Sicher Karneval feiern: DRK verteilt Trinkschutz vor K.-o.-Tropfen
Stand:
Das Deutsche Rote Kreuz Niederrhein hat passend zum Karneval einen Silikonschutz für Trinkgläser organisiert, um zu verhindern, dass K.-o.-Tropfen ins Getränk gemischt werden können. Die Idee kam durch die Erfahrung einer Kollegin.
Von Jessika Westen
"Ich war plötzlich wie benommen und hatte Wahrnehmungsstörungen", erinnert sich Nadine Schering. Als ihr jemand K.-o.-Tropfen ins Getränk mischte, war sie Mitte 20. "Das war schon ein einschneidendes Erlebnis damals. Danach konnte ich nicht mehr unbeschwert feiern gehen."
Schering war mit Freundinnen in einer Diskothek. Nach dem zweiten Bier merkte sie plötzlich, dass etwas nicht stimmte. Zum Glück war Schering damals nicht allein unterwegs. Gemeinsam mit zwei Freundinnen verließ sie die Diskothek, bevor schlimmeres passieren konnte.
DRK startet Aktion gegen KO-Tropfen
Lokalzeit aus Duisburg . 06.02.2026. 03:21 Min.. Verfügbar bis 09.02.2028. WDR. Von Jessika Westen.
Die heute 48-jährige DRK-Mitarbeiterin erzählte ihren Kollegen in der Kaffeeküche von ihrer Erfahrung. Das Gespräch brachte das Team des DRK Niederrhein auf die Idee, passend zum anstehenden Karneval, einen Trinkschutz für Gläser zu organisieren. "Das Ganze ist eine Art Überzieher aus Silikon, mit dem man das Glas verschließen kann. Natürlich gibt es eine Öffnung für einen Strohhalm", sagt Michael Hendricks vom DRK Niederrhein.
Karneval feiern mit kostenlosem Trinkschutz
Der sogenannte "K.O.-Stopp" wurde von einer Firma aus Gelsenkirchen entwickelt. Er darf sogar in die Spülmaschine und kann dementsprechend immer wieder benutzt werden. Karnevalsvereine und private Veranstalter können den Trinkschutz kostenlos beim DRK Niederrhein bekommen.
Die Einsatzkräfte wollen ihn auch selbst auf Karnevalsveranstaltungen im Kreis Wesel verteilen. "Bisher ist das Interesse der Karnevalsvereine eher gering, muss man ehrlich sagen. Wahrscheinlich, weil sich kaum jemand eingestehen möchte, dass sowas auch auf der eigenen Veranstaltung oder im eigenen Dorf passieren kann", sagt Hendricks.
Michael Hendricks vom DRK Niederrhein (links) mit zwei Mitgliedern des Karnevalsvereins Alpen-Veen
Immerhin der Karnevalsverein Alpen-Veen hat sich schon gemeldet. "Wir haben für unser kleines Dorf einen recht großen Umzug. Da ist zwar unseres Wissens noch nie etwas passiert, aber wir wollen ja auch, dass das so bleibt. Deshalb finden wir den Trinkschutz eine gute Sache", sagt Martin Ahls vom Elferrat "De Veenze Kräje".
Nachweis von K.-o.-Tropfen schwierig
Verlässliche Zahlen zum Thema K.-o.-Tropfen gibt es nicht. Das liegt daran, dass sie nur sechs bis acht Stunden im Blut nachgewiesen werden können, maximal zwölf Stunden im Urin. "Das Problem ist, dass viele eine Gedächtnislücke haben oder sich erstmal richtig ausschlafen müssen. Wenn sie dann realisieren, dass ihnen möglicherweise K.-o.-Tropfen verabreicht wurden, ist es in der Regel zu spät", erklärt Kreisverbandsarzt Robert Moog.
Außerdem würden sich viele Opfer schämen und sich selbst eine Mitschuld geben. Opfer seien übrigens nicht nur Frauen, sondern immer häufiger auch Männer. Dann gehe es in der Regel nicht um sexuelle Übergriffe, sondern darum, sie auszurauben.
Nadine Schering ist erst später bewusst geworden, in welcher Gefahr sie sich befunden hat. "Das ist schon ein komisches Gefühl. Ich dachte immer, sowas kann mir nicht passieren. Danach habe ich mein Glas nie wieder aus den Augen gelassen und das sage ich jetzt auch meinen Kindern." Auf die Frage, wie es für sie ist, dass ihre Geschichte nun vielleicht dazu beiträgt, andere zu schützen, antwortet sie: "Ich möchte mich da nicht mit fremden Lorbeeren schmücken. Ich habe den Kollegen einfach nur erzählt, was mir passiert ist."
Hinweis der Redaktion vom 18. Februar 2026: In einer früheren Version haben wir geschrieben, dass das DRK den Trinkschutz entwickelt hat. Allerdings kümmerte sich das DRK nur um die Organisation und Verteilung. Wir haben den Text entsprechend angepasst.
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Duisburg, 06.02.2026, 19.30 Uhr.