler hinterher ein bisschen froh, dass es nicht zur Meisterschaft gereicht hat. So hören die Fragen nach einer Manipulation bald wieder auf, und es bleibt ein unglaubliches 12:0, das sogar die Anzeigetafel fast überfordert hätte.