Ein braunes Alpaka blickt frontal nach vorne, im Hintergrund sieht man andere Alpakas auf einer Wiese grasen

Nicht nur flauschig und süß: Diese Alpakas aus Goch sind wahre Helden

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Die Alpakas von der kunterbunten Alpakawelt in Goch können nicht fliegen und sind auch nicht übermäßig stark. Ihre Superkräfte liegen einfach in ihrem Wesen. Ganz nach dem Sprichwort "in der Ruhe liegt die Kraft" helfen sie Menschen mit psychischen Erkrankungen.

"Wenn man ganz genau hinhört, kann man sogar die Zähne hören, beim Grasen." Nina Fischer ist gerade mit ihrem Kopf nur bei den Alpakas, ganz im Moment versunken. Beobachten, Körpersprache lesen und einfach abschalten - darum geht es, wenn sie zur Alpaka-Therapie geht.

Alpakas: Helden der Therapie

03:15 Min. Verfügbar bis 08.04.2028

Die 45-Jährige hat eine Persönlichkeitsstörung. Normale Alltagssituationen können Nina Fischer emotional stark überfordern. Wir haben ihren Namen auf ihren Wunsch hin geändert. Fischer lebt in einer Wohngemeinschaft des LVR für Menschen mit besonderen Bedürfnissen. Ihren Alltag empfindet sie oft als anstrengend. Die Alpakas geben ihr die Ruhe und Entspannung, die sie braucht. "Zu Hause ist die Ruhe vorbei, aber dann schaue ich auf die Bilder in meinem Handy und bin wieder bei den Alpakas."

Alpakas können Stress reduzieren

Laut dem Statistischen Landesamt NRW wurden 246.012 Menschen wegen psychischen und Verhaltensstörungen im Jahr 2024 vollstationär behandelt. Das entspricht etwa 1,4 Prozent der Bevölkerung. Gleichzeitig gibt es lange Wartezeiten auf Therapieplätze. Dadurch wächst das Interesse an ergänzenden Therapieformen - darunter die Begegnung mit Tieren, die Stress reduzieren und emotionale Stabilität fördern soll.

So wie bei der kunterbunten Alpakawelt in Goch. Gegründet wurde sie von der Bauernhof- und Sozialpädagogin Nicole Feldbusch. Sie hat erkannt, wie gut Alpakas bei tiergestützter Therapie eingesetzt werden können. Sogar in der Forensik hat sie schon mit ihren Tieren gearbeitet. Also mit psychisch kranken Menschen, die eine Straftat begangen haben.

"Alpakas hinter Gittern" hieß das Projekt. "Die Ruhe, die diese Tiere ausstrahlen, überträgt sich einfach, und zu sehen, dass meine Alpakas so vielen unterschiedlichen Menschen helfen können, macht mich glücklich", sagt Feldbusch.

Alternative Therapieform

Sie hat in der Vergangenheit selbst jahrelang als Pflegefachkraft in der Forensik gearbeitet. So kam der Kontakt und das Projekt zustande. Drei Jahre lang hat sie dort Frauen in der geschlossenen Psychiatrie mit den Alpakas besucht. Vorab hat sie ein Zehn-Stufen-Modell erarbeitet, bei dem sich die Therapieteilnehmerinnen ganz langsam immer mehr Kontakt zu den Tieren erarbeiten können. So ist die Sicherheit für Mensch und Tier immer gewährleistet.

Nina Fischer und Nicole Feldbusch stehen auf einer Wiese mit vielen Alpakas um sich herum.

Wenn Nina Fischer gemeinsam mit Nicole Feldbusch Zeit mit den Alpakas verbringt, ist sie direkt entspannter

Die Alpakas grasen friedlich auf ihrer riesigen Wiese. Mittendrin stehen Fischer und Feldbusch und beobachten. Die Körpersprache der Tiere zu sehen, hilft Fischer, auch die Körpersprache von ihren Mitbewohnern zu lesen, sagt sie.

Am Ende der Therapie ist sie tiefenentspannt - und glücklich. Pädagogin Feldbusch beugt sich zu ihr: "Man sagt, schaue einem Alpaka nicht zu tief in die Augen, weil, du wirst dich verlieben." Fischers Antwort kommt sofort: "Ich bin schon verliebt!"

Sendung: Lokalzeit.de, Alpakas: Helden der Therapie, 08.04.2026, 07.15 Uhr.